DDR-Immo­bi­li­en – und der Über­gang grund­stücks­be­zo­ge­ner Ver­bind­lich­kei­ten auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben

Mit dem Eigen­tum an den Grund­stü­cken des Bun­des nach § 2 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 BImAG sind die grund­stücks­be­zo­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben über­ge­gan­gen.

DDR-Immo­bi­li­en – und der Über­gang grund­stücks­be­zo­ge­ner Ver­bind­lich­kei­ten auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben

Nach § 2 Abs. 2 Satz 1 BImAG ist der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben mit Wir­kung vom 01.01.2005 das Eigen­tum "an sämt­li­chen Grund­stü­cken, … wel­che zum Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen gehö­ren, …" über­tra­gen. Zu die­sen Grund­stü­cken gehö­ren auch ehe­mals volks­ei­ge­ne Grund­stü­cke im Bei­tritts­ge­biet, die nach Art. 22 Abs. 1 Satz 1 EinigVtr seit dem 3.10.1990 "der Treu­hand­ver­wal­tung des Bun­des" "unterlieg[en]".

Die­se Grund­stü­cke sind dem Bund nicht nur zur Ver­wal­tung zuge­wie­sen wor­den. Viel­mehr hat er dar­an unein­ge­schränk­tes Voll­ei­gen­tum erlangt, jedoch unter dem Vor­be­halt einer ander­wei­ti­gen Auf­tei­lung durch das in Art. 22 Abs. 1 Satz 3 EinigVtr ursprüng­lich vor­ge­se­he­ne Bun­des­ge­setz zur Auf­tei­lung des Finanz­ver­mö­gens1. Die­ses Ver­ständ­nis liegt auch Art. 2 Abs. 1 Sät­ze 3 und 4 des Finanz­ver­mö­gen-Staats­ver­trags des Bun­des, der neu­en Län­der und des Lan­des Ber­lin vom 14.12 20122 zugrun­de. Die Rege­lung begnügt sich mit der Auf­he­bung der Treu­hand­ver­wal­tung und der "Klar­stel­lung"3, dass das Treu­hand­ver­mö­gen Bun­des­ei­gen­tum der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben "dar­stellt", es also schon ist und es nicht erst mit dem Inkraft­tre­ten des Staats­ver­trags wird.

Die Grund­stü­cke des Treu­hand­ver­mö­gens nach Art. 22 Abs. 1 Satz 1 EinigVtr gehö­ren zum Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen. Sie wur­den nach § 16 Abs. 2 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes in der bis zum 31.12 2004 gel­ten­den Fas­sung als Finanz­ver­mö­gen des Bun­des von den Behör­den der Bun­des­ver­mö­gens­ver­wal­tung ver­wal­tet, die nach § 1 Nr. 1, 3 und 4 des Finanz­ver­wal­tungs­ge­set­zes in der genann­ten Fas­sung dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen nach­ge­ord­net waren.

Sie sind auch nicht von dem Eigen­tums­über­gang nach § 2 Abs. 2 Satz 1 BImAG aus­ge­nom­men4.

Nach ihrem Wort­laut erfasst die Vor­schrift alle Grund­stü­cke des Bun­des aus dem Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen. Sie nimmt kei­nes aus. Etwas ande­res erge­ben ent­ge­gen der Ansicht der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben weder die Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en noch die von der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben in der Erwi­de­rung auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin ange­spro­che­ne Rege­lung der Ver­tre­tungs­be­fug­nis in § 2 Abs. 6 BImAG. Nach Satz 1 der genann­ten Vor­schrift ist die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben kraft Geset­zes zur Ver­tre­tung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land befugt. In der Erläu­te­rung die­ser Ver­tre­tungs­be­fug­nis in der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs wer­den drei For­men der Ver­wal­tung von Bun­des­ei­gen­tum unter­schie­den: eige­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tung, Ver­wal­tung wirt­schaft­li­chen Ver­mö­gens und Ver­wal­tung von Ver­mö­gen nach Art. 22 EinigVtr. Das letz­te­re wer­de namens und im Auf­trag der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­wal­tet5. Die­ser Hin­weis könn­te als eine Son­der­be­hand­lung des Ver­mö­gens nach Art. 22 EinigVtr gedeu­tet wer­den.

Aus die­sen Hin­wei­sen in der Begrün­dung las­sen sich indes­sen Rück­schlüs­se auf die Reich­wei­te der Eigen­tums­über­tra­gung nach § 2 Abs. 2 Satz 1 BImAG nicht zie­hen. Sie sind näm­lich durch die wei­te­re Ent­wick­lung des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens über­holt wor­den. In dem Regie­rungs­ent­wurf war eine Über­tra­gung von Bun­des­ver­mö­gen auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben durch Gesetz nicht vor­ge­se­hen. Nach dem von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­schla­ge­nen § 2 Abs. 2 BImAG‑E soll­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen ledig­lich ermäch­tigt wer­den, der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben durch Rechts­ver­ord­nung Bun­des­ver­mö­gen aus sei­nem Geschäfts­be­reich unent­gelt­lich zu über­tra­gen oder statt­des­sen durch eine Über­tra­gungs­ver­ein­ba­rung Nut­zungs­rech­te ein­zu­räu­men, die als wirt­schaft­li­ches Eigen­tum defi­niert wer­den soll­ten. Danach konn­te es jeden­falls vor dem Erlass einer sol­chen Rechts­ver­ord­nung die in der Begrün­dung beschrie­be­nen For­men der Ver­wal­tung geben. Die­sem Vor­schlag ist der Bun­des­tag aber nicht gefolgt. Er hat sich dazu ent­schlos­sen, die Über­tra­gung selbst durch Gesetz vor­zu­neh­men, und zwar schritt­wei­se, für das Lie­gen­schafts­ver­mö­gen des Bun­des im Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen jedoch mit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 1.01.2005 und ohne jede Ein­schrän­kung6.

Das hat zur Fol­ge, dass es bei die­sem Teil des Lie­gen­schafts­ver­mö­gens des Bun­des nur noch die in der Ent­wurfs­be­grün­dung so genann­te eige­ne Ver­mö­gens­ver­wal­tung der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben geben kann. Das macht die Ver­tre­tungs­be­fug­nis in die­sem Bereich über­flüs­sig, nimmt der Vor­schrift aber kei­nes­wegs ihren Sinn. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen und ande­re Bun­des­mi­nis­te­ri­en kön­nen der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben näm­lich nach § 2 Abs. 7 BImAG wei­te­re Auf­ga­ben, etwa die Ver­wal­tung von Aus­lands­lie­gen­schaf­ten des Bun­des, über­tra­gen. Sie han­delt dann in deren Auf­trag und braucht zur Erfül­lung die­ser Auf­ga­be eine Ver­tre­tungs­macht, die ihr § 2 Abs. 6 BImAG ver­schafft. Außer­dem ermög­licht die Ver­tre­tungs­macht eine ein­fa­che Über­nah­me von Bun­des­lie­gen­schaf­ten, die auf Grund einer Ver­ein­ba­rung nach § 2 Abs. 4 BImAG zunächst von der schritt­wei­sen gesetz­li­chen Über­tra­gung aus­ge­nom­men wor­den sind, dann aber doch auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den sol­len.

Die bei­den Grund­stü­cke, um die es hier geht, gehör­ten des­halb bei dem Ver­kauf in den Jah­ren 2007 und 2008 der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben. An dem kraft Geset­zes mit Wir­kung vom 01.01.2005 ein­ge­tre­te­nen Eigen­tums­über­gang ändert es nichts, dass die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben die Grund­stü­cke spä­ter jeweils nicht im eige­nen Namen, son­dern namens der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­kauft hat.

Dabei Beru­fungs­ge­richts hat­te der Über­gang des Eigen­tums an den bei­den Grund­stü­cken zur Fol­ge, dass die grund­stücks­be­zo­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben über­ge­gan­gen sind. Das folgt aus einer ana­lo­gen Anwen­dung von § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG.

§ 2 Abs. 2 Satz 1 BImAG regelt unmit­tel­bar nur die Über­tra­gung des Eigen­tums an den Grund­stü­cken, die bei Wirk­sam­wer­den des Eigen­tums­über­gangs (noch7) zum Geschäfts­be­reich des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen gehö­ren, auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben. Was mit den auf die­se Grund­stü­cke bezo­ge­nen Rechts­ver­hält­nis­sen und Ver­bind­lich­kei­ten gesche­hen soll, regelt die Vor­schrift nicht. Ent­spre­chen­des gilt für die inzwi­schen wirk­sam gewor­de­ne Über­tra­gung des Eigen­tums an allen übri­gen inlän­di­schen Grund­stü­cken im Eigen­tum des Bun­des auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben nach § 2 Abs. 3 BImAG. Das Feh­len ent­spre­chen­der Rege­lun­gen ist plan­wid­rig.

In § 2 Abs. 2 und 3 BImAG ist nicht die gesetz­li­che Über­tra­gung des Eigen­tums an ein­zel­nen dis­pa­ra­ten Grund­stü­cken des Bun­des auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben vor­ge­se­hen. Sie ist viel­mehr Kern­stück einer voll­stän­di­gen Umstruk­tu­rie­rung der Ver­wal­tung von Bun­des­ei­gen­tum, in deren Zuge unter voll­stän­di­ger Auf­lö­sung der Bun­des­ver­mö­gens­ver­wal­tung die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben errich­tet wor­den ist. Der Plan der Bun­des­re­gie­rung war, mit der Errich­tung der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben die Ver­wal­tung aller Immo­bi­li­en des Bun­des aus der tra­di­tio­nel­len Ver­wal­tung her­aus­zu­lö­sen und in die Hän­de eines "fachgesteuerte[n] und im Rah­men der Fach­auf­sicht grund­sätz­lich eigenverantwortliche[n], unter­neh­me­risch geführte[n] Betrieb[s]" zu legen8. Dabei ist der Bun­des­tag nicht ste­hen geblie­ben. Er hat sich ent­schlos­sen, wei­ter zu gehen und die Nut­zung die­ser Grund­stü­cke für Ver­wal­tungs­zwe­cke des Bun­des nach dem sog. Ver­mie­ter-Mie­ter-Modell neu zu orga­ni­sie­ren. Nach die­sem Modell nut­zen die Dienst­stel­len des Bun­des die bun­des­ei­ge­nen Grund­stü­cke nicht mehr als Dienst­stel­len des Eigen­tü­mers; sie bewirt­schaf­ten sie nicht mehr jede für sich. Im Inter­es­se einer effi­zi­en­te­ren Ver­wal­tung sol­len sie die Grund­stü­cke viel­mehr von der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben anmie­ten, die die Auf­ga­be des Ver­mie­ters über­neh­men soll. Mit der schritt­wei­sen Über­tra­gung der Bun­des­lie­gen­schaf­ten auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben nach § 2 Abs. 2 und 3 BImAG soll­te die­ses Modell unmit­tel­bar durch das Errich­tungs­ge­setz umge­setzt wer­den9.

Die­ses Ziel ist aber durch die Über­tra­gung allein des Eigen­tums an den Grund­stü­cken nicht zu errei­chen. Viel­mehr ist dazu auch ein Über­gang der Ver­bind­lich­kei­ten und Rechts­ver­hält­nis­se auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben erfor­der­lich, die sich auf die Grund­stü­cke bezie­hen, die – wie hier – auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben kraft Geset­zes über­tra­gen wer­den. Ohne einen sol­chen Über­gang blie­be die durch die bis­lang zustän­di­gen Behör­den jeweils ver­tre­te­ne Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus den bestehen­den grund­stücks­be­zo­ge­nen Rechts­ver­hält­nis­sen berech­tigt und ver­pflich­tet. Sie wäre wei­ter­hin die for­ma­le Ansprech­part­ne­rin Drit­ter, mit denen sie grund­stück­be­zo­ge­ne Ver­trä­ge geschlos­sen hat. Das ent­sprä­che aber gera­de nicht der ange­streb­ten Nut­zung der Dienst­lie­gen­schaf­ten nach dem Ver­mie­ter-Mie­ter-Modell. Danach wird die durch die nut­zen­den Dienst­stel­len des Bun­des ver­tre­te­ne Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land Mie­te­rin der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben. Der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben wach­sen damit aber nicht nur Ansprü­che gegen ihre neue Mie­te­rin zu. Sie muss im Gegen­zug auch alle Pflich­ten über­neh­men, die in einem Miet­ver­hält­nis den Ver­mie­ter tref­fen. Damit wäre es unver­ein­bar, könn­te die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben Drit­te wegen der grund­stücks­be­zo­ge­nen Rechts­ver­hält­nis­se an die Mie­te­rin ver­wei­sen und müss­te sich die Mie­te­rin – wenn auch mit Unter­stüt­zung der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben, § 1 Abs. 1 Satz 4 BImAG – selbst um die Abwick­lung sol­cher Rechts­ver­hält­nis­se küm­mern. Aus den Rechts­ver­hält­nis­sen mit Bezug zu den auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben über­ge­gan­ge­nen Grund­stü­cken kön­nen sich auch Zah­lungs- und ande­re Ansprü­che erge­ben, die dann kon­se­quen­ter­wei­se zum Vor­teil des Bun­des­halts ein­ge­zo­gen oder zum Vor­teil der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gel­tend gemacht wer­den müss­ten, obwohl sie sach­lich der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben zuge­ord­net sind. Schließ­lich wür­de auch das mit der Errich­tung der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben ver­folg­te Ziel einer wirt­schaft­li­che­ren Ver­wal­tung des Lie­gen­schafts­ver­mö­gens des Bun­des (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 5 BImAG) ver­fehlt. Denn die Belas­tun­gen und Vor­tei­le aus den bestehen­den grund­stücks­be­zo­ge­nen Rechts­ver­hält­nis­sen wären dann for­mal nicht Teil der Eigen­ver­wal­tung der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben und blie­ben aus­ge­blen­det, obwohl sie der Sache nach dazu­ge­hö­ren.

Die in dem Feh­len einer Rege­lung zu den bestehen­den Rechts­ver­hält­nis­sen und ins­be­son­de­re den grund­stücks­be­zo­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten lie­gen­de Lücke hät­te der Gesetz­ge­ber, hät­te er das Pro­blem erkannt, durch eine Vor­schrift mit dem Inhalt des § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG geschlos­sen.

Die Bun­des­re­gie­rung hat­te zwar in ihrem Gesetz­ent­wurf bewusst kei­ne Rechts­nach­fol­ge in Rech­te und Ver­pflich­tun­gen vor­ge­se­hen, die zuvor von der Bun­des­ver­mö­gens­ver­wal­tung für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land begrün­det wur­den10. Die­sem Vor­schlag ist der Bun­des­tag aber nicht gefolgt. Er hat sich viel­mehr dafür ent­schie­den, das Lie­gen­schafts­ver­mö­gen schon mit dem Errich­tungs­ge­setz auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben zu über­tra­gen und die Lie­gen­schafts­auf­ga­ben des Bun­des bei einer Ein­rich­tung zu bün­deln, bei der die­se Auf­ga­ben zum Kern­ge­schäft gehö­ren. Er ist dabei expli­zit dem Bei­spiel der Pri­vat­wirt­schaft und ver­schie­de­ner Län­der und Kom­mu­nen gefolgt11. Die­sem Kon­zept ent­spre­chend hat er mit der schritt­wei­sen Über­tra­gung des Eigen­tums an sämt­li­chen inlän­di­schen Lie­gen­schaf­ten des Bun­des auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben gemäß dem Gesetz gewor­de­nen § 2 Abs. 2 und 3 BImAG der Sache nach durch Gesetz das gesam­te Lie­gen­schafts­ver­mö­gen des Bun­des im Inland auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben abge­spal­ten.

Eine sol­che Abspal­tung wäre in der als Ori­en­tie­rung die­nen­den Pri­vat­wirt­schaft nach § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG eine gegen­ständ­lich beschränk­te Gesamt­rechts­nach­fol­ge, die den Über­gang nicht nur der Akti­va, son­dern auch der auf den abge­spal­te­ten Teil des Ver­mö­gens bezo­ge­nen Pas­si­va zur Fol­ge hat. Das­sel­be gäl­te nach § 171 in Ver­bin­dung mit § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG für eine Aus­glie­de­rung, mit wel­cher ein Unter­neh­men der Pri­vat­wirt­schaft den­sel­ben Effekt errei­chen könn­te, oder wenn die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ihr Lie­gen­schafts­ver­mö­gen nicht auf eine rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts, son­dern nach § 123 Abs. 2 Nr. 2, § 124 Abs. 1 UmwG auf eine Kapi­tal­ge­sell­schaft abge­spal­ten hät­te.

Ein Über­gang der den Akti­va zuge­ord­ne­ten Ver­bind­lich­kei­ten ist auch bei den gesetz­li­chen Abspal­tun­gen in den Län­dern vor­ge­se­hen wor­den, deren Bei­spiel der Bun­des­ge­setz­ge­ber fol­gen woll­te (vgl. z. B. § 2 Abs. 4 des Bau- und Lie­gen­schafts­be­triebs­ge­set­zes des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len12, § 2 Abs. 1 des Geset­zes zur Errich­tung des Son­der­ver­mö­gens "Betrieb für Bau und Lie­gen­schaf­ten Meck­len­burg-Vor­pom­mern"13 und § 2 Abs. 3 des – inzwi­schen aller­dings wie­der auf­ge­ho­be­nen – Geset­zes zur Errich­tung der Lie­gen­schafts­ver­wal­tung Schles­wig-Hol­stein als rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts (LVSHG)14 oder auch § 1 Abs. 3 des ham­bur­gi­schen Geset­zes über das "Son­der­ver­mö­gen Schul­im­mo­bi­li­en”15).

Ist die Über­tra­gung sämt­li­cher Inlands­grund­stü­cke des Bun­des auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben aber inhalt­lich eine Abspal­tung und auch so gewollt, ist es fol­ge­rich­tig, die ent­stan­de­ne Lücke mit der Anwen­dung der für das Abspal­tungs­recht maß­geb­li­chen Vor­schrift, des § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG, zu schlie­ßen.

Zu den grund­stücks­be­zo­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten, die ent­spre­chend § 131 Abs. 1 Nr. 1 UmwG auf die Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­ga­ben über­ge­gan­gen sind, gehö­ren auch die Ver­pflich­tun­gen des Bun­des aus den Ver­ein­ba­run­gen mit der Klä­ge­rin. Die­se Ver­ein­ba­run­gen dien­ten der geord­ne­ten Über­nah­me der Grund­stü­cke durch den Bund und schaff­ten damit die Vor­aus­set­zun­gen für deren Ver­wal­tung und deren spä­te­re Ver­wer­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Juli 2015 – V ZR 205/​14

  1. BGH, Urteil vom 09.01.1998 – V ZR 263/​96, VIZ 1998, 259, 260; J. Schmidt-Räntsch, Eigen­tums­zu­ord­nung, Rechts­trä­ger­schaft und Nut­zungs­rech­te an Grund­stü­cken, 2. Aufl., S. 32 f.; vgl. auch BGH, Urteil vom 13.06.1997 – V ZR 40/​96, VIZ 1997, 598 []
  2. BGBl.2013 – I S. 1859 []
  3. so Denk­schrift in BT-Drs. 17/​12639 S.19 []
  4. zutref­fend: VG Dres­den, Urteil vom 04.06.2008 – 4 K 1652/​06 17 []
  5. BT-Drs. 15/​2720 S. 13 []
  6. Begrün­dung der Beschluss­emp­feh­lung in BT-Drs. 15/​4066 S. 4 []
  7. vgl. BVerw­GE 147, 348 Rn. 18 []
  8. Ent­wurfs­be­grün­dung in BT-Drs. 15/​2720 S. 11 []
  9. Begrün­dung der Beschluss­emp­feh­lung in BT-Drs. 15/​4066 S. 4 []
  10. Ent­wurfs­be­grün­dung in BT-Drs. 15/​2720 S. 13 []
  11. Begrün­dung der Beschluss­emp­feh­lung in BT-Drs. 15/​4066 S. 4 []
  12. vom 12.12 2000, GV NRW S. 754 []
  13. vom 17.12.2001, GVOBl. M‑V S. 600 []
  14. vom 07.05.2003, GVOBl. S.206 []
  15. vom 15.12 2009, HmbGVBl. S. 493, zuletzt geänd. d. Gesetz vom 17.12 2013, HmbGVBl. S. 503, 530 []