Das Kre­dit­we­sen­ge­setz und die Aus­kunfts­pflicht des Rechts­an­walts

Mit den Vor­schrif­ten des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes kann eine Ein­schrän­kung der anwalt­li­chen Schwei­ge­pflicht nicht begrün­det wer­den. Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof der Kla­ge eines Rechts­an­walts gegen eine Ver­fü­gung der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht statt­ge­ge­ben.

Das Kre­dit­we­sen­ge­setz und die Aus­kunfts­pflicht des Rechts­an­walts

Die BaFin hat­te von dem Rechts­an­walt ver­langt, ihr sämt­li­che Geschäfts-und Kon­to­un­ter­la­gen vor­zu­le­gen, wel­che sei­ne Tätig­keit im Zusam­men­hang mit zwei aus­län­di­schen Gesell­schaf­ten betref­fen. Die Behör­de hat­te fest­ge­stellt, dass der Rechts­an­walt auf einem von ihm geführ­ten Giro­kon­to grö­ße­re Geld­be­trä­ge unter­schied­li­cher Zah­lungs­an­wei­ser ange­nom­men hat­te, bei denen der Ver­wen­dungs­zweck regel­mä­ßig auf die aus­län­di­schen Gesell­schaf­ten hin­wies. Die BaFin begrün­de­te ihr Aus­kunfts-und Vor­le­gungs­ver­lan­gen damit, dass der Ver­dacht bestehe, dass der Rechts­an­walt ohne not­wen­di­ge Erlaub­nis Bank­ge­schäf­te betrei­be oder Finanz­dienst­leis­tun­gen im Sin­ne des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes erbrin­ge oder in uner­laub­te Geschäfts­tä­tig­kei­ten der bei­den Gesell­schaf­ten ein­be­zo­gen sei.

In sei­ner gegen das Aus­kunfts-und Vor­le­gungs­ver­lan­gen der BaFin gerich­te­ten Kla­ge berief sich der Rechts­an­walt dar­auf, auf­grund sei­ner anwalt­li­chen Pflicht zur Ver­schwie­gen­heit dem behörd­li­chen Aus­kunfts-und Vor­le­gungs­er­su­chen nicht nach­kom­men zu kön­nen. Die Auf­ga­ben, mit denen er durch die Gesell­schaf­ten betraut wor­den sei, habe er im Rah­men sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit als Rechts­an­walt aus­ge­übt. Er sei im Rah­men eines Wirt­schafts­man­dats beauf­tragt wor­den, die Gesell­schaf­ter­bei­trä­ge über ein von ihm ein­ge­rich­te­tes Rechts­an­walt­san­der­kon­to auf Ver­dachts­fäl­le nach dem Geld­wä­sche­ge­setz zu über­prü­fen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main hat­te die Kla­ge mit der Begrün­dung abge­wie­sen, der Rechts­an­walt kön­ne sich bezüg­lich der Auf­for­de­rung der BaFin nicht auf sei­ne anwalt­li­che Schwei­ge­pflicht beru­fen. Die­se rei­che nur so weit, wie die Man­dan­tin­nen nach dem Kre­dit­we­sen­ge­setz selbst zur Aus­kunft ver­pflich­tet sei­en.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht gefolgt. Zwar kön­ne die Behör­de auf­grund der Dienst­leis­tun­gen, die der Rechts­an­walt für die bei­den Gesell­schaf­ten erbrin­ge, grund­sätz­lich nach dem Kre­dit­we­sen­ge­setz Aus­kunft ver­lan­gen, denn der Klä­ger sei als Treu­hän­der unter­neh­me­risch im Sin­ne der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes in die Abwick­lung (mög­li­cher) Bank­ge­schäf­te oder Finanz­dienst­leis­tun­gen der auf­trag­ge­ben­den Gesell­schaf­ten ein­be­zo­gen. Gleich­wohl sei der Rechts­an­walt im spe­zi­el­len Fall nicht zur Aus­kunft über sei­ne treu­hän­de­ri­sche Tätig­keit ver­pflich­tet, weil er sich dies­be­züg­lich auf sei­ne Ver­schwie­gen­heits­pflicht nach der Bun­des­rechts­an­walts­ord­nung und der Berufs­ord­nung für Rechts­an­wäl­te beru­fen kön­ne. Die­se Ver­schwie­gen­heits­pflicht bezie­he sich auf alles, was dem Anwalt in Aus­übung sei­nes Beru­fes bekannt gewor­den sei. Sie ende ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts und der Behör­de auch nicht dort, wo der Man­dant selbst Aus­kunft geben müs­se. Etwas ande­res gel­te grund­sätz­lich nur dann, wenn der Man­dant selbst auf den ihm durch die Ver­schwie­gen­heits­pflicht gewähr­ten Schutz ver­zich­te.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Novem­ber 2010 – 6 A 1896/​09