Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Straf­pro­zess – und die Urteils­grün­de

Stützt das Tat­ge­richt sich auf das Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen, hat es des­sen Aus­füh­run­gen eigen­ver­ant­wort­lich zu prü­fen.

Das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Straf­pro­zess – und die Urteils­grün­de

Andern­falls besteht die Besorg­nis es habe eine Fra­ge, zu deren Beant­wor­tung es eines beson­de­ren Sach­ver­stän­di­gen­wis­sens bedurf­te, ohne die­se Sach­kun­de ent­schie­den oder das Gut­ach­ten nicht nach­voll­zo­gen 1.

Schließt der Tatrich­ter sich ohne eige­ne Erwä­gun­gen an, hat er die wesent­li­chen tat­säch­li­chen Grund­la­gen, an die die Schluss­fol­ge­run­gen anknüp­fen und die Art der Fol­ge­run­gen wenigs­tens soweit im Urteil mit­zu­tei­len, als dies zum Ver­ständ­nis des Gut­ach­tens und zur Beur­tei­lung sei­ner gedank­li­chen Schlüs­sig­keit erfor­der­lich ist 2.

Dar­an fehl­te es im vor­lie­gen­den Fall: Weder hat die Kam­mer die Metho­dik offen­ge­legt, die der eige­nen Berech­nung des Sach­ver­stän­di­gen zugrun­de lag, noch hat sie die von die­sem für sein Gut­ach­ten und für die Alter­na­tiv­be­rech­nung nach der Metho­dik IDW SW 1 zugrun­de geleg­ten Anknüp­fungs­tat­sa­chen dar­ge­tan. Indem die Kam­mer den nied­rigs­ten genann­ten Wert zugrun­de legt und die­sen ohne Anga­ben von Grün­den noch­mals nach unten kor­ri­giert, lässt sie die Besorg­nis auf­kom­men, es lie­ge kei­ne eigen­stän­di­ge Wür­di­gung vor, man­gels Anga­be der Anknüp­fungs­tat­sa­chen ist das von der Kam­mer ange­nom­me­ne Ergeb­nis revi­si­ons­recht­lich nicht über­prüf­bar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. August 2018 – 1 StR 263/​18

  1. stRspr., vgl. die Nach­wei­se bei Ott in KK-StPO 7. Aufl. § 261 Rdnr. 32[]
  2. Ott aaO Rdnr. 32 f. m.w.N.[]