"Net­to­po­li­cen" und die Mak­ler­pro­vi­si­on

Wur­de – im Rah­men eines "Net­to-Policen"-Modells mit dem Ver­brau­cher die Zah­lung einer Mak­ler­pro­vi­si­on beim Abschluss einer Lebens­ver­si­che­rung ver­ein­bart, so kann dem Mak­ler auch dann noch ein Zah­lungs­an­spruch zuste­hen, wenn der Ver­brau­cher die Ver­mitt­lungs­ge­büh­ren­ver­ein­ba­rung wirk­sam wider­ru­fen hat.

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Anspruchs­grund­la­ge ist inso­weit § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB i.V.m. § 346 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB, da die Rück­ge­währ der von der Klä­ge­rin erbrach­ten Leis­tung wegen ihrer Beschaf­fen­heit aus­ge­schlos­sen ist. Die Ver­mitt­lung einer Lebens- und Ren­ten­ver­si­che­rung stellt eine Mak­ler­leis­tung im Sin­ne des § 652 BGB dar, die mit Abschluss des ver­mit­tel­ten Haupt­ver­trags voll­stän­dig erbracht ist und in Natur nicht zurück­ge­ge­ben wer­den kann. Soweit § 312e Abs. 2 BGB – in Umset­zung von Art. 7 Abs. 3 der Richt­li­nie 2002/​65/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 23.09.2002 1 – den Wert­er­satz für Dienst­leis­tun­gen bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhän­gig macht, fehlt es an einer ent­spre­chen­den Rege­lung für den vor­lie­gen­den Fall. Die Vor­aus­set­zun­gen einer ana­lo­gen Anwen­dung lie­gen nicht vor.

Zwar schul­det der Ver­brau­cher als Wert­er­satz nicht ent­spre­chend § 346 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 BGB das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ent­gelt. § 346 Abs. 2 Satz 2 Halb­satz 1 BGB gilt – wie der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 19.07.2012 2 ein­ge­hend aus­ge­führt hat – nicht zu Las­ten des nach § 501 Satz 1 BGB a.F. (i.V.m. § 495 Abs. 1 und § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB a.F.) zum Wider­ruf eines Teil­zah­lungs­ge­schäfts über Mak­ler­leis­tun­gen berech­tig­ten Ver­brau­chers. Inso­fern ist die Rechts­la­ge nicht anders als beim Wider­ruf eines Haus­tür­ge­schäfts durch einen Ver­brau­cher nach § 312 BGB 3. Die in § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB ent­hal­te­ne all­ge­mei­ne Ver­wei­sung auf die "ent­spre­chen­de" Anwen­dung der "Vor­schrif­ten über den gesetz­li­chen Rück­tritt" ist in die­sem Sin­ne ein­schrän­kend aus­zu­le­gen. Maß­geb­lich für die Bemes­sung des Wert­er­sat­zes, den der Ver­brau­cher nach dem (wirk­sa­men) Wider­ruf eines Teil­zah­lungs­ge­schäfts für bis dahin erbrach­te Mak­ler­leis­tun­gen des Unter­neh­mers gewäh­ren muss, ist nicht das ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ent­gelt, son­dern der objek­ti­ve Wert der Mak­ler­leis­tung, soweit die­ser das ver­trag­li­che Ent­gelt nicht über­steigt.

Bei Dienst­leis­tun­gen all­ge­mein ist inso­weit im Aus­gangs­punkt auf die übli­che oder (man­gels einer sol­chen) auf die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung abzu­stel­len, die für eine sol­che Leis­tung zu bezah­len ist 4, nicht dage­gen auf den kon­kret-indi­vi­du­el­len Wert des Erlang­ten für den Schuld­ner.

Hier­bei steht dem gel­tend gemach­ten Anspruch nicht eine Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags ent­ge­gen. Die­se hat für sich genom­men kei­ne Aus­wir­kun­gen auf die Höhe des Wert­er­sat­zes. Zwar ent­fal­tet die Mak­ler­leis­tung erst und nur im Erfolgs­fall ihren vol­len Wert. Kommt es aber zum Abschluss des Haupt­ver­trags, wird die­ser Wert bereits rea­li­siert und hat damit der Mak­ler sei­ne ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Leis­tung in vol­lem Umfang erbracht. Die Kün­di­gung des Ver­si­che­rungs­ver­trags hat daher im Fall des Wider­rufs der Ver­mitt­lungs­ge­büh­ren­ver­ein­ba­rung auf die Höhe des Wert­er­satz­an­spruchs grund­sätz­lich kei­nen Ein­fluss 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Janu­ar 2013 – III ZR 145/​12

  1. ABl.EG Nr. L 271 S. 16[]
  2. BGH, Urteil vom 19.07.2012, aaO Rn.19 ff[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 15.04.2010 – III ZR 218/​09, BGHZ 185, 192 Rn. 23 ff[]
  4. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 15.04.2010 aaO Rn. 30 und vom 19.07.2012 aaO Rn. 25; sie­he auch BGH, Urtei­le vom 25.06.1962 – VII ZR 120/​61, BGHZ 37, 258, 264; vom 24.11.1981 – X ZR 7/​80, BGHZ 82, 299, 307 f und vom 05.07.2006 – VIII ZR 172/​05, BGHZ 168, 220 Rn. 39 zum Begriff des Wert­er­sat­zes in § 818 Abs. 2 BGB[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 01.03.2012 aaO Rn.19 und vom 19.07.2012 aaO Rn. 26[]