Kei­ne Ver­erb­lich­keit des Ver­lust­vor­trags

Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat mit einem heu­te ver­öf­fent­lich­ten Beschluss die Ver­erb­lich­keit des Ver­lust­vor­trags besei­tigt.

Kei­ne Ver­erb­lich­keit des Ver­lust­vor­trags

Der Erbe kann damit einen vom Erb­las­ser nicht aus­ge­nutz­ten Ver­lust­vor­trag nach § 10d des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) in Zukunft nicht mehr zur Min­de­rung sei­ner eige­nen Ein­kom­men­steu­er gel­tend machen. Der Gro­ße Senat des BFH ist damit von einer rund 45 Jah­re wäh­ren­den höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung und ent­spre­chen­den Pra­xis der Finanz­ver­wal­tung abge­rückt. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes ist die neue, für die Steu­er­bür­ger ungüns­ti­ge­re Recht­spre­chung aller­dings erst in sol­chen Erb­fäl­len anzu­wen­den, die nach Ver­öf­fent­li­chung die­ses Beschlus­ses – also ab mor­gen – ein­tre­ten wer­den.

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung ist ein Rechts­streit, in dem ein Land­wirt und Hof­er­be im Rah­men sei­ner Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er den Abzug des von sei­nem ver­stor­be­nen Vater nicht aus­ge­nutz­ten Ver­lust­vor­trags begehrt. Der mit der Sache befass­te XI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat­te im Vor­la­ge­be­schluss vom 28. Juli 2004 XI R 54/​99 die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der Ver­lust­ab­zug nach § 10d EStG ent­ge­gen der stän­di­gen Recht­spre­chung des BFH nicht ver­erb­lich sei.

Dem hat sich der Gro­ße Senat im Grund­satz ange­schlos­sen. Der Über­gang des vom Erb­las­ser nicht aus­ge­nutz­ten Ver­lust­vor­trags auf den Erben kön­ne weder auf zivil­recht­li­che noch auf steu­er­recht­li­che Vor­schrif­ten und Prin­zi­pi­en gestützt wer­den. Die Ein­kom­men­steu­er sei eine Per­so­nen­steu­er. Sie erfas­se die im Ein­kom­men zu Tage tre­ten­de Leis­tungs­fä­hig­keit der ein­zel­nen natür­li­chen Per­so­nen und wer­de daher vom Grund­satz der Indi­vi­du­al­be­steue­rung und vom Prin­zip der Besteue­rung nach der indi­vi­du­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit beherrscht. Hier­mit sei es unver­ein­bar, die beim Erb­las­ser nicht ver­brauch­ten Ver­lust­vor­trä­ge auf den Erben zu über­tra­gen.

Aller­dings hielt der Gro­ße Senat auf­grund des Rechts­staats­prin­zips eine ver­trau­en­schüt­zen­de Über­gangs­re­ge­lung für not­wen­dig. Die neue Recht­spre­chung, mit der sich die jahr­zehn­te­lang bestehen­de Rechts­la­ge – ver­gleich­bar einer Geset­zes­än­de­rung – fak­tisch ände­re, sei daher erst mit Wir­kung für die Zukunft anzu­wen­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17.12.07 – GrS 2/​04