Flug­pau­schal­rei­se – und die Umbu­chung als Beför­de­rungs­ver­wei­ge­rung

In der Umbu­chung der Teil­neh­mer einer Flug­pau­schal­rei­se kann eine Beför­de­rungs­ver­wei­ge­rung zu sehen sein, die das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men zu einer Aus­gleichs­zah­lung wegen Nicht­be­för­de­rung nach Art. 7 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 3 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung ver­pflich­tet.

Flug­pau­schal­rei­se – und die Umbu­chung als Beför­de­rungs­ver­wei­ge­rung

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall buch­ten die Rei­sen­den bei einem Rei­se­ver­an­stal­ter eine Flug­pau­schal­rei­se in die Tür­kei. Der Hin­flug von Düs­sel­dorf nach Anta­lya, den die beklag­te Flug­ge­sell­schaft durch­füh­ren soll­te, war für den 28.10.2011 um 9.00 Uhr vor­ge­se­hen. Am 14.10.2011 teil­te der Rei­se­ver­an­stal­ter den Rei­sen­den mit, sie sei­en auf einen ande­ren Flug umge­bucht wor­den, der erst um 15.30 Uhr star­te. Die Klä­ger sehen dar­in eine Nicht­be­för­de­rung auf dem ursprüng­lich gebuch­ten Flug und ver­lan­gen des­halb eine Aus­gleichs­zah­lung in der nach der Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Höhe von 400 € pro Per­son. Die Flug­ge­sell­schaft macht gel­tend, sie habe von einer durch den Rei­se­ver­an­stal­ter vor­ge­nom­me­nen Umbu­chung kei­ne Kennt­nis gehabt.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Kla­ge der Rei­sen­den statt­ge­ge­ben 1. Auf die Beru­fung der Flug­ge­sell­schaft hat dage­gen das Land­ge­richt Düs­sel­dorf die Kla­ge abge­wie­sen 2. Nach Ansicht des Land­ge­richts Düs­sel­dorf sei zwar davon aus­zu­ge­hen, dass die Rei­sen­den über eine Buchung für den frü­he­ren Flug ver­fügt hät­ten. Eine Aus­gleichs­zah­lung set­ze aber zusätz­lich vor­aus, dass sich der Flug­gast recht­zei­tig zur Abfer­ti­gung am Schal­ter ein­fin­de oder zumin­dest in ande­rer Wei­se nach der Buchung noch­mals aktiv wer­de und sei­nen Teil­nah­me­wunsch am Flug äuße­re. Dar­an feh­le es im Streit­fall. Es sei nicht ersicht­lich, dass die Rei­sen­den die Umbu­chung nicht akzep­tiert und auf einer Beför­de­rung mit dem ursprüng­li­chen Flug bestan­den hät­ten. Auf die Revi­si­on der Rei­sen­den hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Düs­sel­dor­fer Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt Düs­sel­dorf zurück­ver­wie­sen:

Der Aus­gleichs­an­spruch wegen Nicht­be­för­de­rung setzt zwar grund­sätz­lich vor­aus, so der Bun­des­ge­richts­hof, dass der Flug­gast nicht nur über eine bestä­tig­te Buchung für den betref­fen­den Flug ver­fügt, son­dern sich auch zur ange­ge­be­nen Zeit zur Abfer­ti­gung ("Che­ckin") ein­fin­det und ihm der Ein­stieg ("Boar­ding") gegen sei­nen Wil­len ver­wei­gert wird. Es kommt aber weder auf das Erschei­nen zur Abfer­ti­gung noch auf das Erschei­nen am Aus­gang an, wenn das Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men bereits zuvor unzwei­deu­tig zum Aus­druck gebracht hat, dem Flug­gast die Beför­de­rung auf dem gebuch­ten Flug zu ver­wei­gern. Die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Düs­sel­dorf erlau­ben indes­sen kei­ne Ent­schei­dung, ob eine sol­che Wei­ge­rung in der Umbu­chungs­mit­tei­lung des Rei­se­ver­an­stal­ters zum Aus­druck gekom­men ist.

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf wird daher nun zum einen den Inhalt der Umbu­chungs­mit­tei­lung fest­zu­stel­len und zum ande­ren zu klä­ren haben, ob die Rei­sen­den tat­säch­lich über eine bestä­tig­te Buchung für den Flug um 9 Uhr ver­fügt haben. Der genaue Inhalt der bei­den Erklä­run­gen wird ent­schei­dend dafür sein, ob in der Mit­tei­lung des Rei­se­ver­an­stal­ters, die Rei­sen­den sei­en auf einen ande­ren Flug umge­bucht wor­den, eine dem beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men zuzu­rech­nen­de vor­weg­ge­nom­me­ne Wei­ge­rung zum Aus­druck kam, die Rei­sen­den auf einem Flug zu beför­dern, für den sie über einen Flug­schein oder eine ande­re bestä­tig­te Buchung im Sin­ne der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung ver­füg­ten.

Von dem Inhalt und der Ein­deu­tig­keit der Erklä­run­gen wird es auch abhän­gen, ob es vor einer end­gül­ti­gen Ent­schei­dung des Rechts­streits einer Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on zur zutref­fen­den Aus­le­gung der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung bedarf.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. März 2015 – – X ZR 34/​14

  1. AG Düs­sel­dorf, Urteil vom 01.10.2013 – 35 C 12027/​12[]
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 21.02.2014 – 22 S 167/​13[]