Beschrän­kung der Revi­si­on auf die Straf­aus­set­zung

Die Revi­si­on kann auf die Fra­ge der Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung beschränkt wer­den, es sei denn, dass sich die zugrun­de lie­gen­den Erwä­gun­gen von denen der Straf­zu­mes­sung aus­nahms­wei­se nicht wider­spruchs­frei tren­nen las­sen. Dass sich die bei der Straf­fin­dung und der Aus­set­zung jeweils zu prü­fen­den Fra­gen regel­mä­ßig über­schnei­den, hin­dert die Beschrän­kung der Revi­si­on für sich genom­men nicht.

Beschrän­kung der Revi­si­on auf die Straf­aus­set­zung

Das Revi­si­ons­ge­richt kann in die Pro­gno­se­ent­schei­dung des Tatrich­ters nur ein­grei­fen, wenn erkenn­bar unzu­tref­fen­de Maß­stä­be ange­wandt, nahe lie­gen­de Umstän­de über­se­hen oder fest­ge­stell­te Umstän­de feh­ler­haft gewich­tet wur­den.

Es ist all­ge­mein aner­kannt, dass eine Rechts­mit­tel­be­schrän­kung nicht nur auf den Rechts­fol­gen­aus­spruch ins­ge­samt, son­dern – wei­ter dif­fe­ren­zie­rend – auch inner­halb des Rechts­fol­gen­aus­spruchs auf die Fra­ge der Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung mög­lich ist [1] 2)). Nur aus­nahms­wei­se ist eine sol­che Beschrän­kung nicht zuläs­sig, wenn sich die zugrun­de lie­gen­den Erwä­gun­gen nicht von denen der Straf­zu­mes­sung tren­nen las­sen [2] 2)).

Dies ist nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Braun­schweig nicht schon dann der Fall, wenn es zu – prak­tisch kaum je ver­meid­ba­ren – Über­schnei­dun­gen im Prü­fungs­pro­gramm kommt, son­dern nur dann, wenn bei der Prü­fung ent­ste­hen­de Wider­sprü­che zu erwar­ten sind [3]. Ent­schei­dend ist somit, ob die Gefahr besteht, dass sich die im Fall einer wirk­sa­men Beschrän­kung bin­den­den Fest­stel­lun­gen zur Straf­zu­mes­sung nicht wider­spruchs­frei von den nach Teil­auf­he­bung noch zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen ergän­zen las­sen.

Zwar ist die Pro­gno­se­ent­schei­dung gem. § 56 Abs. 1 StGB grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters, dem hier­bei zudem ein wei­ter Beur­tei­lungs­spiel­raum zukommt, so dass das Revi­si­ons­ge­richt nach stän­di­ger Recht­spre­chung im Zwei­fel die vom Tat­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung bis an die Gren­ze des Ver­tret­ba­ren hin­neh­men muss [4] 5)). Es kann nur in Aus­nah­me­fäl­len ein­grei­fen, wenn erkenn­bar unzu­tref­fen­de Maß­stä­be ange­wandt, nahe lie­gen­de Umstän­de über­se­hen oder fest­ge­stell­te Umstän­de feh­ler­haft gewich­tet wur­den [5]. Dabei ist der Tatrich­ter zwar nicht gehal­ten, eine umfas­sen­de Dar­stel­lung aller irgend­wie mit­spre­chen­den Erwä­gun­gen vor­zu­neh­men, es bedarf jedoch einer Erör­te­rung der wesent­li­chen nach Lage des Fal­les bei der Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen­den Gesichts­punk­te [6].

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Urteil vom 24. Okto­ber 2014 – 1 Ss 61/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des Ober­lan­des­ge­richts, vgl. Beschluss vom 09.02.2011, Ss 92/​10, m. w. N. zur Ober­lan­des­ge­richts­recht­spre­chung, bis­lang unver­öf­fent­licht; KG, Beschluss vom 01.09.2008, (4) 1 Ss 207/​08 ((114/​08[]
  2. BGH, Urteil vom 06.04.1982, 4 StR 666/​81 2 m. w. N.; Bay­O­bLG, Beschluss vom 05.09.2002, 5 ST RR 224/​02 5; KG, Urteil vom 10.06.1999, (5) 1 Ss 419/​98 ((67/​98[]
  3. vgl. OLG Ham­burg, Beschluss vom 09.02.2005, II-10/05 – 1 Ss 5/​05 26. m. w. N.[]
  4. BGH, Urteil vom 25.04.2012, 5 StR 17/​12, m. w. N.; OLG Braun­schweig, a. a. O.; KG, Urteil vom 01.09.2008, (4) 1 Ss 207/​08 ((114/​08[]
  5. OLG Braun­schweig a. a. O.; Fischer, StGB, 61. Aufl., § 56 Rn. 11; Hub­rach in LK, StGB, 12. Aufl., § 56 Rn. 32[]
  6. Hub­rach, a. a. O., Rn. 32[]