For­de­rungs­an­mel­dung – und der zuvor geschlos­se­ne Ver­gleich

Soweit die Anmel­dung Grund­la­ge der Teil­nah­me am Insol­venz­ver­fah­ren ist, hat der Gläu­bi­ger nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs mit Blick auf die Funk­tio­nen der Anmel­dung im Insol­venz­ver­fah­ren einen Lebens­sach­ver­halt dar­zu­le­gen, der in Ver­bin­dung mit einem nicht not­wen­dig eben­falls vor­zu­tra­gen­den Rechts­satz die gel­tend gemach­te For­de­rung als begrün­det erschei­nen lässt 1.

For­de­rungs­an­mel­dung – und der zuvor geschlos­se­ne Ver­gleich

Ein behaup­te­te Ver­gleich, der den anmel­den­den Gläu­bi­ge­rin­nen einen Zah­lungs­an­spruch zuweist, kann unbe­scha­det der Fra­ge, ob mit dem Ver­gleich eine Nova­ti­on des bestehen­den Schuld­ver­hält­nis­ses beab­sich­tigt war, Anspruchs­grund­la­ge der ange­mel­de­ten For­de­rung sein 2.

Eine Ver­ein­ba­rung, mit der ein im Rah­men einer Ver­trags­be­zie­hung ent­stan­de­ner Streit durch einen Ver­gleich (§ 779 BGB) ganz oder teil­wei­se erle­digt wer­den soll, stellt kei­ne Neben­ab­re­de zu dem schon bestehen­den Ver­trags­ver­hält­nis dar, son­dern tritt als selbst­stän­di­ges Rechts­ver­hält­nis neben die­ses 3. Schon damit ist ein Anspruchs­grund schlüs­sig dar­ge­legt.

Die vom Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt 4 in der Vor­in­stanz geäu­ßer­ten Zwei­fel am Vor­lie­gen der in § 779 BGB genann­ten Vor­aus­set­zung des gegen­sei­ti­gen Nach­ge­bens waren über­dies nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs unbe­grün­det: Gegen­sei­ti­ges Nach­ge­ben im Sin­ne von § 779 BGB liegt schon dann vor, wenn die Par­tei­en, um zur Eini­gung zu gelan­gen, über­haupt Zuge­ständ­nis­se machen. Gerin­ges Nach­ge­ben auch im kleins­ten Streit­punkt reicht inso­weit aus 5. Aus­weis­lich des Teil­ver­gleichs hat­ten aber im vor­lie­gen­den Fall die Par­tei­en hin­sicht­lich eines Teils der zwi­schen ihnen in Streit befind­li­chen For­de­run­gen in Höhe von 1, 6 Mio. DM einen Teil­be­trag in Höhe der zur Gesamt­voll­stre­ckungs­ta­bel­le ange­mel­de­ten For­de­rung unstrei­tig gestellt. Das ist ein aus­rei­chen­des gegen­sei­ti­ges Nach­ge­ben im Sin­ne von § 779 BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Juli 2018 – IX ZR 167/​15

  1. BGH, Urteil vom 09.01.2014 – IX ZR 103/​13, NZI 2014, 127 Rn. 6; Beschluss vom 12.11.2015 – IX ZR 313/​14, NZI 2016, 78 Rn. 3 je mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 07.03.2002 – III ZR 73/​01, NJW 2002, 1503, 1504[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.04.2014 – VIII ZR 404/​12, BGHZ 200, 362 Rn. 62[]
  4. OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 30.06.2015 – 12 U 11/​14[]
  5. BGH, Urteil vom 28.09.2005 – IV ZR 288/​03, NJW-RR 2006, 644, 645[]