Scha­dens­er­satz – und die Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft

Die Anwen­dung der Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft schließt einen Anspruch des Gesell­schaf­ters auf Ersatz von Ver­mö­gens­schä­den, die ihm im Zusam­men­hang mit sei­nem Bei­tritt zur Gesell­schaft ent­stan­den sind, nicht von vorn­her­ein aus.

Scha­dens­er­satz – und die Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft

Auch bei Anwen­dung der Grund­sät­ze der feh­ler­haf­ten Gesell­schaft kann, wie der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter ent­schie­den hat, der Anle­ger, der sich an einer mehr­glied­ri­gen stil­len Gesell­schaft betei­ligt hat, das stil­le Gesell­schafts­ver­hält­nis unter Beru­fung auf den (behaup­te­ten) Ver­trags­man­gel durch sofort wirk­sa­me Kün­di­gung been­den und unter Anrech­nung des ihm bei Been­di­gung sei­nes (feh­ler­haf­ten) Gesell­schafts­ver­hält­nis­ses gege­be­nen­falls zuste­hen­den Abfin­dungs­an­spruchs von dem Geschäfts­in­ha­ber Ersatz eines dar­über hin­aus­ge­hen­den Scha­dens ver­lan­gen, wenn dadurch die gleich­mä­ßi­ge Befrie­di­gung etwai­ger Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter nicht gefähr­det ist 1.

Ob und in wel­cher Höhe sol­che (hypo­the­ti­schen) über einen Abfin­dungs­an­spruch hin­aus­ge­hen­den Scha­dens­er­satz­an­sprü­che der ande­ren stil­len Gesell­schaf­ter bestehen und aus dem Ver­mö­gen der Gesell­schaft befrie­digt wer­den kön­nen, muss gege­be­nen­falls die Gesell­schaft dar­le­gen und bewei­sen, wenn sie sich einem Scha­dens­er­satz­an­spruch des Gesell­schaf­ter gegen­über dar­auf beru­fen woll­te, die­ser sei wegen einer Gefähr­dung der Abfin­dungs- und Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che der übri­gen stil­len Gesell­schaf­ter zumin­dest gegen­wär­tig nicht oder nicht in vol­ler Höhe durch­setz­bar.

Im Übri­gen wäre selbst für den Fall des Bestehens eines sol­chen Hin­der­nis­ses das auf Zah­lung eines bestimm­ten Scha­dens­er­satz­be­tra­ges gerich­te­te Leis­tungs­be­geh­ren des Gesell­schaf­ters dahin aus­zu­le­gen, dass jeden­falls die Fest­stel­lung des Bestehens eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs in die­ser Höhe begehrt wird. Sofern die sons­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen des gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs gege­ben sind, stün­de der Umstand, dass das Ver­mö­gen der Gesell­schaft im Zeit­punkt der Ent­schei­dung zur Befrie­di­gung etwai­ger (hypo­the­ti­scher) Abfin­dungs- oder Aus­ein­an­der­set­zungs­an­sprü­che und des Scha­dens­er­satz­an­spruchs nicht aus­reich­te, einer Fest­stel­lung sei­nes Bestehens nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juli 2014 – II ZR 236/​13

  1. BGH, Urteil vom 19.11.2013 – II ZR 383/​12, BGHZ 199, 104 Rn. 28 ff.[]