Verurteilung wegen Tat im Jahre 1997

Aufgrund eines langen Zeitablaufs von fast 17 Jahren kann durch die Vollstreckung einer Jugendstrafe keine pädagogische Wirkung erzielt werden, so dass die Strafe wegen schweren Raubes in 2 Fällen zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Verurteilung wegen Tat im Jahre 1997

Mit dieser Begründung hat das Amtsgericht Hannover in dem hier vorliegenden Fall den bei der Begehung der Taten 17 Jahre alten Angeklagten wegen schweren Raubes in 2 Fällen zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt, deren Vollstreckung für 3 Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Die Anklage warf ihm einen zweifachen Bankraub aus dem Jahr 1997 vor. Der Angeklagte soll als Mitglied einer Bande gemeinsam mit einem bereits gesondert verurteilten Mittäter am 21.8.1997 gegen 11:23 Uhr, mit Strumpfmasken maskiert, die Kreissparkasse in der Hildesheimer Str. 25 überfallen und unter Vorhalt von Schusswaffen 17170 DM erbeutet haben. Die im Schalterraum anwesenden Kunden und Mitarbeiter mussten sich auf den Boden hocken, bzw. hinlegen, der Kassierer gab schließlich zur Abwendung weiterer Gefahren den Kassenbereich frei. Am 28.10.1997 gegen 11:50 Uhr betrat der Angeklagte mit dem gleichen Mittäter, mit Strumpfmasken maskiert, die Kreissparkasse in der Berliner Str. 17 in Ronnenberg und zwang unter Vorhalt von Schusswaffen erneut die anwesenden Mitarbeiter und Kunden, sich auf den Boden zu legen. Auch in diesem Fall öffnete der Kassierer zur Abwendung weiterer Gefahren die Kassenbox, so dass die Täter 10240 DM erbeuteten.

Der gesondert verfolgte erwachsene Mittäter wurde bereits am 3. April 2000 wegen dieser Taten und 2 weiteren Bankrauben zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 7 Monaten verurteilt. Der damals 17-jährige Angeklagte lebte unter einer Aliasidentität in Hannover, so dass sein wirklicher Namen zunächst nicht ermittelbar war. In der Folgezeit gelang es dem Angeklagten in Polen 2 Pizzerien zu betreiben, heute hat sein Betrieb 13 Mitarbeiter. Er lebt mit einem 8 jährigen Sohn und seiner Lebensgefährtin in einer polnischen Großstadt. Nachdem seine wahre Identität ermittelt wurde, erging ein europäischer Haftbefehl. Der Angeklagte wurde durch die polnischen Behörden aufgefordert, sich freiwillig am 17.12.2013 an der deutsch-polnischen Grenze zu stellen, dieser Aufforderung kam der Angeklagte nach, woraufhin er in Untersuchungshaft genommen wurde. Nach richterlicher Anhörung wurde er am 30.12.2013 gegen Zahlung einer Kaution von 5000 Euro auf freien Fuß gesetzt. Der Angeklagte gab unwiderlegbar an, die Beute damals bei dem Drahtzieher der Überfälle abgegeben und selbst nur einen sehr kleinen Betrag erhalten zu haben.

In seiner Urteilsbegründung hat das Amtsgericht Hannover ausgeführt, dass aufgrund des langen Zeitablaufs durch die Vollstreckung einer Jugendstrafe keine pädagogische Wirkung erzielt werden könnte, so dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden sei.

Durch seine persönliche Entwicklung hat der Angeklagte seine Resozialisierung selbst herbeigeführt und ist wieder ein integriertes Mitglied der Gesellschaft geworden. Dieses Ziel zu erreichen ist die Aufgabe des Jugendrechts, insoweit konnte das Amtsgericht keinen Grund mehr für die Verhängung einer höheren Strafe erkennen. Der Angeklagte ist daher zu einer Jugendstrafe von 2 Jahren verurteilt worden, die für 3 Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte u.a. 5000 Euro an Violetta e.V. zahlen.

Amtsgericht Hannover, Urteil vom 20. Mai 2014 – 312 Ls 27/14