Kon­troll­pflich­ten beim Faxen frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze

Das Büro­per­so­nal ist anzu­wei­sen, bei einem frist­ge­bun­de­nen Schrift­satz die in einem Sen­de­be­richt aus­ge­wie­se­ne Fax­num­mer nach Aus­druck noch ein­mal anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le auf ihre Zuord­nung zu dem vom Rechts­an­walt bezeich­ne­ten Emp­fangs­ge­richt zu über­prü­fen.

Kon­troll­pflich­ten beim Faxen frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss der Rechts­an­walt bei Ver­sen­dung von Schrift­sät­zen per Tele­fax durch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen sicher­stel­len, dass die Tele­fax­num­mer des ange­schrie­be­nen Gerichts ver­wen­det wird. Hier­zu gehört, dass bei der erfor­der­li­chen Aus­gangs­kon­trol­le in der Regel ein Sen­de­be­richt aus­ge­druckt und die­ser auf die Rich­tig­keit der ver­wen­de­ten Emp­fän­ger­num­mer über­prüft wird, um nicht nur Feh­ler bei der Ein­ga­be, son­dern auch bereits bei der Ermitt­lung der Fax­num­mer oder ihrer Über­tra­gung in den Schrift­satz auf­de­cken zu kön­nen.

Die Über­prü­fung der Rich­tig­keit der im Sen­de­be­richt aus­ge­wie­se­nen Emp­fän­ger­num­mer ist anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le vor­zu­neh­men, aus dem bzw. der die Fax­num­mer des Gerichts her­vor­geht, für das die Sen­dung bestimmt ist [1]. Die­se Art der Aus­gangs­kon­trol­le soll nicht nur Feh­ler bei der Über­mitt­lung aus­schlie­ßen, son­dern auch die Fest­stel­lung ermög­li­chen, ob der Schrift­satz auch tat­säch­lich über­mit­telt wor­den ist.

Eine Not­frist darf erst nach einer sol­chen Kon­trol­le des Sen­de­be­richts gelöscht wer­den [2]. Das Büro­per­so­nal muss daher stets ange­wie­sen wer­den, die ange­ge­be­ne Fax­num­mer noch ein­mal auf eine Zuord­nung zu dem vom Rechts­an­walt ange­ge­be­nen Emp­fangs­ge­richt zu über­prü­fen, auch dann, wenn eine Kanz­lei­an­ge­stell­te die anzu­wäh­len­de Tele­fax­num­mer des Gerichts aus einem in der Akte befind­li­chen Schrei­ben des Gerichts in einen frist­ge­bun­de­nen Schrift­satz über­trägt [3]. Sofern den BGH-Beschlüs­sen vom 13. Febru­ar 2007 und vom 22. Juni 2004 [4] etwas ande­res zu ent­neh­men sein soll­te, wird dar­an nicht fest­ge­hal­ten.

Es ent­spricht zwar der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung [5], dass der Rechts­an­walt Tätig­kei­ten im Zusam­men­hang mit dem Fax­ver­sand frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze grund­sätz­lich dem geschul­ten und zuver­läs­si­gen Kanz­lei­per­so­nal eigen­ver­ant­wort­lich über­las­sen darf. Es trifft auch zu, dass es nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für den Aus­schluss des einer Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­schul­dens ihres Anwalts (§ 85 Abs. 2, § 233 ZPO) auf all­ge­mei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen bzw. Anwei­sun­gen für die Fris­t­wah­rung in einer Anwalts­kanz­lei nicht mehr ankommt, wenn der Rechts­an­walt einer Kanz­lei­an­ge­stell­ten, die sich bis­her als zuver­läs­sig erwie­sen hat, eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung erteilt, die bei Befol­gung die Fris­t­wah­rung gewähr­leis­tet hät­te [6]. Im Streit­fall erfüllt die von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­ne und durch die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Kanz­lei­an­ge­stell­ten glaub­haft gemach­te Ein­zel­an­wei­sung die Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung aber nicht. Es ist nicht ein­mal vor­ge­tra­gen, dass die Kanz­lei­an­ge­stell­te ange­wie­sen wor­den sei, nach Über­sen­dung des Frist­ver­län­ge­rungs­an­trags den Sen­de­be­richt aus­zu­dru­cken und die­sen auf die Rich­tig­keit der ver­wen­de­ten Emp­fän­ger­num­mer (hier also des Beru­fungs­ge­richts) anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le zu über­prü­fen und die Not­frist erst zu löschen, wenn eine sol­che Über­prü­fung erfolgt ist.

Eine all­ge­mei­ne Büro­an­wei­sung der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin, aus der sich eine Anord­nung hin­sicht­lich der Prü­fungs­pflich­ten der Büro­an­ge­stell­ten nach Über­mitt­lung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze per Tele­fax ergibt, ist eben­falls nicht vor­ge­tra­gen. Eine sol­che lässt sich auch nicht der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung der Büro­an­ge­stell­ten ent­neh­men. Einen Hin­weis des Beru­fungs­ge­richts nach § 139 ZPO, dass es den Vor­trag als unzu­rei­chend ansieht, war inso­weit ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht erfor­der­lich. Dem Wie­der­ein­set­zungs­an­trag lässt sich auch nicht ansatz­wei­se ent­neh­men, dass die Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung erfüllt wor­den sind, so dass ein Hin­weis zur Prä­zi­sie­rung oder Klar­stel­lung einer zuvor bereits vor­ge­tra­ge­nen Tat­sa­che nicht ver­an­lasst war [7].

Das Unter­las­sen einer ent­spre­chen­den Aus­gangs­kon­trol­le ist im vor­lie­gen­den Fall auch ursäch­lich gewor­den. Hät­te die Kanz­lei­an­ge­stell­te einen Sen­de­be­richt aus­ge­druckt und ent­spre­chend den Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung über­prüft, ob die rich­ti­ge Tele­fax­num­mer und das rich­ti­ge Gericht aus­ge­wählt wur­den, so hät­te ihr auf­fal­len kön­nen und müs­sen, dass das Tele­fax nicht an das Kam­mer­ge­richt über­sandt wor­den ist. Dann hät­te sie ihren Feh­ler ent­de­cken kön­nen, weil es für eine zuver­läs­si­ge Büro­an­ge­stell­te offen­sicht­lich ist, dass ein Schrift­satz zur Ver­län­ge­rung der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist an das Beru­fungs­ge­richt über­sandt wer­den muss, und zusätz­lich gemäß dem Vor­brin­gen ihres Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten eine ent­spre­chen­de Ein­zel­an­wei­sung vor­lag.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2013 – VI ZB 61/​12

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 27.03.2012 – VI ZB 49/​11, NJW-RR 2012, 744 Rn. 7 und vom 12.06.2012 – VI ZB 54/​11, aaO Rn. 7 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.06.2012 – VI ZB 54/​11, aaO; BGH, Beschlüs­se vom 16.06.1998 – XI ZB 13/​98, – XI ZB 14/​98, VersR 1999, 996; vom 07.07.2010 – XII ZB 59/​10, NJW-RR 2010, 1648 Rn. 12, 14[]
  3. BGH, Beschluss vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312 Rn. 10[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 13.02.2007 – VI ZB 70/​06, VersR 2008, 272; und vom 22.06.2004 – VI ZB 14/​04, VersR 2005, 573[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 17.04.2012 – VI ZB 50/​11, NJW-RR 2012, 1084 Rn. 17 mwN[]
  6. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.09.2011 – VI ZB 23/​11, VersR 2011, 1544 Rn. 8; vom 12.06.2012 – VI ZB 54/​11, aaO Rn. 9 mwN[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 12.06.2012 – VI ZB 54/​11, aaO Rn. 11[]