Nach­schuss­pflicht in Publi­kums­ge­sell­schaf­ten

Auch bei Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten muss eine Gren­ze für die Nach­schuss­pflicht im vor­aus fest­ge­legt wer­den, wie der Bun­des­ge­richts­hof jetzt erneut in zwei Ent­schei­dun­gen fest­ge­stellt hat. Nach­träg­li­che Bei­trags­er­hö­hun­gen („Nach­schüs­se“) kön­nen danach auch in einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft nicht ohne wei­te­res durch die Mehr­heit der Gesell­schaf­ter beschlos­sen wer­den, es bedarf hier­zu viel­mehr einer im vor­aus ver­ein­bar­ten Gren­ze.

Nach­schuss­pflicht in Publi­kums­ge­sell­schaf­ten

Nach­träg­li­che Bei­trags­pflich­ten kön­nen auch in einer Publi­kums­ge­sell­schaft nur dann durch Mehr­heits­be­schluss begrün­det wer­den, wenn die gesell­schafts­ver­trag­li­che Bestim­mung ein­deu­tig ist und Aus­maß und Umfang einer mög­li­chen zusätz­li­chen Belas­tung erken­nen lässt. Dies erfor­dert die Fest­le­gung einer Ober­gren­ze oder sons­ti­ger Kri­te­ri­en, die das Erhö­hungs­ri­si­ko ein­gren­zen.

Eine gesell­schafts­ver­trag­li­che Bestim­mung, die den ein­zel­nen Gesell­schaf­ter zu Nach­schuss­zah­lun­gen ver­pflich­tet, "soweit bei der lau­fen­den Bewirt­schaf-tung des Grund­stücks Unter­de­ckun­gen auf­tre­ten", genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht und kann des­halb nicht Grund­la­ge einer Nach­schuss­ver­pflich­tung sein.

Klä­ge­rin ist in bei­den Ver­fah­ren eine Publi­kums­ge­sell­schaft in Form einer BGB-Gesell­schaft, deren Zweck die Errich­tung und Bewirt­schaf­tung einer Immo­bi­lie ist. Die Beklag­ten tra­ten 1991 bzw. 1992 mit einem betrags­mä­ßig fest­ste­hen­den Eigen­ka­pi­tal der jewei­li­gen Gesell­schaft bei und wer­den nun­mehr auf Zah­lung von als „Nach­schüs­sen“ bezeich­ne­ten Geld­be­trä­gen, die erfor­der­lich sind, sog. „Unter­de­ckun­gen“ aus­zu­glei­chen, in Anspruch genom­men. Die Beklag­ten ver­wei­gern die gefor­der­ten Nach­zah­lun­gen unter Beru­fung auf § 707 BGB. Danach ist ein Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts die­ser gegen­über weder ver­pflich­tet, mehr als den ver­ein­bar­ten Bei­trag zu leis­ten noch wäh­rend des Bestehens der Gesell­schaft sei­ne durch Ver­lust ver­min­der­te Ein­la­ge zu ergän­zen. Davon zu unter­schei­den ist die – im vor­lie­gen­den Fall uner­heb­li­che – Haf­tung im Außen­ver­hält­nis gegen­über Gläu­bi­gern der Gesell­schaft.

Die Vor­in­stan­zen haben jeweils ange­nom­men, die Beklag­ten sei­en wirk­sam durch die gefass­ten Mehr­heits­be­schlüs­se ver­pflich­tet wor­den, die Nach­zah­lun­gen zu leis­ten; sie haben des­halb den Kla­gen statt­ge­ge­ben. Hier­ge­gen rich­ten sich die Revi­sio­nen der jewei­li­gen Beklag­ten.

Der II. Zivil­se­nat hat auf die Revi­sio­nen der Beklag­ten bei­de Kla­gen abge­wie­sen, weil einer Nach­zah­lungs­ver­pflich­tung § 707 BGB, der den Gesell­schaf­ter vor Auf­lö­sung der Gesell­schaft vor einer unfrei­wil­li­gen Ver­meh­rung sei­ner Bei­trags­pflich­ten schüt­zen will, ent­ge­gen­steht. In bei­den Fäl­len war näm­lich die Nach­schuss­pflicht weder als sol­che im Gesell­schafts­ver­trag mit der erfor­der­li­chen Deut­lich­keit nie­der­ge­legt wor­den, noch konn­te sie durch Mehr­heits­be­schluss begrün­det wer­den. Abwei­chend von § 707 BGB, der dis­po­si­tiv ist, kann der Gesell­schafts­ver­trag grund­sätz­lich bestim­men, dass die Gesell­schaf­ter über die eigent­li­che Ein­la­ge­schuld hin­aus wei­ter­ge­hen­de Bei­trags­pflich­ten zu erfül­len haben. Das bedarf aber zwei­fels­frei­er Fest­le­gung, damit jeder einer Per­so­nen­ge­sell­schaft Bei­tre­ten­de im vor­aus erse­hen kann, wel­che Bei­trags­pflich­ten er über­nimmt. Dem­entspre­chend hängt nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung auch die Zuläs­sig­keit nach­träg­li­cher, durch Mehr­heits­be­schluss begrün­de­ter Bei­trags­pflich­ten davon ab, dass in dem jewei­li­gen Gesell­schafts­ver­trag eine Ober­gren­ze für Bei­trags­er­hö­hun­gen fest­ge­legt oder das Erhö­hungs­ri­si­ko sonst in ent­spre­chen­der Wei­se ein­ge­grenzt wird. Für Publi­kums­ge­sell­schaf­ten gilt nichts ande­res. Gesell­schafts­ver­trag­li­che Bestim­mun­gen, die den ein­zel­nen Gesell­schaf­ter zu Nach­schuss­zah­lun­gen ver­pflich­ten, „soweit bei lau­fen­der Bewirt­schaf­tung des Grund­stücks Unter­de­ckun­gen auf­tre­ten“ oder „soweit die lau­fen­den Ein­nah­men die lau­fen­den Aus­ga­ben nicht decken“, genü­gen die­sen Anfor­de­run­gen nicht, sie kön­nen des­halb nicht Grund­la­ge einer Nach­schuss­ver­pflich­tung sein.

Die beson­de­ren Vor­aus­set­zun­gen, unter denen aus­nahms­wei­se ein Gesell­schaf­ter auf­grund der gesell­schafter­li­chen Treue­pflicht ver­pflich­tet ist, einem Mehr­heits­be­schluss, auch wenn er eine Bei­trags­er­hö­hung betrifft, zuzu­stim­men, hat der BGH in bei­den Fäl­len ver­neint.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 23. Janu­ar 2006 – II ZR 306/​04 und II ZR 126/​04