Teu­re Ersatz­tei­le beim Ver­kehrs­un­fall

Die Fra­ge, ob bei fik­ti­ver Scha­dens­be­rech­nung nach einem Ver­kehrs­un­fall auch die soge­nann­ten UPE-Auf­schlä­ge ersatz­fä­hi­ger Scha­den sind, ist in der Recht­spre­chung umstrit­ten.

Teu­re Ersatz­tei­le beim Ver­kehrs­un­fall

Bei die­sen UPE-Auf­schlä­gen han­delt es sich um bran­chen­üb­lich erho­be­ne Zuschlä­ge, die auf­grund der Lager­hal­tung von Ori­gi­na­lersatz­tei­len als pro­zen­tua­ler Auf­schlag auf die unver­bind­li­che Preis­emp­feh­lung des Ersatz­teil­her­stel­lers erho­ben wer­den und mit denen ins­be­son­de­re der Auf­wand der Repa­ra­tur­werk­statt abge­gol­ten wer­den soll, der mit der – zum Zwe­cke einer Ver­kür­zung der Repa­ra­tur­dau­er erfol­gen­den – stän­di­gen Vor­hal­tung von Ori­gi­na­lersatz­tei­len ver­bun­den ist. Der Auf­schlag kann dabei durch­aus bis zu 20 % der Preis­emp­feh­lung des Her­stel­lers betra­gen.

Nach der wohl über­wie­gen­den Recht­spre­chung kön­nen die­se pro­zen­tua­le Auf­schlä­ge auf Ersatz­teil­prei­se auch bei der fik­ti­ven Abrech­nung, also der Abrech­nung auf Gut­ach­ten­ba­sis, ver­langt wer­den, wenn und soweit sie regio­nal üblich sind 1, denn schließ­lich hat der Unfall­ver­ur­sa­cher den Scha­den kom­plett wie­der gut­zu­ma­chen.

So urteil­te jetzt auch das Amts­ge­richt Coburg: Die Eigen­tü­me­rin eines beschä­dig­ten Kfz hat­te mit der Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers auf Gut­ach­tens­ba­sis abge­rech­net. In dem Gut­ach­ten waren knapp 700 € an UPE-Auf­schlä­gen (20 % auf die Ersatz­teil­be­trä­ge) ent­hal­ten, wel­che die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers nicht bezah­len woll­te. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung war der Mei­nung, die­se Beträ­ge sei­en nur bei tat­säch­li­chem Anfall – also nach durch­ge­führ­ter Repa­ra­tur – zu erstat­ten.

Das Amts­ge­richt Coburg gab dem Unfall­ge­schä­dig­ten Recht: Ziel des Scha­dens­er­sat­zes ist die Total­re­pa­ra­ti­on. Der Geschä­dig­te kann dabei frei ent­schei­den, wie er den Scha­dens­er­satz­be­trag ver­wen­det. Jeden­falls, wenn zur Scha­dens­be­he­bung in der Regi­on des Geschä­dig­ten die Auf­wen­dung von UPE-Auf­schlä­ge erfor­der­lich ist, hat der Scha­dens­ver­ur­sa­cher die­se Beträ­ge auch bei fik­ti­ver Abrech­nung zu erstat­ten. Nach­dem sich die Üblich­keit der Auf­schlä­ge aus dem von der Klä­ge­rin vor­ge­richt­lich ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten eines Kfz-Sach­ver­stän­di­gen ergab, muss­te die beklag­te Ver­si­che­rung bezah­len.

Amts­ge­richt Coburg, Urteil vom 18. Febru­ar 2009 – 14 C 1336/​08 (rechts­kräf­tig)

  1. vgl. nur OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 16.06.2008 – I‑1 U 246/​07[]