Über­lan­ge Dub­lin-Ver­fah­ren

Auch bei einer über­lan­gen Dau­er des Ver­fah­rens zur Bestim­mung des zustän­di­gen EU-Mit­glied­staa­tes (hier: über neun Mona­te) besteht kei­ne Pflicht zum Selbst­ein­tritt des ersu­chen­den Mit­glied­staa­tes nach Art. 3 Abs. 2 Dub­lin II-Ver­ord­nung infol­ge einer Ermes­sens­re­du­zie­rung auf Null.

Über­lan­ge Dub­lin-Ver­fah­ren

Aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on lässt sich eine Pflicht zum Selbst­ein­tritt nur ablei­ten, wenn in einer Situa­ti­on, in der Grund­rech­te des Antrag­stel­lers im Fal­le der Über­stel­lung an den an sich zustän­di­gen Mit­glied­staat wegen sys­te­mi­scher Män­gel des Asyl­ver­fah­rens und der Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber ver­letzt wür­den, die Lage des Antrag­stel­lers durch eine unan­ge­mes­sen lan­ge Ver­fah­rens­dau­er noch ver­schlim­mert wür­de 1.

Mit einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on ist der Fall einer über­lan­gen Dau­er des Ver­fah­rens zur Bestim­mung des zustän­di­gen Mit­glied­staa­tes nicht ver­gleich­bar ist. Unab­hän­gig hier­von wäre, selbst wenn man der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs einen all­ge­mei­nen Anspruch auf eine ange­mes­se­ne Ver­fah­rens­dau­er ent­neh­men woll­te, eine Ver­fah­rens­dau­er von etwas über neun Mona­ten von der Asyl­an­trag­stel­lung bis zur Ertei­lung der Zustim­mung zur Wie­der­auf­nah­me nicht unan­ge­mes­sen lang 2.

Aus der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on lässt sich dar­über hin­aus eine Pflicht zum Selbst­ein­tritt nur ablei­ten, wenn in einer Situa­ti­on, in der Grund­rech­te des Antrag­stel­lers im Fal­le der Über­stel­lung an den an sich zustän­di­gen Mit­glied­staat wegen sys­te­mi­scher Män­gel des Asyl­ver­fah­rens und der Auf­nah­me­be­din­gun­gen für Asyl­be­wer­ber ver­letzt wür­den, die Lage des Antrag­stel­lers durch eine unan­ge­mes­sen lan­ge Ver­fah­rens­dau­er noch ver­schlim­mert wür­de 1. Auch mit einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on ist der vor­lie­gen­de Fall nicht ver­gleich­bar.

Unab­hän­gig hier­von wäre, selbst wenn man der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs einen all­ge­mei­nen Anspruch auf eine ange­mes­se­ne Ver­fah­rens­dau­er ent­neh­men woll­te, eine Ver­fah­rens­dau­er von etwas über neun Mona­ten von der Asyl­an­trag­stel­lung bis zur Ertei­lung der Zustim­mung zur Wie­der­auf­nah­me nicht unan­ge­mes­sen lang 2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Dezem­ber 2015 – 1 B 662015 -

  1. vgl. EuGH, Urtei­le vom 21.12 2011 – C‑411/​10 und – C‑493/​10 [ECLI:EU:C:2011:865], N.S. u.a., Rn. 98; und vom 14.11.2013 – C‑4/​11 [ECLI:EU:C:2013:740], Puid, Rn. 35[][]
  2. vgl. zu einer Ver­fah­rens­dau­er von etwas mehr als elf Mona­ten: BVerwG, Urtei­le vom 27.10.2015 – 1 C 32.14, 1 C 33.14 und 1 C 34.14 – jeweils Rn. 21[][]