Der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch – und das erfor­der­li­che Wett­be­werbs­ver­hält­nis

Die Eigen­schaft als Mit­be­wer­ber gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 1 UWG erfor­dert ein kon­kre­tes Wett­be­werbs­ver­hält­nis im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 3 UWG.

Der wett­be­werbs­recht­li­che Unter­las­sungs­an­spruch – und das erfor­der­li­che Wett­be­werbs­ver­hält­nis

Das ist gege­ben, wenn bei­de Par­tei­en gleich­ar­ti­ge Waren oder Dienst­leis­tun­gen inner­halb des­sel­ben End­ver­brau­cher­krei­ses abzu­set­zen ver­su­chen und daher das Wett­be­werbs­ver­hal­ten des einen den ande­ren beein­träch­ti­gen, das heißt im Absatz behin­dern oder stö­ren kann 1.

Auch wenn die Par­tei­en kei­ne gleich­ar­ti­gen Waren oder Dienst­leis­tun­gen abzu­set­zen ver­su­chen, besteht ein kon­kre­tes Wett­be­werbs­ver­hält­nis, wenn zwi­schen den Vor­tei­len, die die eine Par­tei durch eine Maß­nah­me für ihr Unter­neh­men oder das Drit­ter zu errei­chen sucht, und den Nach­tei­len, die die ande­re Par­tei dadurch erlei­det, eine Wech­sel­wir­kung in dem Sin­ne besteht, dass der eige­ne Wett­be­werb geför­dert und der frem­de Wett­be­werb beein­träch­tigt wer­den kann und die von den Par­tei­en ange­bo­te­nen Waren oder Dienst­leis­tun­gen einen wett­be­werb­li­chen Bezug zuein­an­der auf­wei­sen 2.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht zwi­schen einem Ver­si­che­rer und einem Ver­si­che­rungs­mak­ler ein Wett­be­werbs­ver­hält­nis, weil bei­de die Dienst­leis­tung der Bera­tung über Ver­si­che­rungs­an­ge­le­gen­hei­ten anbie­ten. Bezo­gen auf einen kon­kre­ten, bereits bestehen­den Ver­si­che­rungs­ver­trag ste­hen Ver­si­che­rungs­mak­ler und Ver­si­che­rer im Wett­be­werb um die Erbrin­gung von Bera­tungs­leis­tun­gen, etwa zu der Fra­ge, ob der Ver­trag im Inter­es­se des Ver­si­che­rungs­neh­mers geän­dert, gekün­digt oder durch einen ande­ren Ver­trag ersetzt wer­den soll­te 3.

Dies gilt nicht nur für Ver­si­che­rungs­mak­ler, son­dern auch für Ver­si­che­rungs­be­ra­ter. Für die Fra­ge, ob ein Wett­be­werbs­ver­hält­nis besteht, kommt es nicht dar­auf an, ob die hier in Rede ste­hen­de Tarif­wech­sel­be­ra­tung durch einen Ver­si­che­rungs­mak­ler oder einen Ver­si­che­rungs­be­ra­ter erfolgt.

Die Bera­tungs­leis­tun­gen eines Ver­si­che­rungs­be­ra­ters und die­je­ni­gen einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft rich­ten sich an die­sel­ben Per­so­nen, die die­se Leis­tun­gen nach­fra­gen. Der Wett­be­werbs­be­zug wird nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass der Ver­si­che­rungs­be­ra­ter und die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft bei der Bera­tung der Ver­si­cher­ten unter­schied­li­che Inter­es­sen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Juni 2019 – I ZR 67/​18

  1. BGH, Urteil vom 13.07.2006 – I ZR 241/​03, BGHZ 168, 314 Rn. 14 Kon­takt­an­zei­gen; Urteil vom 28.09.2011 – I ZR 92/​09, GRUR 2012, 193 Rn. 17 = WRP 2012, 201 Sport­wet­ten im Inter­net II
  2. vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2017 – I ZR 217/​15, GRUR 2017, 918 Rn. 16 und 19 = WRP 2017, 1085 Wett­be­werbs­be­zug, mwN; Urteil vom 20.12 2018 – I ZR 112/​17, GRUR 2019, 189 Rn. 58 = WRP 2019, 317 Crails­hei­mer Stadt­blatt II
  3. BGH, Urteil vom 21.04.2016 – I ZR 151/​15, GRUR 2016, 1193 Rn. 16, 18 = WRP 2016, 1354 Ansprech­part­ner