Der Grund­satz der Selbst­be­las­tungs­frei­heit

Der Grund­satz, dass nie­mand im Straf­ver­fah­ren gegen sich selbst aus­zu­sa­gen braucht, inso­weit also ein Schwei­ge­recht besteht, ist not­wen­di­ger Bestand­teil eines fai­ren Ver­fah­rens.

Der Grund­satz der Selbst­be­las­tungs­frei­heit

Es steht dem Ange­klag­ten frei, sich zu äußern oder nicht zur Sache aus­zu­sa­gen (vgl. § 136 Abs. 1 Satz 2, § 243 Abs. 5 Satz 1 StPO). Macht ein Ange­klag­ter von sei­nem Schwei­ge­recht Gebrauch, so darf dies nicht zu sei­nem Nach­teil gewer­tet wer­den [1].

Der unbe­fan­ge­ne Gebrauch die­ses Schwei­ge­rechts wäre nicht gewähr­leis­tet, wenn der Ange­klag­te die Prü­fung und Bewer­tung der Grün­de für sein Aus­sa­ge­ver­hal­ten befürch­ten müss­te. Des­halb dür­fen weder aus der durch­ge­hen­den noch aus der anfäng­li­chen Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung – und damit auch nicht aus dem Zeit­punkt, zu dem sich der Ange­klag­te erst­mals ein­lässt – nach­tei­li­ge Schlüs­se gezo­gen wer­den [2].

Im vor­lie­gen­den Fall kann dem land­ge­richt­li­chen Urteil ent­nom­men wer­den, dass der Ange­klag­te sich erst­mals in der Haupt­ver­hand­lung geäu­ßert hat. Dass er die Ermitt­lungs­be­hör­den nicht frü­her über die Anga­ben sei­ner Ver­lob­ten in Kennt­nis gesetzt hat­te, darf des­halb bei der Bewer­tung sei­ner Aus­sa­ge kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den. Die­ser Rechts­feh­ler ist auf die Sach­rü­ge hin zu beach­ten [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Okto­ber 2015 – 3 StR 344/​15

  1. BGH, Urtei­le vom 26.10.1983 – 3 StR 251/​83, BGHSt 32, 140, 144; vom 26.05.1992 – 5 StR 122/​92, BGHSt 38, 302, 305; vom 22.12 1999 – 3 StR 401/​99, NJW 2000, 1426; Beschlüs­se vom 03.05.2000 – 1 StR 125/​00, NStZ 2000, 494, 495; vom 28.05.2014 – 3 StR 196/​14, NStZ 2014, 666, 667[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 28.05.2014 – 3 StR 196/​14, NStZ 2014, 666, 667 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 28.05.2014 – 3 StR 196/​14, NStZ 2014, 666, 667 mwN[]