Der Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag als sofor­ti­ge Beschwer­de gegen die Kos­ten­grund­ent­schei­dung

Ein Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag kann nur dann in eine sofor­ti­ge Beschwer­de gegen die Kos­ten­grund­ent­schei­dung umge­deu­tet wer­den, wenn aus ihm Ein­wen­dun­gen erkenn­bar sind, die sich jeden­falls auch gegen die Kos­ten­grund­ent­schei­dung rich­ten.

Der Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag als sofor­ti­ge Beschwer­de gegen die Kos­ten­grund­ent­schei­dung

Grund­sätz­lich ist eine sofor­ti­ge Beschwer­de nach § 464 Abs. 3 Satz 1 1. HS StPO gegen die Ent­schei­dung über die Kos­ten und not­wen­di­gen Aus­la­gen als Rechts­mit­tel statt­haft; dies gilt auch, soweit eine Ent­schei­dung über die not­wen­di­gen Aus­la­gen unter­blie­ben ist.

Im vor­lie­gen­den Fall ist nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le inner­halb der Beschwer­de­frist aus §§ 464 Abs. 3 Satz 1, 311 StPO jedoch kei­ne sofor­ti­ge Beschwer­de gegen die (unter­blie­be­ne) Ent­schei­dung über die not­wen­di­gen Aus­la­gen erho­ben wor­den. Sie liegt ins­be­son­de­re auch nicht in dem am 20.08.2012 ein­ge­gan­ge­nen Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag des Ver­tei­di­gers.

Zu die­ser Pro­ble­ma­tik hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in sei­nem Beschluss vom 14.10.2010 1 aus­ge­führt:

Zwar ist es grund­sätz­lich mög­lich, einen inner­halb der Frist zur Ein­le­gung der sofor­ti­gen Beschwer­de ein­ge­gan­ge­nen Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag gemäß § 300 StPO in eine sofor­ti­ge Beschwer­de gegen die 2 Aus­la­gen­ent­schei­dung umzu­deu­ten. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen dies erfolgt, ist jedoch umstrit­ten.

Nach einer Auf­fas­sung soll der Anwen­dungs­be­reich des § 300 StPO regel­mä­ßig eröff­net sein, ohne dass es hier­für beson­de­rer wei­te­rer Vor­aus­set­zun­gen bedürf­te. Dies fol­ge dar­aus, dass der Frei­ge­spro­che­ne oder in der Beru­fungs­in­stanz Obsie­gen­de mit sei­nem Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag das Ziel ver­fol­ge, die ihm nach dem Kos­ten­recht zuste­hen­den Aus­la­gen zu erhal­ten. Da er sein Begeh­ren im Fal­le einer unrich­ti­gen oder teil­wei­se unter­blie­be­nen Kos­ten­ent­schei­dung erfolg­reich nur mit dem Rechts­mit­tel der sofor­ti­gen Beschwer­de gegen die Kos­ten- oder Aus­la­gen­ent­schei­dung errei­chen kön­ne, sei ein sol­cher Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag regel­mä­ßig nach § 300 StPO als sofor­ti­ge Beschwer­de aus­zu­le­gen 3.

Die Gegen­mei­nung erach­tet es zwar grund­sätz­lich eben­falls als mög­lich, einen Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag gemäß § 300 StPO in eine sofor­ti­ge Beschwer­de gegen eine unter­las­se­ne Aus­la­gen­ent­schei­dung umzu­deu­ten. Hier­für sei jedoch Vor­aus­set­zung, dass aus der Erklä­rung ein Anfech­tungs­wil­le her­vor­ge­he, also deut­lich wer­de, dass der Erklä­ren­de sich mit einer ihn beschwe­ren­den gericht­li­chen Ent­schei­dung nicht abfin­den wol­le 4. Die­ser Anfech­tungs­wil­le müs­se sich aus dem Sinn­ge­halt der Erklärung(en) selbst erge­ben, soweit sie inner­halb der Anfech­tungs­frist ein­ge­gan­gen sind 5. Für die Aus­le­gung der Erklä­rung kom­me es auch auf die Per­son des Erklä­ren­den an, ins­be­son­de­re kön­ne ein von einem Ver­tei­di­ger, dem bekannt ist, dass das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nicht zur Kor­rek­tur der Kos­ten­grund­ent­schei­dung füh­ren kann, gestell­ter Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag nur dann als sofor­ti­ge Beschwer­de aus­ge­legt wer­den, wenn hier­mit zugleich in irgend­ei­ner Wei­se die Kos­ten­grund­ent­schei­dung bean­stan­det wer­de 6.

Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le folgt der letz­te­ren Auf­fas­sung. Die regel­mä­ßi­ge Aus­le­gung eines Kos­ten­fest­set­zungs­an­tra­ges – wel­cher hier zudem nur an den Kos­ten­be­am­ten des erst­in­stanz­li­chen Gerichts gerich­tet ist – als Anfech­tung der Kos­ten­grund­ent­schei­dung wür­de den Anwen­dungs­be­reich des § 300 StPO in unzu­läs­si­ger Wei­se aus­wei­ten und die Rechts­an­wen­dung in die­sem Rah­men über­span­nen 7. Es bedarf viel­mehr eines aus dem Kos­ten­fest­set­zungs­an­trag her­vor­ge­hen­den Wil­lens, die vor­lie­gen­de Kos­ten­grund­ent­schei­dung nicht zu akzep­tie­ren. Deu­tet in einer abge­ge­be­nen Erklä­rung jedoch kein Wort auf einen Anfech­tungs­wil­len hin, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 300 StPO nicht eröff­net 8.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 4. April 2013 – 2 Ws 86/​13

  1. OLG Cel­le, Beschluss vom 14.10.2010 – 2 Ws 350/​10[]
  2. unter­blie­be­ne[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, GA 1990, 267 f.; OLG Stutt­gart StV 1993, 651 ‑juris; OLG Hamm, NStE Nr. 6 zu § 300 StPO[]
  4. vgl. KG Ber­lin, 1. Straf­se­nat, Beschluss vom 14.08.2007 – 1 Ws 107/​07; KG Ber­lin, 5. Straf­se­nat, NStZ-RR 2004, 190 f.; OLG Cel­le, 1. Straf­se­nat, Beschluss vom 11.06.2008 – 1 Ws 221/​08; Frisch in SK-StPO, § 300 Rdnr. 8; für die Anfecht­bar­keit von Kos­ten­ent­schei­dun­gen in Zivil­sa­chen eben­so OLG Ros­tock, 5. Zivil­se­nat, Beschluss vom 11.04.2008 – 5 W 63/​08[]
  5. vgl. KG a. a. O.; Hanack in LR-StPO, 25. Aufl., § 300 Rdnr. 5; Plöd in KMR-StPO, § 300 Rdnr. 2; OLG Düs­sel­dorf NStE Nr. 4 zu § 300 StPO[]
  6. vgl. KG, 5. Straf­se­nat a. a. O.; OLG Cel­le, 1. Straf­se­nat a. a. O.[]
  7. so auch OLG Cel­le 1. Straf­se­nat a. a. O.[]
  8. in die­sem Sin­ne auch OLG Düs­sel­dorf, NStE Nr. 4 zu § 300 StPO[]