Abge­lehn­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Wie­der­ein­set­zung in die Rechts­mit­tel­frist

Eine Par­tei, die vor Ablauf der Rechts­mit­tel­frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt hat, ist bis zur Ent­schei­dung über die­sen Antrag so lan­ge als ohne ihr Ver­schul­den an der Frist­wah­rung ver­hin­dert anzu­se­hen, als sie sich ver­nünf­ti­ger­wei­se für bedürf­tig im Sin­ne der §§ 114 ff. ZPO hal­ten darf.

Abge­lehn­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und die Wie­der­ein­set­zung in die Rechts­mit­tel­frist

Das ist dann nicht der Fall, wenn die Par­tei erken­nen kann, dass die wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht gege­ben sind 1. So ver­hält es sich in der vor­lie­gen­den Sache.

so auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall, in dem der PKH-Antrag einer Insol­venz­ver­wal­te­rin zuvor mit der Begrün­dung abge­lehnt wor­den war, den am Gegen­stand des Rechts-streits wirt­schaft­lich betei­lig­ten Per­so­nen sei es zuzu­mu­ten, die Vor­schüs­se auf die Pro­zess­kos­ten auf­zu­brin­gen (BGH, Beschluss vom 9. Juni 2015 – I ZB 24/​15):

Die hier als Rechts­an­wäl­tin sowie auf­grund ihrer Stel­lung als Ver­wal­te­rin in dem Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen der vor­ma­li­gen Pro­zess­par­tei sach- und fach­kun­di­ge Rechts­mit­tel­füh­re­rin hat­te aus dem Beschwer­de­ver­fah­ren vor dem Ober­lan­des­ge­richt, in dem die­ses einen von ihr gestell­ten Antrag auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe am 27.10.2014 mit der ent­spre­chen­den Begrün­dung zurück­ge­wie­sen hat, Kennt­nis von den Umstän­den, im Hin­blick auf die dann auch der Bun­des­ge­richts­hof ihren Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren mit dem Beschluss vom 09.06.2015 – I ZB 24/​15 2 unter Hin­weis auf § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO zurück­ge­wie­sen hat. Sie muss­te daher damit rech­nen, dass ihr Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe aus die­sen Grün­den erfolg­los blei­ben wür­de. Die Gläu­bi­ge­rin durf­te dem­entspre­chend nicht wie sonst eine Par­tei, die nach ihren per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten auf­brin­gen kann dar­auf ver­trau­en, dass ihr Pro­zess­kos­ten­hil­fe bewil­ligt wer­de, weil die von ihr beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung schon im Hin­blick auf die Zulas­sung der Rechts­be­schwer­de durch das Beschwer­de­ge­richt hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bot und auch nicht mut­wil­lig erschien. Sie hät­te bei die­sen Gege­ben­hei­ten daher die vom Beschwer­de­ge­richt zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de inner­halb der dafür lau­fen­den Frist ein­le­gen müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2015 – I ZB 54/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.06.2001 – XI ZR 161/​01, BGHZ 148, 66, 69; Beschluss vom 17.07.2013 – XII ZB 174/​10, Fam­RZ 2013, 1720 Rn. 16; Beschluss vom 13.01.2015 – VI ZB 61/​14, NJW-RR 2015, 703 Rn. 8; Beschluss vom 25.03.2015 – XII ZB 96/​14, Fam­RZ 2015, 1103[]