Schuld­un­fä­hig­keit – und ihre Fest­stel­lung im Urteil

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann für die Anwen­dung der §§ 20, 21 StGB schon regel­mä­ßig nicht offen blei­ben, wel­che der Ein­gangs­vor­aus­set­zun­gen des § 20 StGB gege­ben ist 1.

Schuld­un­fä­hig­keit – und ihre Fest­stel­lung im Urteil

Der Tatrich­ter ist gehal­ten, kon­kre­te Fest­stel­lun­gen zu den hand­lungs­lei­ten­den Aus­wir­kun­gen der Stö­rung zu den jewei­li­gen Tat­zeit­punk­ten zu tref­fen (vgl. § 20 StGB).Des­we­gen darf auch nicht offen blei­ben, ob die Ein­sichts- oder die Steue­rungs­fä­hig­keit des Täters ver­min­dert war 2.

Eine ver­min­der­te Ein­sichts­fä­hig­keit ist straf­recht­lich erst dann von Bedeu­tung, wenn sie das Feh­len der Ein­sicht zur Fol­ge hat 3 wäh­rend die Schuld des Ange­klag­ten nicht gemin­dert wird, wenn er unge­ach­tet sei­ner erheb­lich ver­min­der­ten Ein­sichts­fä­hig­keit das Unrecht sei­nes Tuns zum Tat­zeit­punkt tat­säch­lich ein­ge­se­hen hat 4.

Im Gegen­satz dazu führt erheb­lich ver­min­der­te Steue­rungs­fä­hig­keit ohne Wei­te­res zur Anwen­dung des § 21 StGB.

Wegen der unter­schied­li­chen Rechts­fol­gen hat der Tatrich­ter sich des­halb Klar­heit dar­über zu ver­schaf­fen, wel­che Alter­na­ti­ve des § 21 StGB vor­liegt 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. August 2016 – 2 StR 574/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 12.11.2004 – 2 StR 367/​04, BGHSt 49, 347, 351 mwN[]
  2. vgl. Bun­des­ge­richts­hof, aaO, BGHSt 49, 347, 356 ff.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 03.07.2002 – 2 StR 198/​02, NStZ-RR 2002, 328; BGH, Urteil vom 25.01.1995 – 3 StR 535/​94, BGHR StGB § 21 Ein­sichts­fä­hig­keit 6[]
  4. BGH, Beschluss vom 30.06.2015 – 3 StR 181/​15; NStZ-RR 2015, 273; BGH, Urteil vom 17.04.2014 – 2 StR 405/​12, BGHR StGB § 20 Ein­sichts­fä­hig­keit 4 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 30.06.2015 – 3 StR 181/​15; NStZ-RR 2015, 273, 274; Urteil vom 25.01.1995 – 3 StR 535/​94, BGHR StGB § 21 Ein­sichts­fä­hig­keit 6[]