Verfassungsbeschwerde – und die Entscheidungen in Zivilsachen

Die Gestaltung des Zivilverfahrens, die Auslegung der Vorschriften des materiellen sowie prozessualen Rechts sowie ihre Anwendung auf den einzelnen Fall sind Sache der Fachgerichte und der verfassungsgerichtlichen Nachprüfung entzogen1, soweit nicht ein Verstoß gegen das Willkürverbot des Art. 3 Abs. 1 GG vorliegt oder spezifisches Verfassungsrecht verletzt ist2. Das fachgerichtliche Verfahren und die hierbei erfolgte Rechtsanwendung können vom Bundesverfassungsgericht lediglich darauf überprüft werden, ob Auslegungsfehler vorliegen, die auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung des betroffenen Grundrechts, insbesondere vom Umfang seines Schutzbereichs, beruhen3.

Verfassungsbeschwerde – und die Entscheidungen in Zivilsachen

Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) verpflichtet das Gericht, die Ausführungen der Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen4. Er begründet weder eine Pflicht des Gerichts, dem Vortrag der Beteiligten in materiellrechtlicher Hinsicht die richtige Bedeutung beizumessen5, noch der Rechtsansicht eines Beteiligten zu folgen6.

Ein Verstoß gegen den Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG) in seiner Ausprägung als allgemeines Willkürverbot liegt vor, wenn eine zweifelsfrei fehlerhafte Rechtsanwendung bei verständiger Würdigung der das Grundgesetz beherrschenden Gedanken nicht mehr verständlich ist und sich daher der Schluss aufdrängt, dass sie auf sachfremden Erwägungen beruht7. Eine willkürliche Entscheidung liegt dagegen nicht vor, wenn sich das Gericht mit der Rechtslage eingehend auseinandergesetzt hat und seine Auffassung nicht jedes sachlichen Grundes entbehrt8.

Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 19. Juni 2019 – 2 BvR 2579/17

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.06.2018 – 2 BvR 1405/17, 2 BvR 1780/17, Rn. 69[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 13.08.2013 – 2 BvR 2660/06, 2 BvR 487/07, Rn. 39; stRspr[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 01.08.2014 – 2 BvR 200/14, Rn. 15; Beschluss vom 20.09.2018 – 2 BvR 708/18, Rn. 28[]
  4. vgl. BVerfGE 47, 182, 187; BVerfG, Beschluss vom 29.08.2017 – 2 BvR 863/17, Rn. 15; Beschluss vom 02.07.2018 – 1 BvR 682/12, Rn.19; Beschluss vom 25.09.2018 – 2 BvR 1731/18, Rn. 28; stRspr[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 24.04.2018 – 2 BvR 2435/17, Rn. 16[]
  6. vgl. BVerfGE 64, 1, 12; 87, 1, 33; BVerfG, Beschluss vom 02.07.2018 – 1 BvR 682/12, Rn.19[]
  7. vgl. BVerfGE 62, 189, 192; 81, 132, 137; BVerfG, Beschluss vom 31.03.2016 – 2 BvR 1576/13, Rn. 51[]
  8. vgl. BVerfGE 89, 1, 14; 96, 189, 203; BVerfG, Beschluss vom 31.03.2016 – 2 BvR 1576/13, Rn. 51[]

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