Abzugs­ver­bot für Aus­lands­spen­den

Nach deut­schem Steu­er­recht kön­nen nur Spen­den an im Inland ansäs­si­ge Emp­fän­ger als Son­der­aus­ga­ben (§ 10b EStG) berück­sich­tigt wer­den.

Abzugs­ver­bot für Aus­lands­spen­den

Der im Inland ansäs­si­ge Klä­ger hat­te eine Sach­spen­de (Hand­tü­cher, Bett­wä­sche, etc.) an ein Senio­ren­heim in Por­tu­gal geleis­tet und als Son­der­aus­ga­be gel­tend gemacht. Das Senio­ren­heim war nach por­tu­gie­si­schem Recht als gemein­nüt­zig aner­kannt. Das Finanz­amt hat die Spen­de nicht berück­sich­tigt. Der Klä­ger macht gel­tend, das im deut­schen Recht gel­ten­de Abzugs­ver­bot für Aus­lands­spen­den ver­sto­ße gegen die im EG-Ver­trag gere­gel­te Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit (Art. 56 EG-Ver­trag).

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Ange­le­gen­heit jetzt dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) vor­ge­legt: Selbst wenn Sach­spen­den die Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit (Art. 56 EG-Ver­trag) berühr­ten, sei mit dem Urteil des EuGH in der Rechts­sa­che Cen­tro di Musi­co­lo­gia Wal­ter Stauf­fer noch nicht mit­ent­schie­den, ob die Ver­sa­gung der Steu­er­ver­güns­ti­gung für Aus­lands­spen­den gemein­schafts­wid­rig sei. Denn der EuGH habe aner­kannt, so der BFH,

  • dass die Fra­ge, ob eine aus­län­di­sche Kör­per­schaft als gemein­nüt­zig anzu­er­ken­nen sei, aus­schließ­lich nach natio­na­lem, hier also nach deut­schem Recht zu beur­tei­len sei und
  • dass die Wirk­sam­keit der Steu­er­auf­sicht ein zwin­gen­der Grund des All­ge­mein­in­ter­es­ses sei, der eine Beschrän­kung der vom EG-Ver­trag gewähr­leis­te­ten Grund­frei­hei­ten recht­fer­ti­gen kön­ne.

Es sei, so der BFH wei­ter, bereits frag­lich, ob es den deut­schen Finanz­be­hör­den – selbst unter Inan­spruch­nah­me von Amts­hil­fe – über­haupt mög­lich sei, bei im Aus­land ansäs­si­gen Ein­rich­tun­gen die umfäng­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Aner­ken­nung als gemein­nüt­zig nach deut­schem Recht zu ermit­teln und ins­be­son­de­re zu veri­fi­zie­ren. Wäh­rend im Fall Stauf­fer die im Aus­land ansäs­si­ge Stif­tung im Inland Ein­künf­te erzielt habe und des­we­gen zur Mit­wir­kung bei der Auf­klä­rung des Sach­ver­halts ver­pflich­tet gewe­sen sei, bestün­den zwi­schen den deut­schen Finanz­be­hör­den und einer aus­län­di­schen Spen­den­emp­fän­ge­rin kei­ner­lei Bezie­hun­gen.

Auf jeden Fall hält der BFH es für unver­hält­nis­mä­ßig, allein wegen des Abzugs einer ggf. nied­ri­gen Spen­de als Son­der­aus­ga­be einem Mit­glied­staat die umfang­rei­che Auf­klä­rung der recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se eines aus­län­di­schen Rechts­trä­gers auf­zu­bür­den, zu dem kei­ner­lei Bezie­hun­gen bestün­den. Der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sei auch im Gemein­schafts­recht aner­kannt und bei der Inan­spruch­nah­me von Amts­hil­fe zu berück­sich­ti­gen.

Dem EuGH wer­den fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. Wer­den vom Anwen­dungs­be­reich der Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit (Art. 56 EG) Sach­spen­den des Ange­hö­ri­gen eines Mit­glied­staats in Form von Gegen­stän­den des täg­li­chen Gebrauchs an Ein­rich­tun­gen, die ihren Sitz in einem ande­ren Mit­glied­staat haben und die nach dem Recht ihres Mit­glied­staats als gemein­nüt­zig aner­kannt sind, umfasst?

2. Falls die Fra­ge zu 1. bejaht wird:

Wider­spricht es –unter Berück­sich­ti­gung der Ver­pflich­tung der Finanz­be­hör­de zur Veri­fi­ka­ti­on von Erklä­run­gen des Steu­er­pflich­ti­gen und des Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit (Art. 5 Satz 3 EG)– der Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit (Art. 56 EG), wenn nach dem Recht eines Mit­glied­staats Spen­den an gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tun­gen nur dann steu­er­be­güns­tigt sind, wenn Letz­te­re in die­sem Mit­glied­staat ansäs­sig sind?

3. Falls die Fra­ge zu 2. bejaht wird:

Begrün­det die RL 77/​799/​EWG eine Pflicht der Finanz­be­hör­de eines Mit­glied­staats, zur Auf­klä­rung eines Sach­ver­halts, der in einem ande­ren Mit­glied­staat ver­wirk­licht wur­de, die Hil­fe der Ver­wal­tungs­be­hör­den des ande­ren Mit­glied­staats in Anspruch zu neh­men, oder kann der Steu­er­pflich­ti­ge dar­auf ver­wie­sen wer­den, dass er nach dem Ver­fah­rens­recht sei­nes Mit­glied­staats bei Aus­lands­sach­ver­hal­ten die Fest­stel­lungs­last (objek­ti­ve Beweis­last) trägt?

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Mai 2007 – XI R 56/​05