Vor­läu­fi­ge Ein­stel­lun­gen – und Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen

Es ist in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aner­kannt, dass durch vor­läu­fi­ge gericht­li­che Ver­fah­rens­ein­stel­lung aus­ge­schie­de­ne Taten selbst im Fall pro­zess­ord­nungs­ge­mä­ßer Fest­stel­lung auch bei der Beweis­wür­di­gung nur dann zu Las­ten des Ange­klag­ten ver­wer­tet wer­den dür­fen, wenn die­ser zuvor auf die Mög­lich­keit einer sol­chen Ver­wer­tung hin­ge­wie­sen wor­den ist 1.

Vor­läu­fi­ge Ein­stel­lun­gen – und Straf­zu­mes­sungs­er­wä­gun­gen

Die Ver­fah­rens­ein­stel­lung begrün­det näm­lich regel­mä­ßig einen Ver­trau­ens­tat­be­stand, wes­we­gen eine fai­re Ver­fah­rens­ge­stal­tung sowie die Gewähr­leis­tung recht­li­chen Gehörs es gebie­ten, einen Hin­weis zu ertei­len, wenn das Tat­ge­richt den Ver­fah­rens­stoff doch zum Nach­teil des Ange­klag­ten zu berück­sich­ti­gen gedenkt 2.

Aller­dings gilt die­ser Grund­satz dann nicht, wenn nach Lage des Falls durch die vor­läu­fi­ge Teil­ein­stel­lung des Ver­fah­rens ein Ver­trau­ens­tat­be­stand von vorn­her­ein nicht ent­stan­den sein kann 3.

Für einen sol­chen Aus­nah­me­fall könn­te hier spre­chen, dass die zu bei­den Taten par­al­lel lau­fen­de, im Zeit­punkt der Ver­fah­rens­ein­stel­lung bereits im Wesent­li­chen abge­schlos­se­nen Beweis­auf­nah­me aus­weis­lich der Urteils­ur­kun­de gewich­ti­ge Anhalts­punk­te für einen ban­den­mä­ßi­gen Dro­gen­han­del gro­ßen Umfangs und eine Über­ga­be von Dro­gen an die Ange­klag­ten im zwei­stel­li­gen Kilo­gramm­be­reich (auch) am 8.01.2015 erge­ben hat­te. Fer­ner erfolg­te die Teil­ein­stel­lung aus­weis­lich des am 10. Ver­hand­lungs­tag erteil­ten recht­li­chen Hin­wei­ses maß­ge­bend des­halb, weil die Straf­kam­mer Beden­ken hat­te, ob die Taten nicht ent­ge­gen Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss eine Bewer­tungs­ein­heit bil­de­ten.

Ande­rer­seits wur­den sowohl von der Staats­an­walt­schaft als auch im ver­le­se­nen Ver­merk des Vor­sit­zen­den Beweis­zwei­fel ange­spro­chen. Hin­zu kom­men die am letz­ten Ver­hand­lungs­tag gege­be­nen Hin­wei­se an die bei­den Ange­klag­ten, die den Vor­wurf ban­den­mä­ßi­gen Han­delns nicht ent­hiel­ten, sowie der Umstand, dass sich die Ange­klag­ten nur zur Tat vom 14.01.2015 ein­lie­ßen. Dies deu­tet dar­auf hin, dass die­se – nach dem dar­ge­stell­ten Ver­lauf nicht unbe­rech­tigt und für die Straf­kam­mer erkenn­bar – dar­auf ver­trau­ten, das Land­ge­richt wer­de die Vor­gän­ge zu Tat 1 bei der Urteils­fin­dung unbe­rück­sich­tigt las­sen. Unter sol­chen Vor­zei­chen hät­te die Straf­kam­mer einen Hin­weis ertei­len müs­sen. Anhalts­punk­te dafür, dass die beab­sich­tig­te Ver­wer­tung der Beweis­ergeb­nis­se mit der Fol­ge des Nicht­ent­ste­hens eines Ver­trau­ens­tat­be­stan­des in ande­rer Form zum Aus­druck gebracht wor­den ist, las­sen sich der Gegen­er­klä­rung der Staats­an­walt­schaft nicht ent­neh­men. Der Vor­sit­zen­de hat sich nicht dienst­lich geäu­ßert.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Juli 2016 – 5 StR 270/​16

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.03.1983 – 2 StR 826/​82, BGHSt 31, 302, 303; vom 03.04.1996 – 2 StR 590/​95, BGHR StPO § 154 Abs. 2 Hin­weis­pflicht 2; vom 20.03.2001 – 1 StR 543/​00, BGHR StPO § 154 Abs. 2 Hin­weis­pflicht 4[]
  2. vgl. BGH, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 03.04.1996 – 2 StR 590/​95, aaO; vom 20.03.2001 – 1 StR 543/​00, aaO[]