Sek­to­ra­le Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis für Logo­pä­den – aber nicht für Ergo­the­ra­peu­ten und Osteo­pa­then

Eine aus­ge­bil­de­te Logo­pä­din kann eine Erlaub­nis zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Aus­übung der Heil­kun­de nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz begrenzt auf den Bereich der Logo­pä­die erhal­ten. Für die Erlaub­nis­er­tei­lung muss sie sich einer ein­ge­schränk­ten Kennt­nis­über­prü­fung unter­zie­hen.

Sek­to­ra­le Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis für Logo­pä­den – aber nicht für Ergo­the­ra­peu­ten und Osteo­pa­then

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in dem Fall einer aus­ge­bil­de­ten Logo­pä­din mit eige­ner Pra­xis in Baden-Würt­tem­berg 1. Im März 2015 bean­trag­te sie die Ertei­lung einer auf das Gebiet der Logo­pä­die beschränk­ten (sek­to­ra­len) Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis. Das Land lehn­te dies ab, weil die Erlaub­nis grund­sätz­lich nur unbe­schränkt erteilt wer­den kön­ne. Soweit eine Aus­nah­me in Betracht kom­me, wenn ein Antrag­stel­ler die Heil­kun­de nur auf einem abgrenz­ba­ren Gebiet aus­üben wol­le, lägen die­se Vor­aus­set­zun­gen hier nicht vor.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen hat die Vor­aus­set­zun­gen einer sek­to­ra­len Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis für das Gebiet der Logo­pä­die bejaht und das Land ver­pflich­tet, über den Antrag der Klä­ge­rin erneut zu ent­schei­den 2. Die Beru­fung des Lan­des vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg ist ohne Erfolg geblie­ben 3. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on des Lan­des Baden-Würt­tem­berg zurück­ge­wie­sen:

Die Vor­in­stan­zen haben zutref­fend ent­schie­den, dass die Klä­ge­rin eine auf das Gebiet der Logo­pä­die begrenz­te Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis erhal­ten kann, sie sich dafür aller­dings einer auf die beab­sich­tig­te sek­to­ra­le Heil­kun­de­aus­übung zuge­schnit­te­nen Kennt­nis­über­prü­fung unter­zie­hen muss. Der Gesund­heits­fach­be­ruf des Logo­pä­den ist auf eine Kran­ken­be­hand­lung nach ärzt­li­cher Ver­ord­nung aus­ge­rich­tet. Die Aus­bil­dung zum Logo­pä­den berech­tigt nicht zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Aus­übung der Heil­kun­de. Die gesetz­li­che Fixie­rung des Berufs­bil­des steht ande­rer­seits einer eigen­ver­ant­wort­li­chen Aus­übung der Heil­kun­de mit den Mit­teln der Logo­pä­die nicht ent­ge­gen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Heil­prak­ti­ker­ge­set­zes für die Ertei­lung einer Erlaub­nis erfüllt sind. Die­se Erlaub­nis kann bei aus­ge­bil­de­ten Logo­pä­den auf ihr Fach­ge­biet beschränkt wer­den. Es ist im Lich­te der Berufs­frei­heit aus Art. 12 Abs. 1 GG nicht gerecht­fer­tigt, die Klä­ge­rin auf den Erwerb einer unein­ge­schränk­ten Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis und damit auf eine umfas­sen­de Kennt­nis­über­prü­fung zu ver­wei­sen, wenn sie nur auf dem abgrenz­ba­ren Gebiet der Logo­pä­die heil­kund­lich tätig wer­den will. Die nach dem Heil­prak­ti­ker­recht zum Schutz vor Gesund­heits­ge­fah­ren vor­ge­schrie­be­ne Kennt­nis­über­prü­fung ist auf sol­che Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten zu beschrän­ken, die zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Anwen­dung von Logo­pä­die erfor­der­lich und nicht bereits durch die Berufs­aus­bil­dung ver­mit­telt wor­den sind.

In einem wei­te­rem Ver­fah­ren, in dem eine Ergo­the­ra­peu­tin, die eine sek­to­ra­le Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis für den Bereich der Ergo­the­ra­pie erstrebtt, hat dage­gen die Revi­si­on des Lan­des Baden-Würt­tem­berg Erfolg gehabt. Hier hat­ten in den Vor­in­stan­zen das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he 4 und der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg 5 das Land zur Neu­be­schei­dung des Antrags der Ergo­the­ra­peu­tin ver­pflich­tet. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das ange­foch­te­ne Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg zurück­ver­wie­sen 6:

Die Aus­übung der Heil­kun­de i.S.d. Heil­prak­ti­ker­ge­set­zes umfasst jede berufs- oder gewerbs­mä­ßi­ge Tätig­keit zur Fest­stel­lung, Hei­lung oder Lin­de­rung von Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den beim Men­schen. Wegen der mit dem Erlaub­nis­zwang ver­bun­de­nen Beschrän­kung der Berufs­frei­heit aus Art. 12 Abs. 1 GG fal­len dar­un­ter regel­mä­ßig nur sol­che Heil­be­hand­lun­gen, die heil­kund­li­che Fach­kennt­nis­se erfor­dern und nen­nens­wer­te gesund­heit­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen. Das Land hat die beru­fungs­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts­hof dazu, dass die von der Ergo­the­ra­peu­tin beab­sich­tig­te Anwen­dung von Ergo­the­ra­pie ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung nen­nens­wer­te Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen zur Fol­ge haben kön­ne, mit Erfolg ange­grif­fen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt kann die erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen zur Gefah­ren­ge­neigt­heit der beab­sich­tig­ten Tätig­keit nicht selbst tref­fen. Die Sache war daher zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­zu­ver­wei­sen.

Die Sprung­re­vi­sio­nen von drei Osteo­pa­then, die vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart erfolg­los die Ver­pflich­tung des Lan­des Baden-Würt­tem­berg zur Ertei­lung einer auf den Bereich der Osteo­pa­thie begrenz­ten Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis begehrt haben 7, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen 8: Das Berufs­bild des Osteo­pa­then ist nicht hin­rei­chend klar umris­sen, so dass es an der für eine sek­to­ra­le Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis erfor­der­li­chen Abgrenz­bar­keit der erlaub­ten Heil­tä­tig­keit fehlt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 10. Okto­ber 2019 – 3 C 8.17, 3 C 10.17, 3 C 15.17, 3 C 16.17 und 3 C 17.17

  1. BVerwG, Urteil vom 10.10.2019 – 3 C 8.17[]
  2. VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 28.06.2016 – 7 K 3134/​15[]
  3. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.03.2017 – 9 S 1899/​16[]
  4. VG Karls­ru­he, Urteil vom 19.03.2015 – 9 K 1519/​13[]
  5. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23.03.2017 – 9 S 1034/​15[]
  6. BVerwG, Urteil vom 10.10.2019 – 3 C10.17[]
  7. VG Stutt­gart, Urtei­le vom 26.01.2017 – 4 K 5923/​15, 5924/​15 und 4 K 5925/​15[]
  8. BVerwG, Urtei­le vom 10.10.2019 – 3 C 15.17, 3 C 16.17 und 3 C 17.17[]