Nicht geeich­te Was­ser­zäh­ler in der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung

Im Rah­men der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung dür­fen nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs auch die Mess­wer­te eines nicht geeich­ten Was­ser­zäh­lers ver­wen­det wer­den. Aller­dings muss der Ver­mie­ter nach­wei­sen kön­nen, dass die ange­zeig­ten Wer­te zutref­fend sind.

Nicht geeich­te Was­ser­zäh­ler in der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung

In dem jetzt vom Bun­des­ge­irchts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­ten die Klä­ger hat­ten von Sep­tem­ber 2004 bis Febru­ar 2008 eine Woh­nung von den Beklag­ten in Baut­zen gemie­tet. Der zu der Woh­nung gehö­ren­de Was­ser­zäh­ler war in den Jah­ren 2006 und 2007 nicht geeicht. Die Klä­ger ver­tra­ten der Auf­fas­sung, dass die von dem Gerät ermit­tel­ten Mess­wer­te nach § 25 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a EichG unver­wert­bar sei­en, so dass die Beklag­ten die nach Ver­brauch abge­rech­ne­ten Kos­ten für Was­ser/​Abwasser nicht in die ent­spre­chen­den Betriebs­kos­ten­ab­rech­nun­gen hät­ten ein­stel­len dür­fen. Hier­durch erge­be sich unter Berück­sich­ti­gung der geleis­te­ten Vor­aus­zah­lun­gen ein Gut­ha­ben von 134,09 € für das Jahr 2006 und in Höhe von 222,83 € für das Jahr 2007. Die beklag­ten Ver­mie­ter ihrer­seits behaup­ten, der Was­ser­zäh­ler habe ord­nungs­ge­mäß funk­tio­niert, daher müss­ten die Klä­ger für 2006 noch 496,53 € und für das Jahr 2007 noch 154,79 € nach­zah­len.

Mit der Kla­ge haben die Klä­ger von den Beklag­ten neben der Kau­ti­ons­rück­zah­lung auch die Zah­lung des sich ihrer Ansicht nach erge­ben­den Gut­ha­bens aus den Betriebs­kos­ten­ab­rech­nun­gen für die Jah­re 2006 und 2007 (ins­ge­samt 1.117,77 €) ver­langt. Die Beklag­ten haben mit den behaup­te­ten Ansprü­chen auf Nach­zah­lung von Betriebs­kos­ten die Auf­rech­nung erklärt. Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Baut­zen hat der Kla­ge der Mie­ter statt­ge­ge­ben [1]. Auf die Beru­fung der beklag­ten Ver­mie­ter hat das Land­ge­richt Baut­zen das amts­ge­richt­li­che Urteil abge­än­dert und die Kla­ge teil­wei­se – in Höhe der von den Klä­gern bean­spruch­ten Betriebs­kos­ten­gut­ha­ben von ins­ge­samt 377,62 € – abge­wie­sen [2]. Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ger blieb vor dem Bun­des­ge­richts­hof ohne Erfolg:

Im Rah­men der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung kommt nach dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hof allein dar­auf an, dass der tat­säch­li­che Ver­brauch zutref­fend wie­der­ge­ge­ben ist. Beru­hen die in die Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung ein­ge­stell­ten Ver­brauchs­wer­te auf der Able­sung eines geeich­ten Mess­ge­räts, spricht eine tat­säch­li­che Ver­mu­tung dafür, dass die­se Wer­te den tat­säch­li­chen Ver­brauch wie­der­ge­ben. Den von einem nicht geeich­ten Mess­ge­rät abge­le­se­nen Wer­ten kommt die Ver­mu­tung ihrer Rich­tig­keit nicht zu. In die­sem Fall muss der Ver­mie­ter dar­le­gen und bewei­sen, dass die abge­le­se­nen Wer­te zutref­fend sind. Gelingt dem Ver­mie­ter die­ser Nach­weis, steht einer Ver­wen­dung der Mess­wer­te § 25 Abs. 1 Nr. 1a EichG nicht ent­ge­gen. Im kon­kre­ten Fall hat­te bereits das Land­ge­richt den Nach­weis durch Vor­la­ge einer Prüf­be­schei­ni­gung einer staat­lich aner­kann­ten Prüf­stel­le als geführt ange­se­hen, aus der her­vor­geht, dass die Mess­to­le­ranz­gren­zen ein­ge­hal­ten waren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2010 – VIII ZR 112/​10

  1. AG Baut­zen, Urteil vom 30.06.2009 – 21 C 1010/​08[]
  2. LG Baut­zen, Urteil vom 30.04.2010 – 1 S 87/​09[]