Beweis­wür­di­gung und Erör­te­rungs­man­gel

Das Revi­si­ons­ge­richt muss es grund­sätz­lich hin­neh­men, wenn der Tatrich­ter Zwei­fel an der Täter­schaft des Ange­klag­ten nicht zu über­win­den ver­mag.

Beweis­wür­di­gung und Erör­te­rungs­man­gel

Dies gilt nicht nur im Fal­le eines Frei­spruchs, son­dern auch dann, wenn sich der Tatrich­ter ledig­lich von einem Gehil­fen­vor­satz über­zeu­gen kann.

Die Beweis­wür­di­gung ist Sache des Tatrich­ters. Es kommt nicht dar­auf an, ob das Revi­si­ons­ge­richt ange­fal­le­ne Erkennt­nis­se anders gewür­digt oder Zwei­fel über­wun­den hät­te. Viel­mehr hat es die tatrich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung selbst dann hin­zu­neh­men, wenn eine ande­re Beur­tei­lung näher gele­gen hät­te oder über­zeu­gen­der gewe­sen wäre [1].

Dem Tatrich­ter obliegt es, das Ergeb­nis der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und zu wür­di­gen. Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen brau­chen nicht zwin­gend zu sein, es genügt, dass sie mög­lich sind [2].

Die revi­si­ons­ge­richt­li­che Prü­fung beschränkt sich dar­auf, ob dem Tatrich­ter Rechts­feh­ler unter­lau­fen sind. Dies ist in sach­lich­recht­li­cher Hin­sicht der Fall, wenn die Beweis­wür­di­gung wider­sprüch­lich, unklar oder lücken­haft ist oder gegen Denk­ge­set­ze oder gesi­cher­te Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt [3].

Sol­che Rechts­feh­ler lie­gen indes vor, wenn die Beweis­wür­di­gung des Land­ge­richts lücken­haft ist. Ein Erör­te­rungs­man­gel und damit eine Lücke sind u.a. dann gege­ben, wenn sich der Tatrich­ter mit tat­säch­lich vor­han­de­nen Anhalts­punk­ten für nahe lie­gen­de ande­re Mög­lich­kei­ten nicht aus­ein­an­der­ge­setzt hat [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 198/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2015 – 5 StR 521/​14, NStZ-RR 2015, 178[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148 mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 11.11.2015 – 1 StR 235/​15, NZWiSt 2017, 36; und vom 23.07.2008 – 2 StR 150/​08, NJW 2008, 2792 mwN[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 26.01.2017 – 1 StR 385/​16 mwN[]