Die zurück­ge­wie­se Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung bei einer Personengesellschaft

Wird eine von sämt­li­chen Gesell­schaf­tern einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft vor­ge­nom­me­ne Anmel­dung zurück­ge­wie­sen, sind die zur Anmel­dung beru­fe­nen Gesell­schaf­ter und nicht die Gesell­schaft selbst beschwert und beschwerdeberechtigt.

Die zurück­ge­wie­se Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung bei einer Personengesellschaft

Wur­de die Beschwer­de dage­gen aus­drück­lich für die Gesell­schaft ein­ge­legt, ist eine Aus­le­gung dahin, dass die Beschwer­de für der­eb Gesell­schaf­te­rin­nen und nicht für die­se ein­ge­legt wur­de, ist ange­sichts der Ein­deu­tig­keit der Antrags­for­mu­lie­rung, dass namens und im Auf­trag der Gesell­schaft Beschwer­de ein­ge­legt wer­de, nicht möglich.

Nach Zurück­wei­sung der Anmel­dung sind aus­schließ­lich die anmel­den­den Gesell­schaf­ter beschwerdebefugt.

Nach § 59 Abs. 2 FamFG steht die Beschwer­de allein dem Antrag­stel­ler zu, wenn ein Beschluss nur auf Antrag erlas­sen wer­den kann. Antrag im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist auch eine Regis­ter­an­mel­dung1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall haben die Gesell­schaf­ter die Bestel­lung der Fremd­ge­schäfts­füh­rer und die Ein­räu­mung der Ein­zel­ver­tre­tungs­be­fug­nis bei der GmbH & Co. KG zur Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter angemeldet.

Die Gesell­schaft selbst kann im Anwen­dungs­be­reich des § 108 HGB kei­ne Anmel­dung vor­neh­men. Die Gesell­schaf­ter waren nach § 108 Satz 1, § 161 Abs. 2 HGB zur Anmel­dung berech­tigt und ver­pflich­tet. Nach Sinn, Zweck und Sys­te­ma­tik der Anmel­de­vor­schrif­ten fällt bei einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft die Ein­räu­mung organ­schaft­li­cher Ver­tre­tungs­macht an Drit­te in den Anwen­dungs­be­reich der §§ 107, 108 Satz 1 HGB.

Anmel­dun­gen zum Han­dels­re­gis­ter, die die in den §§ 106, 107 HGB genann­ten Ver­hält­nis­se der Kom­man­dit­ge­sell­schaft betref­fen, sind nach § 108 Satz 1, § 161 Abs. 2 HGB grund­sätz­lich von sämt­li­chen Gesell­schaf­tern zu bewir­ken. Zwar erfasst § 108 Satz 1 HGB nur die in den §§ 106, 107 HGB genann­ten Tat­sa­chen. Die Bestel­lung von Fremd­ge­schäfts­füh­rern fin­det dort kei­ne Erwäh­nung. Dies liegt indes dar­an, dass das Recht der Per­so­nal­han­dels­ge­sell­schaf­ten von dem Grund­satz beherrscht wird, dass die gesetz­li­che (organ­schaft­li­che) Ver­tre­tungs­be­fug­nis nur einem Gesell­schaf­ter und nicht einem Drit­ten zuste­hen kann2.

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Woll­te man, was vor­lie­gend nicht ent­schie­den wer­den muss, die Fremd­or­gan­schaft bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft im Insol­venz­ver­fah­ren zulas­sen, wäre die mit der Bestel­lung des Fremd­ge­schäfts­füh­rers ver­bun­de­ne Ein­räu­mung der Ver­tre­tungs­macht an Nicht­ge­sell­schaf­ter von glei­cher Bedeu­tung für den Rechts­ver­kehr wie sons­ti­ge Ände­run­gen in der organ­schaft­li­chen Ver­tre­tungs­macht. Dabei wür­de es sich dann um eine von § 107 HGB erfass­te Tat­sa­che han­deln, deren Abmel­dung nach § 108 Satz 1 HGB von sämt­li­chen Gesell­schaf­tern zu bewir­ken wäre. § 107 HGB gewähr­leis­tet die Aktua­li­tät des Regis­ters im Inter­es­se des Rechts­ver­kehrs. Nach § 107 HGB sind Ände­run­gen der organ­schaft­li­chen Ver­tre­tungs­macht der Gesell­schaf­ter anmel­de­pflich­tig. Die Anmel­de­pflicht sämt­li­cher Gesell­schaf­ter soll für den Regel­fall gewähr­leis­ten, dass die ange­mel­de­ten Tat­sa­chen wahr­heits­ge­mäß sind. Fer­ner bezweckt die Anmel­dung durch alle Gesell­schaf­ter, ihnen die etwai­ge Unrich­tig­keit einer Ein­tra­gung im Rah­men des § 15 Abs. 3 HGB zuzu­rech­nen3. Die­ser durch das Zusam­men­spiel der §§ 107, 108 HGB bewirk­te Schutz des Rechts­ver­kehrs, der gera­de an der ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­laut­ba­rung organ­schaft­li­cher Ver­tre­tungs­ver­hält­nis­se ein erheb­li­ches Inter­es­se hat, muss bei der Ein­räu­mung organ­schaft­li­cher Ver­tre­tungs­macht an Drit­te in glei­cher Wei­se gewähr­leis­tet wer­den, wie bei der in § 107 HGB aus­drück­lich genann­ten Ände­rung der organ­schaft­li­chen Ver­tre­tungs­macht der Gesellschafter.

Die­se am Geset­zes­zweck ori­en­tier­te Aus­le­gung wird durch die Sys­te­ma­tik der Anmel­de­vor­schrif­ten bestä­tigt, die eine Anmel­de­pflicht der Gesell­schaf­ter vor­se­hen, soweit die Fremd­ge­schäfts­füh­rung bei der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft aus­drück­lich zuge­las­sen ist. Nach § 148 Abs. 1 Satz 1 und 2 HGB müs­sen die Liqui­da­to­ren und ihre Ver­tre­tungs­macht bezie­hungs­wei­se jede inso­weit ein­ge­tre­te­ne Ände­rung durch sämt­li­che Gesell­schaf­ter zum Han­dels­re­gis­ter ange­mel­det wer­den. Das gilt auch, soweit von der Mög­lich­keit des § 146 Abs. 1 Satz 1 HGB Gebrauch gemacht wur­de, die Liqui­da­ti­on ande­ren Per­so­nen als Gesell­schaf­tern zu übertragen.

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Allein die Gesell­schaf­ter und nicht die Gesell­schaft waren damit vor­lie­gend beschwerdebefugt.

Wird eine von sämt­li­chen Gesell­schaf­tern einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft vor­ge­nom­me­ne Anmel­dung zurück­ge­wie­sen, sind die zur Anmel­dung beru­fe­nen Gesell­schaf­ter und nicht die Gesell­schaft selbst beschwert und beschwer­de­be­rech­tigt4.

Die Gesell­schaf­ter haben die Anmel­dung im vor­lie­gen­den Fall auch nicht in Ver­tre­tung der Gesell­schaft vor­ge­nom­men, so dass die­se des­halb als Antrag­stel­le­rin und damit beschwer­de­be­rech­tigt ange­se­hen wer­den könnte.

Der Bun­des­ge­richts­hof geht in Fäl­len, in denen die Anmel­dung zum Han­dels­re­gis­ter durch ein ver­tre­tungs­be­rech­tig­tes Organ einer Kör­per­schaft vor­ge­nom­men wird, davon aus, dass Antrag­stel­ler im Sin­ne des § 59 Abs. 2 FamFG und damit beschwer­de­be­rech­tigt auch der von der Anmel­dung betrof­fe­ne Rechts­trä­ger ist, in des­sen Namen die für ihn ver­tre­tungs­be­rech­tig­te Per­son auf­ge­tre­ten ist. Lei­tend für die Behand­lung der Gesell­schaft als Antrag­stel­le­rin und damit als beschwer­de­be­fugt im Sin­ne des § 59 Abs. 2 FamFG bezie­hungs­wei­se des § 20 Abs. 2 FGG waren hier­bei zwei Gesichts­punk­te. In den bis­her ent­schie­de­nen Fäl­len han­del­te es sich stets um Ein­tra­gun­gen mit kon­sti­tu­ti­ver Wir­kung für die Gesell­schaft, wes­halb die Gesell­schaft bei Ableh­nung der Ein­tra­gung auch beschwert war. Hin­zu kam der Gedan­ke, dass das Organ die nicht selbst hand­lungs­fä­hi­ge Kör­per­schaft bei der Antrag­stel­lung nur ver­tritt. Die auf eine Ein­tra­gung mit kon­sti­tu­ti­ver Wir­kung gerich­te­te Anmel­dung erfolgt im Namen der Gesell­schaft. Anmel­den­de ist in einem der­ar­ti­gen Fall daher die Gesell­schaft selbst, ver­tre­ten durch ihr Organ5.

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Einer Aus­wei­tung die­ser Recht­spre­chung auf die Anmel­dung durch die anmel­de­pflich­ti­gen Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft nach § 108 Satz 1, § 161 Abs. 2 HGB schei­det aus.

Gegen eine Aus­wei­tung spricht der Norm­zweck des § 59 Abs. 2 FamFG. Der Bun­des­ge­richts­hof hat für § 20 Abs. 2 FGG ent­schie­den, dass die Rege­lung kei­ne Erwei­te­rung, son­dern eine Ein­schrän­kung des Beschwer­de­rechts dar­stellt, mit der Fol­ge, dass nur der in sei­nen Rech­ten beein­träch­tig­te Antrag­stel­ler (§ 20 Abs. 1 FGG) beschwer­de­be­rech­tigt ist6. Die­se Ein­ord­nung hat der Bun­des­ge­richts­hof für § 59 Abs. 2 FamFG bestä­tigt. Die für nur auf Antrag zu erlas­sen­de Beschlüs­se gel­ten­de Rege­lung in § 59 Abs. 2 FamFG begrün­det kei­ne eigen­stän­di­ge Beschwer­de­be­rech­ti­gung, son­dern begrenzt ledig­lich die grund­sätz­lich bestehen­de Beschwer­de­be­rech­ti­gung auf die Per­son des Antrag­stel­lers7. Zielt die Vor­schrift aber auf eine Begren­zung des Krei­ses der Beschwer­de­be­fug­ten, ver­bie­tet sich eine groß­zü­gi­ge Aus­wei­tung des Anwen­dungs­be­reichs der Norm.

Der Gedan­ke, dass die auf eine Ein­tra­gung mit kon­sti­tu­ti­ver Wir­kung gerich­te­te Anmel­dung im Namen der Gesell­schaft erfolgt und daher Anmel­den­de in einem der­ar­ti­gen Fall die Gesell­schaft selbst, ver­tre­ten durch ihr Organ ist, lässt sich auf die Anmel­dung durch sämt­li­che Gesell­schaf­ter einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft nicht übertragen.

Zum einen wäre die Ein­tra­gung der Bestel­lung von Fremd­ge­schäfts­füh­rern und deren Ver­tre­tungs­macht nicht kon­sti­tu­tiv, son­dern nur dekla­ra­to­risch8.

Zum ande­ren sind Anmel­dun­gen nach § 108 Satz 1 HGB bei einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft nicht nur von ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­tern, son­dern auch von den regel­mä­ßig nicht ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Kom­man­di­tis­ten vor­zu­neh­men (vgl. § 170 HGB). Die Anmel­dun­gen nach § 108 Satz 1 HGB sind von sämt­li­chen Gesell­schaf­tern zu bewir­ken. Uner­heb­lich ist, ob die Gesell­schaf­ter geschäfts­füh­rungs- oder ver­tre­tungs­be­rech­tigt sind oder nicht. Die Anmel­de­pflicht bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft erfasst daher auch den Kom­man­di­tis­ten9.

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Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Juli 2020 – II ZB 26/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 24.10.1988 – II ZB 7/​88, BGHZ 105, 324, 327 f.; Beschluss vom 16.03.1992 – II ZB 17/​91, BGHZ 117, 323, 325; KG, DNotZ 2006, 550, 551 alle zu § 20 Abs. 2 FGG; OLG Karls­ru­he, NZG 2012, 1314, 1316; Roß­mann in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich, FamFG, 6. Aufl., § 59 Rn. 31; fer­ner BGH, Beschluss vom 01.03.2011 – II ZB 6/​10, ZIP 2011, 765 Rn. 9[]
  2. BGH, Urteil vom 11.07.1960 – II ZR 260/​59, BGHZ 33, 105, 108 f.; Urteil vom 22.01.1962 – II ZR 11/​61, BGHZ 36, 292, 295; Urteil vom 25.05.1964 – II ZR 42/​62, BGHZ 41, 367, 369; Urteil vom 05.10.1981 – II ZR 203/​80, ZIP 1982, 578, 581; Beschluss vom 04.11.2014 – II ZB 15/​13, ZIP 2015, 424 Rn. 9[]
  3. Steitz in Henssler/​Strohn, GesR, 4. Aufl., § 108 HGB Rn. 7; Heymann/​Emmerich, HGB, 3. Aufl., § 108 Rn. 1; Oetker/​Lieder, HGB, 6. Aufl., § 108 Rn. 2; Born in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 4. Aufl., § 108 Rn. 1; MünchKommHGB/​Langhein, 4. Aufl., § 108 Rn. 1; Staub/​Schä­fer, HGB, 5. Aufl., § 108 Rn. 10[]
  4. vgl. Bay­O­bLG, MDR 1982, 1030 mwN; KG, DNotZ 2006, 550 bei­de zu § 20 Abs. 2 FGG; OLG Karls­ru­he, NZG 2012, 1314, 1316; OLG Hamm, FGPrax 2008, 78; NZG 2013, 997; OLG Frank­furt, NZG 2008, 749; OLG Schles­wig, NZG 2010, 957, 958; NJW-RR 2012, 1063, 1064; KG, NZG 2012, 1346; Krafka/​Krafka, Regis­ter­recht, 11. Aufl., Rn. 2455; Steitz in Henssler/​Strohn, GesR, 4. Aufl., § 108 HGB Rn. 7; Born in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 4. Aufl., § 106 Rn. 29; Abra­men­ko in Prütting/​Helms, FamFG, 4. Aufl., § 59 Rn. 18 mwN; Zöller/​Feskorn, ZPO, 33. Aufl., § 59 FamFG Rn. 10; Ned­den-Boe­ger in Schul­te-Bun­er­t/­Wein­reich, FamFG, 6. Aufl., § 382 Rn. 38[]
  5. BGH, Beschluss vom 24.10.1988 – II ZB 7/​88, BGHZ 105, 324, 327 f.; Beschluss vom 16.03.1992 – II ZB 17/​91, BGHZ 117, 323, 325 f.; Beschluss vom 11.04.2011 – II ZB 9/​10, ZIP 2011, 1054 Rn. 10; Beschluss vom 11.09.2018 – II ZB 11/​17, ZIP 2018, 2165 Rn. 13[]
  6. BGH, Beschluss vom 20.02.1991 – XII ZB 11/​89, NJW-RR 1991, 771 mwN; Beschluss vom 06.11.1997 – BLw 31/​97, FamRZ 1998, 229, 230[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 18.04.2012 – XII ZB 624/​11, FamRZ 2012, 1131 Rn. 8; Beschluss vom 26.06.2013 – XII ZB 31/​13, FamRZ 2013, 1380 Rn. 11; Beschluss vom 08.10.2014 – XII ZB 406/​13, FamRZ 2015, 42 Rn.20; Beschluss vom 28.07.2015 – XII ZB 671/​14, FamRZ 2015, 1787 Rn. 12[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 09.05.1960 – II ZB 3/​60, WM 1960, 902; Urteil vom 17.02.2003 – II ZR 340/​01, ZIP 2003, 666, 667; Urteil vom 14.05.2019 – II ZR 299/​17, BGHZ 222, 32 Rn. 34; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 4. Aufl., § 148 Rn. 1; MünchKommHGB/​K. Schmidt, 4. Aufl., § 148 Rn. 3; Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 146 Rn. 1[]
  9. Steitz in Henssler/​Strohn, GesR, 4. Aufl., § 108 HGB Rn. 7; BeckOGK/​Sanders, Baumbach/​Hopt, HGB, HGB, Stand: 1.03.39. Aufl., § 108 2020, § 108 Rn. 1; Rn. 10; Haas in Roth in Röhricht/​Graf von Westphalen/​Haas, HGB, 5. Aufl., § 108 Rn. 7; Heymann/​Emmerich, HGB, 3. Aufl., § 108 Rn. 6; Born in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 4. Aufl., § 108 Rn. 10; Oetker/​Lieder, HGB, 6. Aufl., § 108 Rn. 10; MünchKommHGB/​Langhein, 4. Aufl., § 108 Rn. 9; Staub/​Schäfer, HGB, 5. Aufl., § 108 Rn. 10[]