Lauf­zeit­ver­län­ge­rung bei Lebens­ver­si­che­run­gen

Die nach­träg­li­che Ver­län­ge­rung eines Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges führt trotz gleich blei­ben­der Bei­trags­leis­tung steu­er­recht­lich zu einem neu­en Ver­trag, wenn die Mög­lich­keit der Ver­trags­än­de­rung im ursprüng­li­chen Ver­si­che­rungs­ver­trag nicht vor­ge­se­hen war und sich auf­grund der Ver­trags­än­de­rung die Lauf­zeit des Ver­tra­ges, die Prä­mi­en­zah­lungs­dau­er, die ins­ge­samt zu ent­rich­ten­den Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge und die Ver­si­che­rungs­sum­me ändern.

Lauf­zeit­ver­län­ge­rung bei Lebens­ver­si­che­run­gen

Der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für Bei­trä­ge zu Kapi­tal­ver­si­che­run­gen gegen lau­fen­de Bei­trags­leis­tun­gen mit Spar­an­teil, setzt nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b Dop­pel­buchst. dd EStG vor­aus, dass der Ver­trag für die Dau­er von min­des­tens zwölf Jah­ren abge­schlos­sen ist. Ob ein Ver­si­che­rungs­ver­trag bei einer Ver­trags­ver­län­ge­rung sei­nem Inhalt und sei­nem wirt­schaft­li­chen Gehalt nach unver­än­dert geblie­ben ist, oder ob es sich um einen neu­en Ver­trag han­delt, bestimmt sich – abge­se­hen von der hier nicht in Betracht kom­men­den Aus­wechs­lung des Ver­si­che­rungs­neh­mers – nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­de­fi­nanz­hofs im Wesent­li­chen nach den den Ver­trag prä­gen­den Merk­ma­len, näm­lich Lauf­zeit, Ver­si­che­rungs­sum­me, Ver­si­che­rungs­prä­mie und Prä­mi­en­zah­lungs­dau­er. Auch die Finanz­ver­wal­tung hat sich die­ser Auf­fas­sung ange­schlos­sen, wobei sie aller­dings bei nach­träg­lich ver­ein­bar­ten Ver­trags­än­de­run­gen grund­sätz­lich vom Fort­be­stand des "alten" Ver­tra­ges und nur hin­sicht­lich der Ände­run­gen von einem "neu­en" Ver­trag aus­geht.

In Anwen­dung die­ser Kri­te­ri­en ist führt eine Ver­län­ge­rung von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen unab­hän­gig davon, ob es sich dabei bür­ger­lich-recht­lich um Neu­ver­trä­ge oder um die blo­ße Ver­län­ge­rung bestehen­der Ver­trä­ge han­delt, steu­er­recht­lich stets zu neu­en Ver­trä­gen. Unter­schrei­tet deren (Rest-)Laufzeit die nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b Dop­pel­buchst. dd EStG erfor­der­li­che Min­dest­lauf­zeit von zwölf Jah­ren, sind die Zin­sen aus den Spar­an­tei­len, die in den nach den Ver­trags­än­de­run­gen geleis­te­ten Bei­trä­gen ent­hal­ten sind, nicht gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 2 EStG von der Besteue­rung aus­ge­nom­men.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Juli 2005 – VIII R 71/​04