Die Pend­ler­pau­scha­le vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Der Bun­des­fi­nanz­hof legt die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung der “Pend­ler­pau­scha­le” dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor. Nach Ansicht des BFH ist die seit 2007 gel­ten­de Ver­sa­gung des Wer­bungskos­ten­ab­zugs von Auf­wen­dun­gen für die Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te ver­fas­sungs­wid­rig. Da über die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von Geset­zen nur das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schei­den darf, hat der BFH die bei­den bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren jetzt aus­ge­setzt und dem BVerfG vor­ge­legt.

Die Pend­ler­pau­scha­le vor dem Bun­des­fi­nanz­hof

Seit dem 1. Janu­ar 2007 sind Auf­wen­dun­gen des Arbeit­neh­mers für die Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te kei­ne Wer­bungs­kos­ten mehr. Der Gesetz­ge­ber geht danach davon aus, dass der Weg von und zu der Arbeits­stät­te in die pri­va­te Sphä­re fällt (sog. Werks­tor­prin­zip). Der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hält die Neu­re­ge­lung für ver­fas­sungs­wid­rig, soweit Auf­wen­dun­gen des Arbeit­neh­mers für die Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te weder als Wer­bungskos­ten noch auf ande­re Wei­se abge­zo­gen wer­den kön­nen. Er hat des­halb zwei Ver­fah­ren betref­fend die Ableh­nung eines Lohn­steu­erermä­ßi­gungs­an­trags mit Beschlüs­sen vom 10. Janu­ar 2008 aus­ge­setzt und das Abzugs­ver­bot dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) vor­ge­legt. Der Beschluss VI R 17/​07 ist zur amt­li­chen Ver­öf­fent­li­chung bestimmt und im Voll­text auf der Home­page des BFH ver­füg­bar.

Nach Auf­fas­sung des BFH sind Auf­wen­dun­gen des Arbeit­neh­mers für die Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ßi­ger Arbeits­stät­te Erwerbs­auf­wen­dun­gen. Sie sei­en des­halb bei der Bestim­mung der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit nach dem sog. objek­ti­ven Net­to­prin­zip zu berück­sich­ti­gen. Die vom Gesetz­ge­ber zur Begrün­dung ange­führ­te Haus­halts­kon­so­li­die­rung bie­te für sich genom­men noch kei­nen sach­li­chen Grund für eine Ungleich­be­hand­lung. Der BFH ist fer­ner der Ansicht, dass der Gesetz­ge­ber das Werks­tor­prin­zip nicht fol­ge­rich­tig umge­setzt habe. Denn sons­ti­ge Mobi­li­täts­kos­ten – wozu u.a. Kos­ten der dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung zäh­len – könn­ten wei­ter­hin als Wer­bungskos­ten oder in sons­ti­ger Wei­se steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den.

Selbst wenn man aber das Werks­tor­prin­zip aner­ken­nen soll­te, ver­stößt das Abzugs­ver­bot nach Auf­fas­sung des BFH gegen das sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip. In die­sem Fall han­de­le es sich um unver­meid­ba­re Aus­ga­ben, denen sich der Arbeit­neh­mer nicht belie­big ent­zie­hen kön­ne. Die­se Auf­wen­dun­gen sei­en auch nicht durch den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten. Andern­falls blie­be das ein­kom­men­steu­erliche Exis­tenz­mi­ni­mum hin­ter dem sozi­al­recht­li­chen Min­dest­be­darf zurück. Danach näm­lich zäh­len Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te zu den not­wen­di­gen Aus­ga­ben, die das nach Sozi­al­hil­fe­recht zu berück­sich­ti­gen­de Ein­kom­men min­dern. Nach der Recht­spre­chung des BVerfG aber muss der Gesetz­ge­ber dem Ein­kom­mens­be­zie­her von des­sen Erwerbs­be­zü­gen min­des­tens das belas­sen, was er dem Bedürf­ti­gen zur Befrie­di­gung sei­nes exis­tenz­not­wen­di­gen Bedarfs aus öffent­li­chen Mit­teln zur Ver­fü­gung stellt.

Schließ­lich genü­ge die Neu­re­ge­lung im Fall bei­der­seits berufs­tä­ti­ger Ehe­gat­ten nicht dem Gleich­heits­satz in Ver­bin­dung mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gebot zum Schutz von Ehe und Fami­lie.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschlüs­se vom 10.01.08 – VI R 17/​07 und VI R 27/​07