Gesetz­lich ver­typ­te Min­de­rungs­grün­de – und der "min­der schwe­re Fall"

Sieht das Gesetz den Son­der­straf­rah­men eines min­der schwe­ren Fal­les vor und ist – wie hier gemäß § 27 Abs. 2, § 49 Abs. 1 StGB – auch ein gesetz­lich ver­typ­ter Mil­de­rungs­grund gege­ben, so ist bei der Straf­rah­men­wahl zwar zunächst im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung auf die all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­grün­de abzu­stel­len.

Gesetz­lich ver­typ­te Min­de­rungs­grün­de – und der "min­der schwe­re Fall"

Ver­mö­gen bereits die­se die Annah­me eines min­der­schwe­ren Fal­les zu tra­gen, ste­hen die den gesetz­lich ver­typ­ten Mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de noch für eine (wei­te­re) Straf­rah­men­mil­de­rung nach § 49 StGB zur Ver­fü­gung.

Schei­det nach Abwä­gung aller all­ge­mei­nen Straf­zu­mes­sungs­um­stän­de jedoch ein min­der schwe­rer Fall aus, so sind zusätz­lich die den gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grund ver­wirk­li­chen­den Umstän­de in die gebo­te­ne Gesamt­ab­wä­gung ein­zu­be­zie­hen.

Erst wenn der

Tatrich­ter danach wei­ter­hin die Anwen­dung des mil­de­ren Son­der­straf­rah­mens nicht für gerecht­fer­tigt hält, darf er sei­ner kon­kre­ten Straf­zu­mes­sung den allein wegen des gesetz­lich ver­typ­ten Straf­mil­de­rungs­grun­des her­ab­ge­setz­ten Regel­straf­rah­men zugrun­de legen 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Janu­ar 2015 – 3 StR 535/​14

  1. st. Rspr.; vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 05.08.2014 – 3 StR 138/​14[]