Titel, Klau­sel, Zustel­lung – und die fusio­nier­te Genos­sen­schafts­bank

Ist auf­grund einer Ein­tra­gung im Genos­sen­schafts­re­gis­ter dem Rechts­nach­fol­ger des in einem Voll­stre­ckungs­ti­tel bezeich­ne­ten Gläu­bi­gers eine voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung des Titels erteilt wor­den, darf die Zwangs­voll­stre­ckung nur erfol­gen, wenn dem Schuld­ner zusam­men mit dem Titel neben der Voll­stre­ckungs­klau­sel ein Aus­zug aus dem Regis­ter zuge­stellt wird, wel­cher den aktu­el­len Regis­ter­in­halt im Zeit­punkt der Klau­seler­tei­lung wie­der­gibt.

Titel, Klau­sel, Zustel­lung – und die fusio­nier­te Genos­sen­schafts­bank

Nach § 750 Abs. 1 ZPO darf die Zwangs­voll­stre­ckung aus einer nota­ri­el­len Urkun­de (§ 794 Abs. 1 Nr. 5, § 795 ZPO) nur begin­nen, wenn die Per­so­nen, für und gegen die sie statt­fin­den soll, in der Urkun­de oder in der ihr bei­gefüg­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel nament­lich bezeich­net sind. Dar­an fehlt es in dem hier gege­be­nen Fall der Rechts­nach­fol­ge. Der Rechts­nach­fol­ger des in der Urkun­de genann­ten Gläu­bi­gers benö­tigt des­halb eine voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung, deren Voll­stre­ckungs­klau­sel ihn als neu­en Gläu­bi­ger aus­weist. Erteilt wer­den darf die­se Aus­fer­ti­gung von dem Notar nur, wenn die Rechts­nach­fol­ge bei ihm offen­kun­dig (§ 291 ZPO) ist oder durch öffent­li­che oder durch öffent­lich beglau­big­te Urkun­den nach­ge­wie­sen wird (§ 727 Abs. 1 ZPO). Die Offen­kun­dig­keit ist in der Voll­stre­ckungs­klau­sel zu erwäh­nen (§ 727 Abs. 2 ZPO). Die­se Klau­sel und bei feh­len­der Offen­kun­dig­keit die ihrer Ertei­lung zugrun­de­lie­gen­den Urkun­den müs­sen dem Schuld­ner zusam­men mit der nota­ri­el­len Urkun­de zuge­stellt wer­den (§ 750 Abs. 2 ZPO). Das Zustel­lungs­er­for­der­nis sichert sei­nen Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs; durch die Zustel­lung wird er voll­stän­dig über die Grund­la­gen der Zwangs­voll­stre­ckung unter­rich­tet und in die Lage ver­setzt, deren Vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen 1.

Die hier maß­geb­li­chen Voll­stre­ckungs­klau­seln ent­hal­ten kei­nen Hin­weis dar­auf, dass den Nota­ren bei der Klau­seler­tei­lung die Rechts­nach­fol­ge auf der Gläu­bi­ger­sei­te offen­kun­dig war. Des­halb bedarf es kei­ner Ant­wort auf die von dem Beschwer­de­ge­richt bei der Begrün­dung sei­ner Zulas­sungs­ent­schei­dung auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob Ein­tra­gun­gen in öffent­li­chen Regis­tern "per se" offen­kun­dig im Sin­ne von § 727 ZPO sind 2.

Zuzu­stel­len waren des­halb die nota­ri­el­len Urkun­den, die der Rechts­nach­fol­ge­rin erteil­ten Voll­stre­ckungs­klau­seln und die deren Ertei­lung zugrun­de­lie­gen­den Urkun­den. Letz­te­res sind die Aus­zü­ge aus dem Genos­sen­schafts­re­gis­ter, aus dem sich die Rechts­nach­fol­ge auf der Gläu­bi­ger­sei­te ergibt.

Die Zustel­lung die­ser Regis­ter­aus­zü­ge war nicht ent­behr­lich. Zwar mag etwas ande­res gel­ten, wenn die Nota­re den Inhalt des Regis­ters voll­stän­dig in die Voll­stre­ckungs­klau­sel auf­ge­nom­men hät­ten 3. Aber dar­an fehlt es.

Im vor­lie­gend Ver­fah­ren war zwar der in Spal­te 5 des Genos­sen­schafts­re­gis­ters ein­ge­tra­ge­ne Ver­schmel­zungs­vor­gang nebst Umfir­mie­rung ein­schließ­lich der Bezeich­nung der zugrun­de­lie­gen­den Beschlüs­se und Ver­trä­ge in die Voll­stre­ckungs­klau­seln mit von­ein­an­der abwei­chen­den For­mu­lie­run­gen auf­ge­nom­men wor­den. Aber abge­se­hen davon, dass Ein­tra­gun­gen nach dem Umwand­lungs­ge­setz (hier: Ver­schmel­zun­gen nach §§ 79 ff. UmwG) nicht in Spal­te 5, son­dern in Spal­te 6 unter Buchtsta­be b vor­zu­neh­men sind (§ 26 Nr. 6 Buchst. cc Gen­RegV), folgt aus dem Wort­laut der Voll­stre­ckungs­klau­seln nicht, dass sie den aktu­el­len Inhalt des Genos­sen­schafts­re­gis­ters voll­stän­dig wie­der­ge­ben. Für den Nach­weis der Rechts­nach­fol­ge muss jedoch der letz­te Stand aller noch nicht gegen­stands­los gewor­de­nen Ein­tra­gun­gen (aktu­el­ler Regis­ter­in­halt, § 25 Satz 2 Gen­RegV) im Zeit­punkt der Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel wie­der­ge­ge­ben wer­den. Das erfor­dert nach Anla­ge 2 zu § 25 Gen­RegV die Wie­der­ga­be der in den Spal­ten 1 bis 7 des Regis­ters ein­ge­tra­ge­nen Anga­ben. Ins­be­son­de­re der Nach­weis der Aktua­li­tät ist bedeut­sam, weil ande­ren­falls nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass zwi­schen der Ein­sicht­nah­me in das Regis­ter und der Klau­seler­tei­lung Ein­tra­gun­gen in das Regis­ter erfolg­ten, wel­che der beschei­nig­ten Rechts­nach­fol­ge ent­ge­gen­ste­hen. Bei der für das in Abtei­lung III Nr. 5 ein­ge­tra­ge­ne Recht erteil­ten Klau­sel beträgt der Zeit­raum zwi­schen Regis­ter­ein­sicht und Klau­seler­tei­lung ca. sie­ben Mona­te. Hin­zu kommt hier, dass den Klau­seln nicht ent­nom­men wer­den kann, wel­che Genos­sen­schaft an der ange­ge­be­nen Regis­ter­stel­le ein­ge­tra­gen ist (vgl. § 26 Nr. 2 Gen­RegV). Auch die Grund­la­gen der Ver­schmel­zung sind nicht aus­rei­chend wie­der­ge­ge­ben. So fehlt in den zu den in Abtei­lung III Nr. 1 und 2 des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­nen Rech­ten erteil­ten Klau­seln jeder Hin­weis dar­auf, wel­che Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen, d.h. die wel­cher Genos­sen­schaf­ten, den Ver­schmel­zungs­be­schluss gefasst haben; in der zu dem in Abtei­lung III Nr. 5 des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­nen Recht erteil­ten Klau­sel heißt es inso­weit wenigs­tens, dass eine Ver­tre­ter­ver­samm­lung 4 die der Volks­bank B. eG war. Ver­wir­rung stif­tet schließ­lich der Umstand, dass die voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung der das in Abtei­lung III Nr. 5 des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­ne Recht betref­fen­den Urkun­de der Volks­bank B. Br. eG mit dem Sitz in Br. und die voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gun­gen der die in Abtei­lung III Nr. 1 und 2 des Grund­buchs ein­ge­tra­ge­nen Rech­te betref­fen­den Urkun­den der Volks­bank B. Br. eG mit dem Sitz in B. erteilt wur­den.

Wegen alle­dem waren die Schuld­ner durch die Zustel­lung der Klau­seln nicht aus­rei­chend über die Grund­la­gen und Vor­aus­set­zun­gen der Zwangs­voll­stre­ckung durch die Betei­lig­te zu 3 unter­rich­tet und in die Lage ver­setzt wor­den, das Vor­lie­gen der Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen zu prü­fen. Nur die Zustel­lung auch eines beglau­big­ten Aus­zugs aus dem Genos­sen­schafts­re­gis­ter, der den aktu­el­len Regis­ter­stand im Zeit­punkt der Klau­seler­tei­lung wie­der­gibt, konn­te die­ses Defi­zit besei­ti­gen 5.

Der Zustel­lungs­man­gel ist nicht geheilt wor­den, was bis zum Abschluss des Beschwer­de­ver­fah­rens mög­lich gewe­sen wäre 6.

Nicht erfor­der­lich war die Zustel­lung auch der Beschlüs­se der Ver­tre­ter­ver­samm­lun­gen und des Ver­schmel­zungs­ver­trags. Zwar genießt das Genos­sen­schafts­re­gis­ter nicht die glei­che umfas­sen­de Publi­zi­tät wie das Han­dels­re­gis­ter nach § 15 HGB, son­dern nur eine auf die Ein­tra­gung des Vor­stands und die Ver­tre­ter­be­fug­nis eines Vor­stands­mit­glieds beschränk­te Publi­zi­tät (§ 29 GenG). Aber die Ein­tra­gung der Ver­schmel­zung in das Genos­sen­schafts­re­gis­ter des Sit­zes der über­neh­men­den Genos­sen­schaft hat die Wir­kung, dass das Ver­mö­gen der über­tra­gen­den Genos­sen­schaft ein­schließ­lich der Ver­bind­lich­kei­ten auf die über­neh­men­de Genos­sen­schaft über­geht und die über­tra­gen­de Genos­sen­schaft erlischt (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 und 2 UmwG); Män­gel der Ver­schmel­zung las­sen die­se Wir­kun­gen unbe­rührt (§ 20 Abs. 2 UmwG). Somit wird der Nach­weis der Rechts­nach­fol­ge auf­grund Ver­schmel­zung durch die Regis­ter­ein­tra­gung aus­rei­chend geführt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Novem­ber 2012 – V ZB 124/​12

  1. BGH, Beschluss vom 25.01.2007 – V ZB 47/​06, NJW 2007, 3357 Rn. 11[]
  2. ver­nei­nend OLG Bran­den­burg – 4 U 81/​06, inso­weit nicht in BauR 2007, 1242, abge­druckt; OLG Jena, InVo 2002, 422, 423[]
  3. vgl. Münch­Komm-ZPO/Heß­ler, 3. Aufl., § 750 Rn. 73; Musielak/​Lackmann, ZPO, 8. Aufl., § 750 Rn. 21; Stein/​Jonas/​Münzberg, ZPO, 22. Aufl., § 750 Rn. 45; Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 750 Rn. 21[]
  4. 10.05.2002[]
  5. eben­so AG Kai­sers­lau­tern, DGVZ 1990, 74, 75 für die Umschrei­bung einer Voll­stre­ckungs­klau­sel auf­grund der Ein­tra­gung der Rechts­nach­fol­ge im Han­dels­re­gis­ter; vgl. auch BGH, Beschluss vom 21.09.2006 – V ZB 76/​06, NJW-RR 2007, 358 Rn. 10 für das Erfor­der­nis der Zustel­lung von Voll­machts­bzw. Geneh­mi­gungs­er­klä­run­gen[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 18.03.2010 – V ZR 124/​09, NJW-RR 2010, 1100 Rn. 18 f.[]