Stu­fen­kla­ge – und die Bestimmt­heit der Beru­fungs­an­trä­ge

Beru­fungs­an­trä­ge sind gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO hin­rei­chend bestimmt, wenn die inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift- sät­ze des Beru­fungs­klä­gers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig erge­ben, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel das Urteil ange­foch­ten wer­den soll 1.

Stu­fen­kla­ge – und die Bestimmt­heit der Beru­fungs­an­trä­ge

Ein unbe­zif­fer­ter Antrag kann grund­sätz­lich auch in der Beru­fungs­in­stanz gestellt wer­den 2.

Die pro­zes­sua­le Selb­stän­dig­keit der im Wege der Stu­fen­kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che bedingt, dass über jeden in der vor­ge­ge­be­nen Rei­hen­fol­ge im Wege der abge­son­der­ten Antrag­stel­lung durch Teil- oder Schlus­sur­teil zu befin­den ist. Nach rechts­kräf­ti­gem Erlass eines Aus­kunfts­ur­teils kann das Ver­fah­ren nur auf Par­tei­an­trag fort­ge­setzt wer­den 3.

Gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Erklä­rung beinhal­ten, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten wird und wel­che Abän­de­run­gen des Urteils bean­tragt wer­den. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs erfor­dert der Zweck des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO zwar nicht zwin­gend einen förm­li­chen Sach­an­trag. Durch die Vor­schrift soll der Beru­fungs­klä­ger aber im Inter­es­se der Beschleu­ni­gung des Beru­fungs­ver­fah­rens dazu ange­hal­ten wer­den, sich ein­deu­tig über Umfang und Ziel sei­nes Rechts­mit­tels zu erklä­ren und das Beru­fungs­ge­richt sowie den Pro­zess­geg­ner über Umfang und Inhalt sei­ner Angrif­fe mög­lichst schnell und zuver­läs­sig ins Bild zu set­zen. Daher reicht es aus, wenn die inner­halb der Begrün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze des Beru­fungs­klä­gers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig erge­ben, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel das Urteil ange­foch­ten wer­den soll 4. Dabei kann ein unbe­zif­fer­ter Antrag grund­sätz­lich auch in der Beru­fungs­in­stanz gestellt wer­den 5.

Gemes­sen hier­an war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der die Beru­fungs­be­grün­dung ent­hal­te­ne Be- rufungs­an­trag hin­rei­chend bestimmt. Danach hat die Klä­ge­rin klar zu erken­nen gege­ben, dass sie bezo­gen auf den Unter­halts­zeit­raum ab Okto­ber 2009 die Stu­fen­kla­ge, wie sie sie in der ers­ten Instanz erho­ben hat, wei­ter­ver­folgt. Ihrem Beru­fungs­be­geh­ren lässt sich dem­ge­mäß ent­neh­men, dass die Klä­ge­rin inso­weit die Auf­he­bung des amts­ge­richt­li­chen Urteils und eine Ent­schei­dung auf der Leis­tungs­stu­fe erst nach Erfül­lung des titu­lier­ten Aus­kunfts­an­spruchs erstrebt.

Die pro­zes­sua­le Selb­stän­dig­keit der im Wege der Stu­fen­kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che bedingt, dass über jeden in der vor­ge­ge­be­nen Rei­hen­fol­ge im Wege der abge­son­der­ten Antrag­stel­lung durch Teil- oder Schlus­sur­teil zu befin­den ist, weil das frü­he­re Teil­ur­teil für die spä­te­re Ent­schei­dung vor­greif­lich ist. Nach rechts­kräf­ti­gem Erlass eines Aus­kunfts­ur­teils kann das Ver­fah­ren nur auf Par­tei­an­trag fort­ge­setzt wer­den.

Kei­nes­falls wird der Fort­set­zungs­ter­min von Amts wegen bestimmt 6.

Gemes­sen hier­an hät­te das Gericht im vor­lie­gen­den Fall nicht über die Leis­tungs­stu­fe ent­schei­den dür­fen. Das Amts­ge­richt hat in dem­sel­ben Ter­min, in dem es auf­grund des von der Klä­ge­rin gestell­ten Stu­fen­an­trags das Teil­an­er­kennt­nis­ur­teil über die Aus­kunfts­ver­pflich­tung des Beklag­ten erlas­sen hat, von Amts wegen einen Fort­set­zungs­ter­min bestimmt. Obgleich die Klä­ge­rin kurz vor dem Fort­set­zungs­ter­min des­sen Auf­he­bung mit der Begrün­dung bean­tragt hat­te, dass der Beklag­te noch kei­ne Aus­kunft erteilt habe, hat das Amts­ge­richt die­sen Ter­min durch­ge­führt und auf­grund des­sen über den Leis­tungs­an­trag ent­schie­den. Die­ser Ver­fah­rens­feh­ler wird auch nicht dadurch geheilt, dass die Klä­ge­rin in dem Fort­set­zungs­ter­min einen unbe­zif­fer­ten Antrag gestellt hat. Damit hat sie deut­lich zu erken­nen gege­ben, dass sie zu einer Prä­zi­sie­rung noch nicht in der Lage ist und des­halb auch kei­ne Ent­schei­dung hier­über begehrt. Das wird über­dies dadurch bestä­tigt, dass die Klä­ge­rin in dem­sel­ben Ter­min wegen der bis­lang unter­blie­be­nen Aus­kunft einen Zwangs­geld­an­trag gegen den Beklag­ten gestellt hat.

Im Übri­gen durf­te das Beru­fungs­ge­richt der Klä­ge­rin auch nicht vor­hal­ten, dass sie den Zah­lungs­an­trag hät­te bezif­fern kön­nen, wobei inso­weit wor­auf die Rechts­be­schwer­de eben­falls zu Recht hin­weist allein die Zuläs­sig­keit der Kla­ge gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ange­spro­chen ist.

Bei Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist hat­te der Beklag­te die gemäß dem Teil­ur­teil geschul­de­te Aus­kunft nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts noch nicht erteilt. Das vom Beklag­ten in der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt kom­men­tar­los über­ge­be­ne Kon­vo­lut von Bele­gen stellt kei­ne Aus­kunft über sein Ein­kom­men dar. Die geschul­de­te Aus­kunft erfor­dert viel­mehr eine sys­te­ma­ti­sche Auf­stel­lung der Ein­nah­men und Aus­ga­ben und muss dem Aus­kunfts­gläu­bi­ger die Ermitt­lung des Ein­kom­mens ermög­li­chen 7. Mit­hin war die Klä­ge­rin man­gels hin­rei­chen­der Aus­kunfts­er­tei­lung noch nicht zu einer Bezif­fe­rung ihres Antra­ges ver­pflich­tet bzw. in der Lage. Im Übri­gen han­del­te es sich bei der nach Ablauf der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist erfolg­ten Bezif­fe­rung um eine zuläs­si­ge Prä­zi­sie­rung des Klag­an­trags, die nicht ein­mal eine Kla­ge­än­de­rung dar­stellt 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Novem­ber 2014 – XII ZB 522/​14

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 25.06.2014 XII ZB 134/​13 Fam­RZ 2014, 1443[]
  2. im Anschluss an BGH Urteil vom 09.10.1974 – IV ZR 164/​73 WM 1974, 1162[]
  3. im Anschluss an BGH Urteil vom 24.05.2012 – IX ZR 168/​11 Fam­RZ 2012, 1296[]
  4. BGH, Beschluss vom 25.06.2014 XII ZB 134/​13 Fam­RZ 2014, 1443 Rn. 16 mwN[]
  5. BGH Urteil vom 09.10.1974 – IV ZR 164/​73 WM 1974, 1162, 1164[]
  6. BGH Urteil vom 24.05.2012 – IX ZR 168/​11 Fam­RZ 2012, 1296 Rn. 28 mwN[]
  7. BGH, Beschluss vom 22.10.2014 XII ZB 385/​13 16 und BGH, Urteil vom 29.06.1983 IVb ZR 391/​81 Fam­RZ 1983, 996, 998[]
  8. Münch­Komm-ZPO/­Be­cker-Eber­hard 4. Aufl. § 254 Rn. 23[]