Betreu­ungs­leis­tun­gen durch Ver­eins­be­treu­er

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den hat, ist das in § 4 Nr. 18 Satz 1 Buchst. c des Umsatz­steu­er­ge­set­zes 1993/​1999 (UStG) gere­gel­te Preis­ab­stands­ge­bot inso­fern gemein­schafts­rechts­wid­rig ist, als es auch für behörd­lich geneh­mig­te Prei­se i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a 3. Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gilt.

Betreu­ungs­leis­tun­gen durch Ver­eins­be­treu­er

Nach § 4 Nr. 18 Satz 1 Buchst. c UStG setzt die Steu­er­frei­heit der Leis­tun­gen der amt­lich aner­kann­ten Ver­bän­de der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge u.a. vor­aus, dass die Ent­gel­te für die in Betracht kom­men­den Leis­tun­gen hin­ter den durch­schnitt­lich für gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen von Erwerbs­un­ter­neh­men ver­lang­ten Ent­gel­ten zurück­blei­ben (sog. Preis­ab­stands­ge­bot).

Im ent­schie­de­nen Fall erfüll­te der kla­gen­de ein­ge­tra­ge­ne Ver­ein, der durch sei­ne Ver­eins­be­treu­er u.a. Betreu­ungs­leis­tun­gen gegen­über Voll­jäh­ri­gen i.S. von §§ 1896 ff. des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches erbringt, die­se Vor­aus­set­zung gegen­über mit­tel­lo­sen Betreu­ten nicht, weil das im Streit­jahr 1999 gel­ten­de Gesetz über die Ver­gü­tung von Berufs­vor­mün­dern (BVormVG) inso­weit die Ver­gü­tun­gen für Berufs- und Ver­eins­be­treu­er ein­heit­lich fest­leg­te.

Der Ver­ein kann sich für die begehr­te Steu­er­frei­heit sei­ner Betreu­ungs­leis­tun­gen aber unmit­tel­bar auf die güns­ti­ge­re Rege­lung in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g i.V.m. Abs. 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen. Denn wenn ein Mit­glied­staat die­se Steu­er­be­frei­ung durch ein Abstands­ge­bot begren­zen möch­te, darf die­ses sich nach Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a 3. Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG nicht auf behörd­lich geneh­mig­te Prei­se bezie­hen. Die nach dem BVormVG von den Urkund­s­be­am­ten der Geschäfts­stel­le des Vor­mund­schafts­ge­richts fest­ge­setz­ten Ver­gü­tun­gen von Berufs- und Ver­eins­be­treu­ern sind behörd­lich geneh­mig­te Prei­se in die­sem Sin­ne. Daher gilt das Preis­ab­stands­ge­bot nach dem gegen­über dem natio­na­len Recht güns­ti­ge­ren Gemein­schafts­recht nicht für die Ent­gel­te, die der Klä­ger für die Betreu­ung von Mit­tel­lo­sen ver­ein­nahmt hat. Der BFH hat damit die Rechts­auf­fas­sung des erst­in­stanz­lich mit die­sem Fall befass­ten Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf bestä­tigt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17.02.09 – XI R 67/​06