Ver­wer­tung eines DNA-Gut­ach­tens – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

Das Tat­ge­richt hat in den Fäl­len, in denen es dem Gut­ach­ten eines Sach­ver­stän­di­gen folgt, die wesent­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen und Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters so dar­zu­le­gen, dass das Rechts­mit­tel­ge­richt prü­fen kann, ob die Beweis­wür­di­gung auf einer trag­fä­hi­gen Tat­sa­chen­grund­la­ge beruht und die Schluss­fol­ge­run­gen nach den Geset­zen der Logik, den Erfah­rungs­sät­zen des täg­li­chen Lebens und den Erkennt­nis­sen der Wis­sen­schaft mög­lich sind.

Ver­wer­tung eines DNA-Gut­ach­tens – und die Anfor­de­run­gen an die Urteils­grün­de

Für die Dar­stel­lung des Ergeb­nis­ses einer auf einer mole­ku­lar­ge­ne­ti­schen Ver­gleichs­un­ter­su­chung beru­hen­den Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ist nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung in der Regel zumin­dest erfor­der­lich, dass das Tat­ge­richt mit­teilt, wie vie­le Sys­te­me unter­sucht wur­den, ob und inwie­weit sich Über­ein­stim­mun­gen in den unter­such­ten Sys­te­men erge­ben haben und mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit die fest­ge­stell­te Merk­mals­kom­bi­na­ti­on zu erwar­ten ist 1.

Mit sei­ner pau­scha­len Ver­wei­sun­gen auf Gut­ach­ten des Lan­des­kri­mi­nal­amts hat das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall nicht nur davon abge­se­hen, deren wesent­li­che Anknüp­fungs­tat­sa­chen im Urteil anzu­ge­ben, son­dern nicht ein­mal als Ergeb­nis­se der Ana­ly­sen die Sel­ten­heits­wer­te der Spu­ren mit­ge­teilt, aus denen sich ablei­ten lie­ße, mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit der Ange­klag­te als Spu­ren­le­ger anzu­se­hen ist.

Auf die­ser Lücke in der Beweis­wür­di­gung beruht das Urteil auch. Das Land­ge­richt hat den wei­te­ren von ihm ange­ge­be­nen Indi­zi­en, soweit ihnen über­haupt für die kon­kre­ten Tat­vor­wür­fe und nicht nur für eine län­ger andau­ern­de Ver­stri­ckung des Ange­klag­ten in den Dro­gen­han­del Beweis­wert zukommt, ersicht­lich nur eine ergän­zen­de Bedeu­tung bei­gemes­sen. Ins­be­son­de­re bele­gen die ange­führ­ten Erkennt­nis­se aus der Tele­fon­über­wa­chung aus den Tagen jeweils vor den Durch­su­chun­gen in ihrer nur kur­so­ri­schen Dar­stel­lung durch das Land­ge­richt nicht, dass die sicher­ge­stell­ten Betäu­bungs­mit­tel dem Ange­klag­ten gehör­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – 5 StR 606/​16

  1. BGH, Beschluss vom 12.04.2016 – 4 StR 18/​16 mwN; zu ggf. gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen bei einer Rei­he wei­te­rer gewich­ti­ger Indi­zi­en BGH, Beschluss vom 23.10.2012 – 1 StR 377/​12, NStZ 2013, 179, 180 mwN; vgl. zur Ent­wick­lung des Maß­stabs für die sach­lich­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an die Dar­stel­lung von DNA-Ver­gleichs­un­ter­su­chun­gen im tatrich­ter­li­chen Urteil auch BGH, Urtei­le vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, BGHSt 58, 212, 217; vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13, NJW 2014, 2454, 2455 f.; und vom 24.03.2016 – 2 StR 112/​14, NStZ 2016, 490, 491[]