Ver­fah­rens­rügen bei abge­lehn­ten Beweis­an­trä­gen

Ver­fah­rens­rügen sind zuläs­sig erho­ben, wenn die den Man­gel ent­hal­ten­den Tat­sa­chen ange­ge­ben wer­den (§ 344 Abs. 2 Satz 2 StPO). Dazu müs­sen die den gel­tend

Ver­fah­rens­rügen bei abge­lehn­ten Beweis­an­trä­gen

gemach­ten Ver­stoß ent­hal­ten­den Tat­sa­chen so voll­stän­dig und genau dar­ge­legt wer­den, dass das Revi­si­ons­ge­richt allein auf­grund die­ser Dar­le­gung das Vor­han­den­sein eines Ver­fah­rens­man­gels fest­stel­len kann, wenn die behaup­te­ten Tat­sa­chen bewie­sen sind oder bewie­sen wer­den 1.

Ver­wei­se auf frü­he­re Ein­ga­ben, Aus­füh­run­gen eines ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten oder den Inhalt der Akten genü­gen nicht; für den Revi­si­ons­vor­trag wesent­li­che Schrift­stü­cke oder Akten­stel­len sind viel­mehr durch wört­li­che Zita­te bzw. ein­ge­füg­te Abschrif­ten oder Ablich­tun­gen zum Bestand­teil der Revi­si­ons­be­grün­dung zu machen 2.

Hier­aus erge­ben sich je nach Art des gerüg­ten Ver­sto­ßes spe­zi­el­le Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung 3. Bei Angrif­fen gegen die Ableh­nung von Anträ­gen sind regel­mä­ßig der Antrag und die Ableh­nungs­be­grün­dung im Wort­laut oder in eige­nen Wor­ten voll­stän­dig mit­zu­tei­len 4, oft­mals auch die in die­sen Doku­men­ten in Bezug genom­me­nen Akten­be­stand­tei­le 5.

Eine sche­ma­ti­sche Betrach­tungs­wei­se ver­bie­tet sich indes. Ent­schei­dend ist stets, ob die inhalt­li­che Über­prü­fung der erho­be­nen Rüge bereits anhand des mit­ge­teil­ten Ver­fah­rens­stof­fes mög­lich ist. Kön­nen in Bezug genom­me­ne Akten­tei­le unab­hän­gig von ihrem Inhalt das Ergeb­nis der Prü­fung nicht beein­flus­sen, so sind sie für die Zuläs­sig­keit der Rüge nicht von Bedeu­tung.

Ob das Gericht die Anträ­ge zu Recht man­gels bestimm­ter Tat­sa­chen­be­haup­tung als unzu­läs­sig zurück­ge­wie­sen hat, bestimmt sich allein anhand des mit­ge­teil­ten Antrags­wort­lauts.

Die Ableh­nung eines Beweis­an­tra­ges wegen Bedeu­tungs­lo­sig­keit erfor­dert in aller Regel, dass der Beschluss kon­kre­te Erwä­gun­gen dar­über ent­hält, war­um das Tat­ge­richt aus der Bewei­s­tat­sa­che kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Schluss­fol­ge­run­gen zie­hen will. Die Anfor­de­run­gen an die­se Begrün­dung ent­spre­chen grund­sätz­lich den­je­ni­gen, denen das Tat­ge­richt genü­gen müss­te, wenn es die Indiz- oder Hilfs­tat­sa­che durch Beweis­erhe­bung fest­ge­stellt und sodann in den schrift­li­chen Urteils­grün­den dar­zu­le­gen hät­te, war­um sie auf sei­ne Über­zeu­gungs­bil­dung ohne Ein­fluss geblie­ben ist 6. Die blo­ße Wie­der­ho­lung des Geset­zes­wort­lauts genügt nicht 7. Eine Aus­nah­me von die­sem Grund­satz gilt indes in Fäl­len, in denen die Bedeu­tungs­lo­sig­keit für jeden Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten offen­sicht­lich ist 8. So ver­hält es sich hier: Ob etwas The­ma einer Bespre­chung war, lässt ersicht­lich weder einen Rück­schluss dar­auf zu, ob der Umstand selbst gege­ben war, noch dar­auf, ob die Fra­ge bei den Teil­neh­mern über­haupt von Inter­es­se war.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2014 – 3 StR 167/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.1980 – 2 StR 729/​79, BGHSt 29, 203; KK-Geri­cke, StPO, 7. Aufl., § 344 Rn. 38 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 27.10.2005 – 1 StR 218/​05, NStZ-RR 2006, 48, 49[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 24.07.1998 – 3 StR 78/​98, NJW 1998, 3284[]
  4. BGH, Beschluss vom 19.04.2000 – 3 StR 122/​00 2; Urteil vom 14.04.1999 – 3 StR 22/​99, NJW 1999, 2683, 2684[]
  5. BGH, Urtei­le vom 25.11.2003 – 1 StR 182/​03, NStZ-RR 2004, 118, 119; vom 18.08.2004 – 2 StR 456/​03, Stra­Fo 2004, 424[]
  6. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 01.10.2013 – 3 StR 135/​13, NStZ 2014, 110 mwN[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 20.12 2006 – 2 StR 444/​06, StV 2007, 176, 177[]
  8. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 15.05.1990 – 5 StR 594/​89, BGHR StPO § 244 Abs. 3 Satz 2 Bedeu­tungs­lo­sig­keit 12[]