Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Steu­er­for­de­run­gen

Die Über­mitt­lung eines Voll­stre­ckungs­ti­tels durch einen um Voll­stre­ckung ersu­chen­den Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on nach den Bestim­mun­gen der Richt­li­nie 76/​308/​EWG unter Bei­fü­gung einer deut­schen Über­set­zung des Voll­stre­ckungs­ti­tels hin­dert das Finanz­ge­richt nicht an der Prü­fung, ob die Voll­stre­ckung des aus­län­di­schen Titels in Deutsch­land gegen die öffent­li­che Ord­nung (ord­re public) ver­stie­ße.

Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Steu­er­for­de­run­gen

Das Gericht ist zu einer sol­chen Prü­fung ver­pflich­tet, wenn der in Deutsch­land ansäs­si­ge Steu­er­pflich­ti­ge sub­stan­ti­iert beson­de­re Umstän­de vor­ge­tra­gen hat, die einen Ver­stoß gegen den ord­re public zumin­dest mög­lich erschei­nen las­sen.

Ein sol­cher Ver­stoß gegen den deut­schen ord­re public liegt vor, wenn ein EU-Mit­glied­staat einem in Deutsch­land ansäs­si­gen Abga­ben­pflich­ti­gen eine in aus­län­di­scher Spra­che abge­fass­te Zah­lungs­auf­for­de­rung zustel­len lässt, der man­gels einer Rechts­be­helfs­be­leh­rung nicht ent­nom­men wer­den kann, dass die Rechts­be­helfs­frist ledig­lich 15 Tage beträgt, und eine Art Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand ent­we­der im aus­län­di­schen Recht nicht vor­ge­se­hen oder trotz Gel­tend­ma­chung von Grün­den, wel­che die Frist­ver­säum­nis ent­schul­di­gen könn­ten, nicht geprüft wor­den ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Novem­ber 2010 – VII R 21/​10
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