Das Aus­schei­den eines Arbeit­ge­bers aus der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der

Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, bei deren Umset­zung und inhalt­li­cher Aus­ge­stal­tung der Sat­zungs­ge­ber eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit hat, setzt eine wirk­sa­me tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­aus. Der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 vom 24. Novem­ber 2011 zum Tarif­ver­trag über die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV) vom 1. März 2002 stellt hin­sicht­lich sei­ner rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2001 in Kraft gesetz­ten Rege­lun­gen zum Gegen­wert für Betei­li­gun­gen, die vor Abschluss die­ses Tarif­ver­tra­ges been­det wur­den, eine unzu­läs­si­ge ech­te Rück­wir­kung dar.

Das Aus­schei­den eines Arbeit­ge­bers aus der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der

Die in § 23 Abs. 2 VBLS gere­gel­te vol­le Berück­sich­ti­gung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts sowie die Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts benach­tei­li­gen den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Die Gegen­wert­re­ge­lung des § 23 Abs. 2 VBLS ist intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.

Mit die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he 1 bestä­tigt, wonach § 23 Abs. 2 der Sat­zung der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBLS), der die Zah­lung eines Gegen­werts für die bei der VBL ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­las­ten bei Been­di­gung einer Betei­li­gung regelt, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unwirk­sam ist.

Der Klä­ger ist Trä­ger­ver­ein einer Kli­nik und gehör­te dem Abrech­nungs­ver­band Ost der VBL seit 1996 an. Er kün­dig­te das Betei­li­gungs­ver­hält­nis zum 31. Dezem­ber 2003. Auf Grund­la­ge des § 23 Abs. 2 VBLS for­der­te die VBL einen Gegen­wert in Höhe von 957.125,77 € für neun Rent­ner und 135 Leis­tungs­an­wär­ter, der vom Klä­ger bezahlt wur­de. Nun­mehr ver­langt er die Rück­zah­lung eines Teil­be­tra­ges von 400.000 €.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit hier­mit befass­te Land­ge­richt Mann­heim 2 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he haben einen Rück­zah­lungs­an­spruch wegen Unwirk­sam­keit der Sat­zungs­be­stim­mung über den Gegen­wert bejaht. Mit ihrer Revi­si­on hat die VBL ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren vor dem Bun­des­ge­richts­hof wei­ter­ver­folgt – ohne Erfolg, der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der VBL zurück­ge­wie­sen.

§ 23 Abs. 2 VBLS unter­liegt der vol­len AGB-recht­li­chen Inhalts­kon­trol­le. Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, die eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit des Sat­zungs­ge­bers bei deren Umset­zung und inhalt­li­cher Aus­ge­stal­tung zur Fol­ge hat, setzt eine wirk­sa­me tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­aus. Die­se liegt hier nicht vor. Der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 zum Tarif­ver­trag über die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes (Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung – ATV) vom 24. Novem­ber 2011 stellt hin­sicht­lich sei­ner rück­wir­kend zum 1. Janu­ar 2001 in Kraft gesetz­ten Rege­lun­gen zum Gegen­wert für Betei­li­gun­gen, die vor Abschluss die­ses Tarif­ver­tra­ges been­det wur­den, eine unzu­läs­si­ge ech­te Rück­wir­kung dar.

Die in § 23 Abs. 2 VBLS vor­ge­se­he­ne vol­le Berück­sich­ti­gung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts benach­tei­ligt den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten unan­ge­mes­sen. Wei­ter­hin liegt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten in der Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts. Fer­ner ist § 23 Abs. 2 VBLS intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.

Aller­dings kann die durch die Unwirk­sam­keit der Gegen­wert­re­ge­lung in § 23 Abs. 2 VBLS ein­ge­tre­te­ne Sat­zungs­lü­cke nach den Grund­sät­zen der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung auch durch eine neue Sat­zungs­re­ge­lung, die den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten nicht unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt, mit Wir­kung für eine bereits been­de­te Betei­li­gung geschlos­sen wer­den.

AGB-Kon­trol­le der VBL-Sat­zung[↑]

Dem aus der VBL aus­schei­den­den öffent­li­chen Arbeit­ge­ber steht damit ein Rück­zah­lungs­an­spruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1, 1. Alt. BGB zu. Die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne Erfül­lung der War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts und die Aus­ge­stal­tung der Gegen­wert­for­de­rung als Ein­mal­zah­lung stellt eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB dar. In Fol­ge der Unwirk­sam­keit der Gegen­wert­re­ge­lung in § 23 Abs. 2 VBLS besteht für die For­de­rung der VBL der­zeit kein Rechts­grund.

§ 23 Abs. 2 VBLS unter­liegt der unein­ge­schränk­ten Inhalts­kon­trol­le des § 307 BGB.

Bei der Zusatz­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes ist zwi­schen dem arbeits­recht­li­chen, durch Tarif­ver­trag gere­gel­ten Grund­ver­hält­nis und dem ver­si­che­rungs­recht­li­chen, durch die Sat­zung der VBL gere­gel­ten Durch­füh­rungs­ver­hält­nis zu unter­schei­den. Die VBL schließt, obwohl sie eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts ist 3, mit den an ihr betei­lig­ten Arbeit­ge­bern gemäß § 2 Abs. 1 VBLS pri­vat­recht­li­che Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge. Bei der Sat­zung der VBL han­delt es sich um pri­vat­recht­li­che All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen in Form All­ge­mei­ner Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen 4. Als sol­che unter­lie­gen sie grund­sätz­lich der rich­ter­li­chen Inhalts­kon­trol­le nach den §§ 307 ff. BGB. Aller­dings sind die­ser Inhalts­kon­trol­le im Hin­blick auf tarif­recht­li­che Beson­der­hei­ten ihrer­seits Schran­ken gesetzt. Die­se Schran­ken grei­fen indes hier nicht ein.

§ 23 VBLS ist eine ori­gi­nä­re Sat­zungs­re­ge­lung ohne tarif­recht­li­chen Ursprung. Es kann daher dahin­ste­hen, ob für Sat­zungs­be­stim­mun­gen, die mit tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen inhalt­lich über­ein­stim­men, der Aus­schluss der Anwen­dung des AGB-Rechts gemäß § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB gilt 5.

Den Tarif­ver­trags­par­tei­en fehlt es nicht an der Tarif­macht zur Rege­lung des Gegen­werts 6. Die Tarif­macht reicht so weit, dass sie die Gestal­tung der Bei­trags­be­zie­hun­gen der Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer zur VBL umfasst 7. Dem ent­spricht es, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en wei­ter­ge­hend auch die finan­zi­el­len Fol­gen des Aus­schei­dens eines Betei­lig­ten regeln kön­nen.

Aller­dings fehlt es – vom jüngs­ten Tarif­ver­trag vom 24.11.2011 abge­se­hen – an tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen zum Gegen­wert.

Die tarif­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen in § 11 des Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 02.12.1966 8, § 1 Nr. 4 Buchst. b des Elf­ten Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges zum Ver­sor­gungs­ta­rif­ver­trag 9 und Punkt 1.4 des Alters­vor­sor­ge­plans 2001 (Anla­ge 5 zum Tarif­ver­trag Alters­ver­sor­gung vom 01.03.2002) beschäf­ti­gen sich allein mit der Umla­ge­fi­nan­zie­rung. Dies stellt weder unmit­tel­bar noch inzi­dent eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung der finan­zi­el­len Fol­gen des Aus­schei­dens eines Betei­lig­ten dar.

Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils eines Tarif­ver­tra­ges folgt den für die Aus­le­gung von Geset­zen gel­ten­den Regeln. Aus­zu­ge­hen ist zunächst vom Wort­laut des Tarif­ver­tra­ges. Zu erfor­schen ist der maß­geb­li­che Sinn der Erklä­rung, ohne am Buch­sta­ben zu haf­ten (§ 133 BGB). Dabei ist der wirk­li­che Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en über den rei­nen Wort­laut hin­aus nur zu berück­sich­ti­gen, soweit er in den tarif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag gefun­den hat. Abzu­stel­len ist fer­ner auf den tarif­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang, weil die­ser Anhalts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Tarif­ver­trags­par­tei­en lie­fern und nur so der Sinn und Zweck der Tarif­norm zutref­fend ermit­telt wer­den kann 10.

In den genann­ten Tarif­ver­trä­gen ist der Wort­laut ein­deu­tig. In ihnen wird allein von der Umla­ge­fi­nan­zie­rung als lau­fen­der Finan­zie­rung aus den Umla­gen gespro­chen. Fol­ge­an­sprü­che der VBL bei Been­di­gung einer Betei­li­gung sind nicht Inhalt der Tarif­ver­trä­ge. Weder aus einem erwei­ter­ten Sinn der Finan­zie­rungs­be­stim­mun­gen über die lau­fen­de Umla­ge noch aus dem tarif­ver­trag­li­chen Gesamt­zu­sam­men­hang ist abzu­lei­ten, dass der finan­zi­el­le Aus­gleich der VBL beim Aus­schei­den eines Betei­lig­ten erfasst wer­den soll­te. Zwar mag die Gegen­wert­for­de­rung ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch not­wen­dig sein. Dies bedeu­tet indes nicht, dass sie durch die Tarif­ver­trags­par­tei­en gere­gelt wer­den muss. Wie hier kann dies genau­so gut durch Sat­zungs­recht ohne tarif­ver­trag­li­chen Hin­ter­grund gesche­hen. Ein etwai­ger ander­wei­ti­ger Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en ist des­halb unbe­acht­lich, weil er in den tarif­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen weder im Wort­laut noch im Gesamt­zu­sam­men­hang einen Nie­der­schlag gefun­den hat. Eine hin­rei­chen­de Norm­klar­heit ist jedoch erfor­der­lich, da die Tarif­ver­trags­par­tei­en Grund­rech­te und ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­sät­ze zu beach­ten haben, zu denen in Fol­ge des Rechts­staats­prin­zips auch gehört, dass tarif­li­che Rege­lun­gen hin­rei­chend bestimmt sein müs­sen 11.

Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ist, so der Bun­des­g­ge­richts­hof, zutref­fend dem Vor­trag der VBL nicht gefolgt, dass § 23 VBLS des­halb einen tarif­recht­li­chen Cha­rak­ter habe, weil sein Text von den Tarif­ver­trags­par­tei­en aus­ge­ar­bei­tet und der VBL zur Sat­zungs­ge­bung durch deren Gre­mi­en über­ant­wor­tet wor­den sei.

Ein Tarif­ver­trag ist ein schrift­li­cher Ver­trag zwi­schen einer Gewerk­schaft und einem oder meh­re­ren Arbeit­ge­bern oder einer Ver­ei­ni­gung von Arbeit­ge­bern, in dem Rechts­nor­men zur Rege­lung von Arbeits- und Wirt­schafts­be­zie­hun­gen fest­ge­setzt und Rech­te und Pflich­ten der Tarif­ver­trags­par­tei­en selbst begrün­det wer­den 12. Es kommt nicht ent­schei­dend dar­auf an, ob die Tarif­ver­trags­par­tei­en den Begriff Tarif­ver­trag ver­wen­det haben. Viel­mehr ist dar­auf abzu­stel­len, ob der Wil­le der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur Norm­set­zung hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck kommt 13. Gemäß § 1 Abs. 2 TVG bedür­fen Tarif­ver­trä­ge der Schrift­form, womit die Anfor­de­run­gen des § 126 BGB zu erfül­len sind 14. Nach § 8 TVG sind die Arbeit­ge­ber ver­pflich­tet, die für ihren Betrieb maß­ge­ben­den Tarif­ver­trä­ge an geeig­ne­ter Stel­le im Betrieb aus­zu­le­gen.

Hier ist bereits ein Wil­le zur Norm­set­zung eines Tarif­ver­tra­ges nicht erkenn­bar. Wäre eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung gewollt gewe­sen, so hät­ten sich die Tarif­ver­trags­par­tei­en nicht dar­auf beschrän­ken dür­fen, einen Ent­wurf für Sat­zungs­re­ge­lun­gen zu ver­fas­sen und dem Sat­zungs­ge­bungs­ver­fah­ren der VBL zu über­las­sen, d.h. eine recht­li­che Wirk­sam­keit allein durch das Sat­zungs­recht der VBL her­bei­zu­füh­ren. Nur mit dem feh­len­den tarif­ver­trag­li­chen Norm­set­zungs­wil­len erklä­ren sich die feh­len­de Schrift­form und die aus­schließ­li­che Zulei­tung an den Ver­wal­tungs­rat der VBL mit dem Ziel, das Sat­zungs­ge­bungs­ver­fah­ren zu durch­lau­fen. Wer ledig­lich Sat­zungs­recht vor­be­rei­tet, will kein eige­nes Tarif­recht schaf­fen. Ande­res ergibt sich ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on nicht etwa aus dem BGH, Urteil vom 06.07.1994 15, das sich auf die Ermitt­lung des gemein­sa­men Wil­lens der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur Beur­tei­lung einer Äqui­va­lenz­stö­rung beschränkt und wei­ter­ge­hen­de Aspek­te des Tarif­ver­trags­rechts – ins­be­son­de­re die Fra­ge, wann von einer tarif­ver­trag­li­chen Rege­lung gespro­chen wer­den kann – nicht zum Gegen­stand hat. Wei­ter­hin ist – wor­auf das Beru­fungs­ge­richt abge­ho­ben hat – das Form­erfor­der­nis des § 1 Abs. 2 TVG nicht gewahrt.

Der Ände­rungs­ver­trag Nr. 6 zum ATV, des­sen Nr. 1 die Zah­lung eines nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen zu bemes­sen­den Gegen­werts und damit die Ein­mal­zah­lung eines Bar­werts fest­schreibt, führt zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Zwar ist die­ser Tarif­ver­trag im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu berück­sich­ti­gen, weil das Revi­si­ons­ge­richt das zur Zeit sei­ner Ent­schei­dung gel­ten­de Recht anzu­wen­den hat 16. Das gilt im arbeits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren 17 genau­so für den nor­ma­ti­ven Teil eines Tarif­ver­tra­ges 18. Im Ver­hält­nis zum Klä­ger ent­fal­tet der Ände­rungs­ver­trag Nr. 6 zum ATV aber kei­ne Rechts­wir­kung. Dabei kann offen­blei­ben, zwi­schen wel­chen Tarif­ver­trags­par­tei­en der Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 geschlos­sen wur­de. Auch das Bestehen eines Gel­tungs­grun­des für den Tarif­ver­trag im Hin­blick auf das Aus­schei­den des Klä­gers zum 31.12.2003 kann dahin­ste­hen. Jeden­falls liegt eine zur Unwirk­sam­keit füh­ren­de ech­te Rück­wir­kung vor.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts tra­gen tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen den imma­nen­ten Vor­be­halt ihrer rück­wir­ken­den Abän­de­rung durch Tarif­ver­trag in sich 19. Aller­dings ist die Gestal­tungs­frei­heit der Tarif­ver­trags­par­tei­en zur rück­wir­ken­den Ände­rung tarif­ver­trag­li­cher Rege­lun­gen durch den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes der Norm­un­ter­wor­fe­nen begrenzt 20. Für die Gren­zen der Rück­wir­kung gel­ten die glei­chen Rege­lun­gen wie nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Rück­wir­kung von Geset­zen 20. Dem­nach ist eine rück­wir­ken­de Rege­lung nur in engen Gren­zen erlaubt. Eine so genann­te ech­te Rück­wir­kung, mit der der Gesetz­ge­ber nach­träg­lich ändernd in abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te ein­greift, ist grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Eine Aus­nah­me gilt unter ande­rem dann, wenn sich kein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en auf den Bestand des gel­ten­den Rechts bil­den konn­te. Hin­ge­gen ist eine unech­te Rück­wir­kung in der Regel zuläs­sig. Sie ist dann gege­ben, wenn eine Vor­schrift auf gegen­wär­ti­ge, noch nicht abge­schlos­se­ne Sach­ver­hal­te und Rechts­be­zie­hun­gen für die Zukunft ein­wirkt und damit die betrof­fe­ne Rechts­po­si­ti­on nach­träg­lich ent­wer­tet oder künf­ti­ge Rechts­fol­gen von Gege­ben­hei­ten aus der Zeit vor Ver­kün­dung der Norm abhän­gig macht 21.

Kenn­zei­chen der ech­ten Rück­wir­kung ist der Ein­griff in einen abge­wi­ckel­ten Tat­be­stand 22. So gilt im Abga­ben­recht ein Tat­be­stand als abge­wi­ckelt, wenn die Abga­ben­schuld bereits nach altem Recht ent­stan­den war 23. Bei gesetz­li­chen Ansprü­chen ist ein Tat­be­stand abge­wi­ckelt, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des bis­her gel­ten­den Anspruchs­tat­be­stands erfüllt waren; dage­gen kommt es auf die Zuer­ken­nung durch einen Bescheid nicht an 24. Mit­hin ist maß­ge­bend auf die Ver­wirk­li­chung der recht­li­chen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen abzu­stel­len.

Bei der Gegen­wert­for­de­rung sind die­se recht­li­chen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen mit der Been­di­gung der Betei­li­gung erfüllt. Sys­te­ma­tisch fin­det sich die Gegen­wert­for­de­rung in § 23 VBLS, der mit der Über­schrift "Aus­schei­den eines Betei­lig­ten" ver­se­hen ist. Ein Betei­lig­ter "schei­det aus der Betei­li­gung aus", wenn sie – wie z.B. nach einer Kün­di­gung gemäß § 22 VBLS – endet 25. Eige­ne Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen für das Ent­ste­hen der Gegen­wert­for­de­rung nennt § 23 Abs. 2 VBLS nicht; die­se Bestim­mung regelt nur die Berech­nungs­wei­se sowie das Pro­ze­de­re der Ermitt­lung der Höhe der Gegen­wert­for­de­rung. Hier­aus lässt sich ablei­ten, dass die Zah­lung des Gegen­werts sat­zungs­mä­ßi­ge Fol­ge der Been­di­gung der Betei­li­gung ist. Hier­für spricht wei­ter­hin § 23 Abs. 2 Satz 8 VBLS, wonach die Gegen­wert­for­de­rung für den Zeit­raum "vom Tag des Aus­schei­dens aus der Betei­li­gung bis zum Ende des Fol­ge­mo­nats nach Erstel­lung des ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Gut­ach­tens" zu ver­zin­sen ist. Dies setzt vor­aus, dass die Gegen­wert­for­de­rung vor ihrer Bezif­fe­rung bereits ent­stan­den ist. Durch das anschlie­ßen­de ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Gut­ach­ten wird ledig­lich die Höhe der For­de­rung bestimmt. § 23 Abs. 4 Satz 1 VBLS regelt die Fäl­lig­keit, wonach der Gegen­wert inner­halb eines Monats nach Zugang der Mit­tei­lung über die Höhe des Gegen­werts zu zah­len ist. Folg­lich liegt ein abge­schlos­se­ner Sach­ver­halt vor, wes­halb die im Ände­rungs­ta­rif­ver­trag Nr. 6 zum ATV bestimm­te rück­wir­ken­de Inkraft­set­zung der dor­ti­gen Gegen­wert­re­ge­lun­gen zum 1.01.2001 eine ech­te Rück­wir­kung dar­stellt. Aus­nah­men vom Grund­satz der Unzu­läs­sig­keit ech­ter Rück­wir­kung etwa dass der Betrof­fe­ne mit einer Neu­re­ge­lung rech­nen muss­te, die gel­ten­de Rechts­la­ge unklar und ver­wor­ren war oder zwin­gen­de Belan­ge des Gemein­wohls wie die Ver­hin­de­rung von Mit­nah­me­ef­fek­ten eine ech­te Rück­wir­kung gebie­ten 26 sind nicht ersicht­lich.

Eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en mit der Fol­ge, dass dem Sat­zungs­ge­ber bei deren Umset­zung und inhalt­li­chen Aus­ge­stal­tung eine weit­ge­hen­de Gestal­tungs­frei­heit zusteht 27, ist nicht gege­ben.

In sei­ner älte­ren Recht­spre­chung zum Gesamt­ver­sor­gungs­prin­zip hat der Bun­des­ge­richts­hof ganz all­ge­mein als Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en ange­se­hen, in wel­chem Maß die Ver­sor­gung der Arbei­ter und Ange­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes an die Ver­sor­gung der Beam­ten ange­gli­chen wer­den soll 28. Wei­ter­hin wur­de auf das Gewicht der Rege­lung für die Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung abge­stellt 29. Hier klingt an, dass es sich bei einer Grund­ent­schei­dung um die Rege­lung prin­zi­pi­el­ler Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung han­deln muss. In der jün­ge­ren Recht­spre­chung fand bei der Fra­ge, ob eine Grund­ent­schei­dung gege­ben ist, stets Berück­sich­ti­gung, ob eine tarif­ver­trag­li­che Rege­lung vor­liegt 30.

In Fort­füh­rung die­ser Recht­spre­chung ist not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für eine Grund­ent­schei­dung der Tarif­ver­trags­par­tei­en, dass die Tarif­ver­trags­par­tei­en als sol­che und damit im Wege eines Tarif­ver­tra­ges han­deln. Zudem kann von einer Grund­ent­schei­dung als Rege­lung prin­zi­pi­el­ler Belan­ge der Zusatz­ver­sor­gung kei­ne Rede sein, wenn die Tarif­ver­trags­par­tei­en eine Rege­lung durch Tarif­ver­trag nicht für not­wen­dig erach­tet haben. Kei­ne Grund­ent­schei­dun­gen der Tarif­ver­trags­par­tei­en ent­hal­ten mit­hin sol­che Rege­lun­gen, die ledig­lich in von den Tarif­ver­trags­par­tei­en ent­wor­fe­nen Sat­zungs­ent­wür­fen ent­hal­ten sind und der VBL zur eigen­stän­di­gen Sat­zungs­ge­bung über­ant­wor­tet wur­den.

Damit wird nicht in die durch Art. 9 Abs. 3 GG geschütz­te Tarif­au­to­no­mie ein­ge­grif­fen.

Es kann dahin­ste­hen, ob – wie dies das Beru­fungs­ge­richt annimmt – bereits der Schutz­be­reich des Art. 9 Abs. 3 GG nicht betrof­fen ist, da nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 31 die grund­ge­setz­lich geschütz­te Tarif­au­to­no­mie als Aus­han­deln und Abschlie­ßen von Tarif­ver­trä­gen ver­stan­den wird 32 und hier­bei Wesens­merk­mal die unmit­tel­ba­re und zwin­gen­de Wir­kung der tarif­ver­trag­li­chen Rege­lung ist 33. Selbst bei einem wei­te­ren Ver­ständ­nis des Schutz­be­reichs wür­de nicht in die grund­recht­lich geschütz­te Koali­ti­ons­frei­heit ein­ge­grif­fen. Denn die Tarif­au­to­no­mie wird durch den Gesetz­ge­ber aus­ge­stal­tet, der dabei einen erheb­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum hat 34. Das Erfor­der­nis des Norm­set­zungs­wil­lens der Tarif­ver­trags­par­tei­en und das Schrift­form­erfor­der­nis des § 1 Abs. 2 TVG regeln inso­weit nur das "Wie" der Betä­ti­gung der Koali­ti­ons­frei­heit und gestal­ten die Tarif­au­to­no­mie ledig­lich aus.

Eine AGB­Kon­trol­le ent­fällt ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on auch nicht unter dem Gesichts­punkt einer Preis­klau­sel.

Da es den Ver­trags­part­nern über­las­sen ist, Leis­tung und Gegen­leis­tung im Ver­trag frei zu bestim­men, unter­lie­gen blo­ße Abre­den über den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand der Haupt­leis­tung und Ver­ein­ba­run­gen über das vom ande­ren Teil zu erbrin­gen­de Ent­gelt nicht der Inhalts­kon­trol­le 35. So ist in der Lebens­ver­si­che­rung das Haupt­leis­tungs­ver­spre­chen des Ver­si­che­rers dar­in zu sehen, dass in den Tarif­be­din­gun­gen neben dem vom Ver­si­che­rungs­neh­mer monat­lich zu zah­len­den Bei­trag die jewei­li­ge Ver­si­che­rungs­sum­me genannt wird 36. Rege­lun­gen für den Fall einer Ver­trags­kün­di­gung stel­len nur Modi­fi­zie­run­gen des Haupt­leis­tungs­ver­spre­chens dar 36. Auf die­ser Linie sind die von der VBL gewähr­ten Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen als Haupt­leis­tung und die hier­für ver­lang­te lau­fen­de Umla­ge als kor­re­spon­die­ren­des Ent­gelt auf­zu­fas­sen. Hin­ge­gen ent­steht die Gegen­wert­for­de­rung erst auf Grund der Kün­di­gung eines Betei­lig­ten als spä­te­res Ereig­nis und liegt außer­halb der nor­ma­len Ver­trags­ab­wick­lung 37. Dage­gen spricht nicht das BGH, Urteil vom 07.05.1997 38, in dem der Bun­des­ge­richts­hof zu den Rechts­fol­gen eines Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge aus­ge­führt hat, dass Anpas­sun­gen des Ver­trags­in­halts der VBL nicht fremd sind, und hier­bei den Gegen­wert bei­spiel­haft genannt hat. Dass die Gegen­wert­for­de­rung die Gegen­leis­tung des Ver­si­che­rungs­neh­mers für den Ver­si­che­rungs­schutz sein soll, wird damit – anders als die Revi­si­on meint – nicht zum Aus­druck gebracht. Eben­so ist die Fra­ge der Kon­troll­frei­heit einer Klau­sel nicht Gegen­stand jener Ent­schei­dung.

Gleich­stel­lung von Arbeit­neh­mers mit und ohne War­te­zeit[↑]

Zu Recht hat das Beru­fungs­ge­richt die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne Erfül­lung der War­te­zeit bei der Berech­nung des Gegen­werts als eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB betrach­tet.

Ent­ge­gen der Ansicht des Klä­gers fal­len Ver­si­cher­te vor Erfül­lung der War­te­zeit nicht schon bereits nach dem Wort­laut des § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS aus der Berech­nung des Gegen­werts her­aus.

Der Betei­lig­te, der die VBL ver­lässt, hat zur Deckung der aus dem Anstalts­ver­mö­gen nach dem Aus­schei­den zu erfül­len­den Ver­pflich­tun­gen einen Gegen­wert zu zah­len, der gemäß § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS die Ver­sor­gungs­punk­te von Anwart­schafts­be­rech­tig­ten umfasst. Eine Vor­aus­set­zung für die Ent­ste­hung des Leis­tungs­an­spruchs ist die Erfül­lung der War­te­zeit von 60 Mona­ten gemäß § 34 Abs. 1 Satz 1 VBLS. Hier­bei han­delt es sich um eine Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit bei der VBL, die für die Anspruchs­ent­ste­hung zurück­ge­legt sein muss 39. Gemäß § 34 Abs. 1 Satz 2 VBLS wer­den nur sol­che Kalen­der­mo­na­te berück­sich­tigt, in denen der Betei­lig­te Umla­gen und Sanie­rungs­gel­der bezahlt. Dies bedeu­tet, dass die bei­trags­freie Ver­si­che­rung nach Been­di­gung der Betei­li­gung nicht bei der War­te­zeit zählt.

Der bei der Aus­le­gung maß­geb­li­che durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer 40 ori­en­tiert sich bei sei­nem Ver­ständ­nis nicht an der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur VBLS a.F. 41, son­dern am Wort­laut der Sat­zung. Da die VBLS den Begriff des Anwart­schafts­be­rech­tig­ten nicht defi­niert, ver­an­lasst § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS, wonach durch den Gegen­wert Ver­sor­gungs­punk­te von Anwart­schafts­be­rech­tig­ten aus­zu­glei­chen sind, den durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer, nach einer Erläu­te­rung der Ver­sor­gungs­punk­te zu suchen. Gemäß § 36 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a)) VBLS erge­ben sich Ver­sor­gungs­punk­te u.a. für das zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­ge Ent­gelt, das nach § 64 Abs. 4 VBLS grund­sätz­lich der Arbeits­lohn ist. Da der Arbeit­neh­mer von Beginn sei­ner Beschäf­ti­gung an zu ent­loh­nen ist und mit Anmel­dung des Beschäf­tig­ten zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­ges Ent­gelt vor­liegt, fal­len ab Beginn der Ver­si­che­rung Ver­sor­gungs­punk­te an. Daher wird der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer davon aus­ge­hen, dass die durch den Gegen­wert aus­zu­glei­chen­den Ver­sor­gungs­punk­te auch zu die­sem Zeit­punkt begin­nen. Er hat kei­nen Anhalts­punkt dafür, dass durch den Begriff des "Anwart­schafts­be­rech­tig­ten" die Aus­gleichs­pflicht fünf Jah­re bis zum Ablauf der War­te­frist ver­scho­ben wer­den soll. Die wei­te­ren Rege­lun­gen in § 36 VBLS bestär­ken ihn viel­mehr dar­in, dass die Ver­sor­gungs­punk­te von Ver­si­che­rungs­be­ginn an aus­zu­glei­chen sind. § 36 Abs. 2 VBLS erklärt die Berech­nung der Ver­sor­gungs­punk­te. Hier­nach ergibt sich die Anzahl der Ver­sor­gungs­punk­te für ein Kalen­der­jahr aus dem Ver­hält­nis eines Zwölf­tels des zusatz­ver­sor­gungs­pflich­ti­gen Jah­res­ent­gelts zum Refe­renz­ge­halt von 1000 Euro mul­ti­pli­ziert mit dem Alters­fak­tor. § 36 Abs. 3 VBLS erklärt den Alters­fak­tor als jähr­li­che Ver­zin­sung von 3,25 v.H. wäh­rend der Anwart­schafts­pha­se und von 5,25 v.H. wäh­rend des Ren­ten­be­zugs.

Dem durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer ist mit­hin klar, dass die Anwart­schafts­pha­se der Zeit­raum der Ver­si­che­rung vor dem Ren­ten­be­zug ist. Ein­schrän­kun­gen in Bezug auf die War­te­zeit fin­den sich nicht. § 36 Abs. 3 VBLS erläu­tert wei­ter­hin, dass sich der Alters­fak­tor nach der abge­druck­ten Tabel­le rich­tet, wobei als Alter die Dif­fe­renz zwi­schen dem jewei­li­gen Kalen­der­jahr und dem Geburts­jahr gilt. Die Tabel­le beginnt mit dem Alter 17 und dem Alters­fak­tor 3,1 und endet mit dem Alter 64 und älter mit einem Alters­fak­tor von 0,8. Dem durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer erschließt sich nun­mehr, dass die Anwart­schafts­pha­se mit dem Beginn der Ver­si­che­rung anfan­gen muss. Wür­de die Anwart­schafts­pha­se erst nach einer War­te­zeit von fünf Jah­ren begin­nen, so beträ­fe die Tabel­le mit dem Alter 17 einen Ver­si­cher­ten, der bereits mit zwölf Jah­ren im öffent­li­chen Dienst beschäf­tigt wor­den wäre, was offen­sicht­lich unmög­lich ist.

Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB ist eine for­mu­lar­mä­ßi­ge Ver­trags­be­stim­mung unwirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Letz­te­res ist der Fall, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich eige­ne Inter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, ohne von vorn­her­ein auch des­sen Belan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm einen ange­mes­se­nen Aus­gleich zuzu­ge­ste­hen 42. Die Anwen­dung die­ses Maß­stabs setzt eine Ermitt­lung und Abwä­gung der wech­sel­sei­ti­gen Inter­es­sen vor­aus 43.

Dabei sind die Grund­zü­ge der Finan­zie­rung der VBL zu beach­ten.

Die VBL prak­ti­zier­te im Abrech­nungs­ver­band Ost bis zum Aus­schei­den des Klä­gers ein Umla­ge­ver­fah­ren, bei dem – von einer Schwan­kungs­re­ser­ve abge­se­hen – die Bil­dung eines Kapi­tal­stocks nicht vor­ge­se­hen war. Im Umla­ge­ver­fah­ren wer­den die gezahl­ten Mit­tel unmit­tel­bar für die Finan­zie­rung der lau­fen­den Leis­tun­gen ein­ge­setzt 44. Für das Umla­ge­ver­fah­ren ist es unab­ding­bar, dass stets aus­rei­chend gro­ße und pro­duk­ti­ve Erwerbs­tä­ti­gen­ge­nera­tio­nen nach­wach­sen 45.

Die nach § 22 VBLS mög­li­che Kün­di­gung der Betei­li­gung berührt die Finan­zie­rung der VBL, da der aus­schei­den­de Arbeit­ge­ber mit Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung nicht mehr zur Anmel­dung sei­ner Arbeit­neh­mer ver­pflich­tet ist sowie kei­ne Umla­ge und kein Sanie­rungs­geld mehr bezah­len muss. Damit ist die Finan­zie­rungs­ba­sis geschmä­lert. Gleich­zei­tig erlö­schen jedoch die Ansprü­che der Beschäf­tig­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten nicht. Mit der Been­di­gung der Betei­li­gung enden zwar die Pflicht­ver­si­che­run­gen, zugleich ent­ste­hen jedoch bei­trags­freie Ver­si­che­run­gen 46. Sobald der Ver­si­che­rungs­fall ein­tritt, hat der Beschäf­tig­te mit erfüll­ter War­te­zeit einen Anspruch gegen die VBL auf die Betriebs­ren­te für die Jah­re der Pflicht­ver­si­che­rung bis zur Kün­di­gung der Betei­li­gung. Bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls muss die VBL also für einen Beschäf­tig­ten leis­ten, für den wäh­rend der Betei­li­gung des Arbeits­ge­bers kein Kapi­tal­stock gebil­det wur­de und des­sen Arbeit­ge­ber sich nicht mehr mit Umla­gen an der Finan­zie­rung betei­ligt. Für den Gegen­wert die­ser finan­zi­el­len Las­ten bedarf es des finan­zi­el­len Aus­gleichs durch den aus­schei­den­den Betei­lig­ten.

Die Gleich­stel­lung von Ver­si­cher­ten mit und ohne erfüll­te War­te­zeit benach­tei­ligt den aus­ge­schie­de­nen Betei­li­gen unan­ge­mes­sen, weil dem von ihm gefor­der­ten finan­zi­el­len Aus­gleich kei­ne Belas­tung der VBL glei­chen Umfangs zu Grun­de liegt.

Die von § 23 Abs. 2 VBLS erfass­ten Ver­si­cher­ten ohne Erfül­lung der War­te­zeit kön­nen nur dann bei Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls Leis­tun­gen gel­tend machen, wenn sie nach dem Aus­schei­den des Betei­lig­ten bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber, der Betei­lig­ter der VBL ist oder eine Über­lei­tung vor­nimmt (vgl. § 31 VBLS), ihre War­te­zei­ten auf­fül­len konn­ten. Dafür müss­te die bis­he­ri­ge Beschäf­ti­gung beim aus­schei­den­den Betei­lig­ten been­det wer­den und ein neu­es Arbeits­ver­hält­nis bei einem ande­ren Arbeit­ge­ber auf­ge­nom­men wer­den. In wel­chem Umfang dies tat­säch­lich der Fall ist und mit wel­cher Wahr­schein­lich­keit daher von die­sem Per­so­nen­kreis jemals Ansprü­che gegen die VBL gel­tend gemacht wer­den, ist weder dar­ge­legt noch ersicht­lich. Den­noch muss der Aus­schei­den­de gemäß § 23 Abs. 2 VBLS beim Gegen­wert einen vol­len finan­zi­el­len Aus­gleich für die­se Ver­si­cher­ten leis­ten.

Für Klau­seln, für deren Rege­lungs­ge­gen­stand es wie hier am Maß­stab einer gesetz­li­chen Rege­lung fehlt, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 307 Abs. 1 BGB eröff­net 47. Bei der hier­nach anzu­stel­len­den Inter­es­sen­ab­wä­gung ist auf Sei­ten der VBL zu berück­sich­ti­gen, dass sie einen Aus­gleich für die finan­zi­el­len Las­ten ver­lan­gen kön­nen muss, die ihr durch die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten ent­ste­hen, der kei­ne Umla­gen mehr zahlt. Auf Sei­ten des aus­schei­den­den Betei­lig­ten besteht ein legi­ti­mes Inter­es­se, die Zah­lun­gen an die VBL auf das not­wen­di­ge Maß zu begren­zen. Die Umla­gen­ge­mein­schaft hat nur ein recht­lich geschütz­tes Inter­es­se am Schutz vor Belas­tun­gen, denen sie auch tat­säch­lich aus­ge­setzt ist 48. Die­ses Maß wird hier über­schrit­ten, was zu einer unan­ge­mes­se­nen Benach­tei­li­gung des aus­schei­den­den Betei­lig­ten führt.

Die Gegen­ar­gu­men­te der Revi­si­on ver­mö­gen nicht zu über­zeu­gen:

Ihr Ein­wand, das Beru­fungs­ge­richt habe ver­kannt, dass gegen­über Unter­neh­men der Kon­troll­maß­stab des § 307 BGB groß­zü­gi­ger sei, greift nicht durch. Der bei der Abwä­gung maß­geb­li­che Ver­trags­part­ner bei Geschäf­ten die­ser Art 49 ist ein Arbeit­ge­ber des öffent­li­chen Diens­tes. Es ist nicht ersicht­lich, war­um ein öffent­li­cher Arbeit­ge­ber mehr als die durch sei­ne Beschäf­tig­ten tat­säch­lich hin­ter­las­se­nen finan­zi­el­len Ren­ten­las­ten aus­glei­chen soll und es ihm daher zuzu­mu­ten wäre, den vol­len Gegen­wert für Ver­si­cher­te vor Erfül­lung der War­te­zeit ent­rich­ten zu müs­sen.

Anders als die Revi­si­on meint, ist für die Abwä­gung nicht ent­schei­dend, dass die VBL für sich eine im Han­dels­ver­kehr gel­ten­de Gewohn­heit bean­sprucht. Zwar kann die Bran­chen­üb­lich­keit einer Rege­lung ein Indiz für die Ange­mes­sen­heit sein 50. Allein aus der Üblich­keit las­sen sich aber kei­ne Aus­sa­gen über die Ein­hal­tung nor­ma­ti­ver Vor­ga­ben und die Aner­ken­nung durch die betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ablei­ten 51. Mit­hin wird die Unan­ge­mes­sen­heit einer Rege­lung nicht dadurch in Fra­ge gestellt, dass ent­spre­chen­de Klau­seln weit­hin üblich 52 oder über lan­ge Zeit unbe­an­stan­det geblie­ben sind 53. An einer Ver­kehrs­sit­te fehlt es des­halb, weil kei­ne Anhalts­punk­te bestehen, dass der frag­li­che Rege­lungs­ge­halt der Klau­sel von den betei­lig­ten Ver­kehrs­grup­pen gene­rell als maß­geb­lich und ange­mes­sen erach­tet wird 54.

Die Ein­be­zie­hung von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit stellt kei­nen unter­ge­ord­ne­ten Teil des Gegen­werts dar. Es ist nicht ersicht­lich, dass die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten nach dem Aus­schei­den des Betei­lig­ten über einen ande­ren Arbeit­ge­ber ihre War­te­zeit bei der VBL in einem Aus­maß auf­fül­len, das die vol­le Berück­sich­ti­gung die­ses Per­so­nen­krei­ses bei der Gegen­wert­for­de­rung recht­fer­ti­gen könn­te. Gegen den von der Revi­si­on ver­mit­tel­ten Ein­druck, dass die Auf­fül­lung der War­te­zeit und der Wech­sel der Beschäf­ti­gung der Nor­mal­fall sei, spricht wei­ter­hin, dass dem Arbeit­neh­mer auch nach Kün­di­gung der Betei­li­gung bei der VBL ein tarif­ver­trag­lich oder im Arbeits­ver­trag zuge­sag­ter Anspruch auf Zusatz­ver­sor­gung erhal­ten bleibt, sein Ver­sor­gungs­Ver­schaf­fungs­an­spruch gegen­über dem Arbeit­ge­ber also wei­ter­hin besteht 55. Mit einem Anteil von gut 16% an der gefor­der­ten Gegen­wert­sum­me liegt hier über­dies quan­ti­ta­tiv eine beacht­li­che Grö­ßen­ord­nung vor.

Die Mög­lich­keit der Erstat­tung geleis­te­ter Bei­trä­ge an die Ver­si­cher­ten gemäß § 44 Abs. 1 Satz 1 VBLS spricht nicht gegen die Unan­ge­mes­sen­heit der ange­grif­fe­nen Bestim­mung. Nach § 44 Abs. 1 Satz 1 VBLS kön­nen die bei­trags­frei Ver­si­cher­ten, die die War­te­zeit nicht erfüllt haben, bis zur Voll­endung ihres 67. Lebens­jah­res die Erstat­tung der von ihnen geleis­te­ten Bei­trä­ge ver­lan­gen. Gemäß § 44 Abs. 3 VBLS wer­den nur die von den Beschäf­tig­ten ent­rich­te­ten Eigen­an­tei­le aus­ge­zahlt. Es ist für den Bun­des­ge­richts­hof nicht ersicht­lich, was aus die­ser Rege­lung für die Ange­mes­sen­heit der Gegen­wert­for­de­rung fol­gern soll. Das Grund­pro­blem, dass der Arbeit­ge­ber poten­ti­ell nicht zu einem Leis­tungs­an­spruch füh­ren­de Ren­ten­an­wart­schaf­ten voll aus­fi­nan­zie­ren muss, wird nicht dadurch besei­tigt, dass den betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten deren Eigen­an­tei­le aus­ge­zahlt wer­den.

Nicht rele­vant ist die Pra­xis, dass die VBL unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen die For­de­rung ermä­ßigt. Eine wegen ihres Inhalts unwirk­sa­me Bestim­mung wird nicht dadurch wirk­sam, dass der Berech­tig­te davon nicht in vol­lem Umfang Gebrauch macht 56.

Der For­mu­lie­rung in § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS, wonach der Gegen­wert nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen zu berech­nen ist, ist nicht zu ent­neh­men, dass damit eine bloß antei­li­ge Berück­sich­ti­gung der Ver­sor­gungs­punk­te von Ver­si­cher­ten ohne erfüll­te War­te­zeit gemeint sein soll. Der durch­schnitt­li­che, an der VBL betei­lig­te Arbeit­ge­ber und Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­steht § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS so, dass der Gegen­wert für sämt­li­che Ver­sor­gungs­punk­te zu leis­ten ist. § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS ver­an­lasst den durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer zu kei­ner ande­ren Sicht­wei­se, da er selbst als öffent­li­cher Arbeit­ge­ber kei­ne ver­si­che­rungs­recht­li­chen Spe­zi­al­kennt­nis­se besitzt. Gegen die im Revi­si­ons­ver­fah­ren vor­ge­brach­te Sicht­wei­se der VBL spricht im Übri­gen die Selbst­aus­le­gung der Norm durch ihre bis­he­ri­ge Berech­nung der Gegen­wert­for­de­rung gegen­über dem Klä­ger, bei der gera­de kei­ne antei­li­ge Berück­sich­ti­gung vor­ge­nom­men wur­de.

Ob sich § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b) VBLS – wie die Revi­si­on meint – als teil­ba­re Klau­sel ver­ste­hen lässt 57, kann dahin­ste­hen, da § 23 Abs. 2 VBLS eine wei­te­re unwirk­sa­me Rege­lung ent­hält, die die der­zei­ti­ge Gegen­wert­re­ge­lung ins­ge­samt gegen­stands­los macht.

Aus­gleich beim Aus­schei­den eines öffent­li­chen Arbeit­ge­bers[↑]

Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­schei­den­den Betei­lig­ten ist dar­in zu sehen, dass die­ser den zu leis­ten­den Aus­gleich durch die Zah­lung des Bar­werts der bei der VBL ver­blei­ben­den Ver­sor­gungs­last zu erbrin­gen hat.

Für den aus­schei­den­den Betei­lig­ten sind mit der der­zei­ti­gen Rege­lung erheb­li­che Nach­tei­le ver­bun­den:

Dabei ist auf die weit­rei­chen­den finan­zi­el­len Belas­tun­gen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten abzu­he­ben.

Nach der Sat­zung der VBL ist der Gegen­wert als Ein­mal­zah­lung zu ent­rich­ten. Dies bedeu­tet, dass der aus­schei­den­de Betei­lig­te die Ver­sor­gungs­las­ten der künf­ti­gen Jahr­zehn­te, die von sei­nen Beschäf­tig­ten her­rüh­ren, auf ein­mal zu leis­ten hat. Dabei han­delt es sich gemäß § 23 Abs. 2 Sät­ze 2 bis 7 VBLS um einen – in der Sat­zung durch zahl­rei­che Kor­rek­tur­fak­to­ren ergänz­ten – Bar­wert 58 der der­zei­ti­gen und künf­ti­gen Leis­tun­gen der VBL. Dies stellt die kom­plet­te Erset­zung der Umla­ge­fi­nan­zie­rung durch eine Kapi­tal­de­ckung zu einem Stich­tag dar. In der Dis­kus­si­on um die Finan­zie­rung der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wird ein Über­gang von der Umla­ge- zur Kapi­tal­de­ckung wegen der hohen Kos­ten und der Dop­pel­be­las­tung der Erwerbs­tä­ti­gen abge­lehnt 59. Eben­so wer­den bei der Finan­zie­rung der Alters­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes die hohen Über­gangs­kos­ten gegen einen Über­gang vom glei­ten­den Abschnitts­de­ckungs­ver­fah­ren zur voll­stän­di­gen Kapi­tal­de­ckung ein­ge­wandt 60. Schließ­lich ist die im Abrech­nungs­ver­band Ost ab dem 1.01.2004 vor­ge­nom­me­ne Ablö­sung der Umla­ge­fi­nan­zie­rung durch ein Kapi­tal­de­ckungs­ver­fah­ren aus gutem Grund nur schritt­wei­se und nicht zu einem Stich­tag vor­ge­se­hen. Struk­tu­rell steht der aus­schei­den­de Betei­lig­te vor ähn­li­chen Pro­ble­men: Die bestehen­den Anwart­schaf­ten und Ren­ten muss er kom­plett aus­fi­nan­zie­ren, d.h. auf ein­mal eine Kapi­tal­de­ckung schaf­fen. Gleich­zei­tig muss er wegen des Ver­sor­gungs­Ver­schaf­fungs­an­spruchs sei­ner Arbeit­neh­mer die­sen auch nach Been­di­gung der Betei­li­gung bei der VBL eine lau­fen­de Zusatz­ver­sor­gung gewähr­leis­ten. Mit der punk­tu­el­len Umstel­lung von einer Umla­ge­fi­nan­zie­rung zur voll­stän­di­gen Kapi­tal­de­ckung ver­langt die VBL dem aus­schei­den­den Betei­lig­ten mehr ab, als die betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung der VBL selbst leis­ten kön­nen muss.

Die­se Situa­ti­on trifft den aus­schei­den­den Betei­lig­ten umso här­ter, als sei­ne bis­he­ri­gen Auf­wen­dun­gen für die Zusatz­ver­sor­gung in Gestalt der Umla­ge durch Aus­keh­rung an die Leis­tungs­emp­fän­ger und feh­len­de Anrech­nung auf den Gegen­wert ver­lo­ren sind. Wei­ter­hin sind wegen der lau­fen­den Umla­ge­zah­lun­gen in der Regel kei­ne Rück­la­gen für die Erfül­lung der Gegen­wert­for­de­rung gebil­det wor­den. Daher ist es für den Aus­schei­den­den von gra­vie­ren­dem Nach­teil, dass die finan­zi­el­len Las­ten der Zusatz­ver­sor­gung für vie­le Jahr­zehn­te im Vor­aus auf ein­mal fäl­lig gestellt wer­den.

Die Ein­mal­zah­lung bedingt wei­ter­hin, dass alle der­zei­ti­gen und künf­ti­gen Leis­tun­gen der VBL in den kom­men­den Jah­ren in eine kon­kre­te Sum­me umge­rech­net wer­den müs­sen.

Die Bewer­tung von Zah­lun­gen der VBL, die unter Umstän­den erst in Jahr­zehn­ten zu erbrin­gen sind, birgt erheb­li­che Pro­gno­se­ri­si­ken (Lebens­er­war­tung, Zins­ent­wick­lung, etc.). Zwar gibt es für den Aus­schei­den­den kei­ne Nach­schuss­pflicht bei zu nied­ri­ger Kal­ku­la­ti­on und kei­ne Rück­erstat­tung bei zu hoher Kal­ku­la­ti­on. Das Risi­ko, dass sich die Pro­gno­sen als unzu­tref­fend erwei­sen, wird daher sowohl vom Aus­schei­den­den als auch von der VBL gemein­sam getra­gen, wobei aller­dings die VBL das Risi­ko einer zukünf­ti­gen Unter­de­ckung durch Sicher­heits­zu­schlä­ge wie etwa die Fehl­be­trags­ab­ga­be von 10 v.H. der Gegen­wert­for­de­rung gemäß § 23 Abs. 2 Satz 3 VBLS oder durch Anpas­sung der Rech­nungs­grund­la­gen zu ver­min­dern ver­sucht. Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung ergibt sich aber bereits dar­aus, dass man den aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten einem der­art gra­vie­ren­den Pro­gno­se­ri­si­ko aus­setzt, obwohl dies nicht zwin­gend not­wen­dig ist, da es Mög­lich­kei­ten zur Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts gibt, die die­ses Risi­ko nicht auf­wei­sen. Zu nen­nen ist etwa die so genann­te Erstat­tungs­lö­sung, bei der der Aus­schei­den­de die Ren­ten für sei­ne Arbeit­neh­mer zum jewei­li­gen Fäl­lig­keits­zeit­punkt erstat­tet 61, d.h. nicht heu­te künf­ti­ge Ren­ten mit einem pro­gnos­ti­zier­ten Bar­wert zahlt, son­dern künf­tig das aus­gleicht, was die VBL jeweils bei Fäl­lig­keit an sei­ne (ehe­ma­li­gen) Beschäf­tig­ten leis­tet.

Auf Sei­ten der VBL sind fol­gen­de Inter­es­sen maß­ge­bend:

Die Ein­mal­zah­lung nach gegen­wär­ti­ger Sat­zungs­la­ge erlaubt es den Par­tei­en, sich schnell von­ein­an­der zu tren­nen. So betont die VBL ihr Inter­es­se an einem "schnel­len Schnitt" und einer zügi­gen Ver­trags­ab­wick­lung. Dabei berück­sich­tigt sie nicht, dass der Begriff der zügi­gen Ver­trags­ab­wick­lung etwa im Waren­ver­kehr, wo die schnel­le Erfül­lung der gegen­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten regel­mä­ßig im Vor­der­grund steht, eine ande­re Bedeu­tung hat als bei der Zusatz­ver­sor­gung. Die VBL betreut ein Ver­si­che­rungs­ver­trags­ver­hält­nis, das zunächst auf unbe­stimm­te Zeit abge­schlos­sen wur­de. Auch nach einer Kün­di­gung hat sie sich wegen des Wei­ter­be­stehens der Ver­pflich­tun­gen gegen­über ihren Ver­si­cher­ten auf eine über vie­le Jah­re ange­leg­te Leis­tungs­pha­se und damit auf ein lan­ges Nach­wir­ken des gekün­dig­ten Betei­li­gungs­ver­hält­nis­ses ein­zu­stel­len. Einen "schnel­len Schnitt" gibt es unter Berück­sich­ti­gung der Leis­tungs­sei­te ohne­hin nicht. Daher stellt es für die VBL kei­nen über­mä­ßi­gen Nach­teil dar, sich auch beim finan­zi­el­len Aus­gleich der Ren­ten­las­ten auf einen län­ge­ren Abwick­lungs­zeit­raum ein­zu­stel­len. Dies ist zwar mög­li­cher­wei­se für die VBL mit einem erhöh­ten Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den. Jedoch ist die VBL nicht gehin­dert, den aus­schei­den­den Betei­lig­ten mit die­sen Kos­ten ange­mes­sen zu belas­ten. Das Inter­es­se der VBL an gerin­ge­rem Ver­wal­tungs­auf­wand ist daher gegen­über den Inter­es­sen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung.

Als zen­tra­len Vor­teil der Ein­mal­zah­lung betrach­tet die VBL das mini­mier­te Risi­ko einer Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Aus­schei­den­den. Bei einem zeit­lich gedehn­ten Aus­gleich der ver­blie­be­nen Ren­ten­las­ten fürch­tet sie eine Erhö­hung des Insol­venz­ri­si­kos.

Die­ses resul­tiert dar­aus, dass die VBL auch insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­so­nen eine Betei­li­gung ermög­licht, wobei die Sat­zung und hier­zu ergan­ge­nen Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen Nähe­res regeln. Bei einer unge­kün­dig­ten Betei­li­gung sieht sich die VBL in der Lage, die­ses Insol­venz­ri­si­ko auf zeit­lich unbe­stimm­te Zeit zu tra­gen. Dabei trifft sie aller­dings für den Fall der Pri­va­ti­sie­rung Vor­keh­run­gen, um die­sem Risi­ko zu begeg­nen (§ 20 Abs. 3 VBLS i.V.m. den Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen im Anhang 1 zur VBLS Ziff. III Abs. 1). Hier­nach kann eine Betei­li­gung nur auf­recht erhal­ten blei­ben, wenn die unwi­der­ruf­li­che Ver­pflich­tungs­er­klä­rung einer oder meh­re­rer juris­ti­scher Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts, deren Insol­venz­fä­hig­keit aus­ge­schlos­sen ist, bei­gebracht wird, wonach im Fal­le einer Been­di­gung der Betei­li­gung für die Erfül­lung aller finan­zi­el­len Ver­pflich­tun­gen des Betei­lig­ten gegen­über der Anstalt ein­ge­stan­den wird. Als Alter­na­ti­ve ist ein Zuschlag von 15 v.H. zur Umla­ge mög­lich. Zudem kann die VBL eine Deckungs­zu­sa­ge eines Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens oder eine ent­spre­chen­de Bank­bürg­schaft akzep­tie­ren.

Die der­zeit zur Begren­zung des Insol­venz­ri­si­kos allein vor­ge­se­he­ne Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts als Ein­mal­zah­lung ist unver­hält­nis­mä­ßig. Zum einen trifft sie unter­schieds­los alle Betei­lig­ten und damit auch sol­che, die nicht insol­venz­fä­hig sind oder deren Insol­venz­ri­si­ko voll abge­si­chert ist – etwa weil nach einer Pri­va­ti­sie­rung die Garan­ti­er­klä­rung einer nicht insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts vor­ge­legt wur­de. Zum ande­ren schnei­det sie dem aus­schei­den­den Betei­lig­ten die Mög­lich­keit einer alter­na­ti­ven Insol­venz­si­che­rung wie die Garan­tie­er­klä­rung einer nicht insol­venz­fä­hi­gen juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts, die Deckungs­zu­sa­ge eines Ver­si­che­rers oder eine ent­spre­chen­de Bank­bürg­schaft ab. Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, dass bei einer gekün­dig­ten Betei­li­gung der Insol­venz­schutz nicht aus­rei­chen soll, den die VBL bis­her bei einer unge­kün­dig­ten Betei­li­gung selbst als aus­rei­chend betrach­tet hat. Hier ist Raum für eine sinn­vol­le Neu­re­ge­lung der Sat­zungs­be­stim­mun­gen über den Gegen­wert. Daher ist es uner­heb­lich, dass die der­zei­ti­ge Sat­zungs­la­ge die­se Mög­lich­keit nicht vor­sieht. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das von der VBL behaup­te­te Insol­venz­ri­si­ko gegen­über den Inter­es­sen des aus­schei­den­den Betei­lig­ten als unter­ge­ord­net zu betrach­ten.

Die gegen die­se Inter­es­sen­ab­wä­gung vor­ge­brach­ten Ein­wän­de über­zeu­gen den Bun­des­ge­richts­hof nicht.

So führt die Mög­lich­keit der Stun­dung nach § 23 Abs. 4 Satz 2 VBLS zu kei­nem Aus­gleich, der die Unan­ge­mes­sen­heit besei­tigt. Wie oben dar­ge­legt, wird eine wegen ihres Inhalts unwirk­sa­me Bestim­mung nicht dadurch wirk­sam, dass der Berech­tig­te davon nicht in vol­lem Umfang Gebrauch macht.

Auch ist es nicht zwin­gend, dass eine ande­re Aus­ge­stal­tung als die Ein­mal­zah­lung des­halb für den aus­schei­den­den Betei­lig­ten nach­tei­lig ist, weil er Rück­stel­lun­gen nach §§ 249, 253 HGB und § 6a EStG bil­den muss.

Eine Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung des Arbeit­ge­bers ist eine unge­wis­se Ver­bind­lich­keit i.S. des § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB. Für eine sol­che darf eine Rück­stel­lung nur dann gebil­det wer­den, wenn aus der Sicht des Bilanz­stich­tags eine Inan­spruch­nah­me des Ver­pflich­te­ten wahr­schein­lich ist 62. Das gilt auch im Anwen­dungs­be­reich des § 6a EStG 63. Der Trä­ger des Betrie­bes muss nicht damit rech­nen, selbst aus der Ver­sor­gungs­ver­pflich­tung in Anspruch genom­men zu wer­den, wenn anfal­len­de Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach den am Bilanz­stich­tag bestehen­den Erkennt­nis­sen vor­aus­sicht­lich von einer Ver­sor­gungs­kas­se wei­ter erbracht wer­den 63. Dies ist bei der so genann­ten Erstat­tungs­lö­sung der Fall, da die direk­ten Ansprü­che der Ver­si­cher­ten gegen die VBL von den lau­fen­den Erstat­tungs­zah­lun­gen des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten an die VBL wäh­rend der Leis­tungs­pha­se nicht betrof­fen sind. Bei Been­di­gung der Betei­li­gung bleibt die bei­trags­freie Ver­si­che­rung des Arbeit­neh­mers erhal­ten und führt mit Erfül­lung der War­te­zeit und dem Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­fal­les zu direk­ten Ansprü­chen des Ver­si­cher­ten gegen­über der VBL. Ob dies bei ande­ren alter­na­ti­ven Model­len der Gegen­wert­ab­wick­lung genau­so ist, kann dahin­ste­hen. Jeden­falls ist der Ver­zicht auf eine Ein­mal­zah­lung des Gegen­werts nicht auto­ma­tisch mit Rück­stel­lun­gen des Arbeit­ge­bers ver­bun­den und des­halb für die­sen nicht zwangs­läu­fig nach­tei­lig.

Intrans­pa­renz der Berech­nungs­grund­la­gen[↑]

§ 23 Abs. 2 VBLS ist wei­ter­hin gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB intrans­pa­rent, weil nicht alle Berech­nungs­grund­la­gen des Gegen­werts offen gelegt wer­den.

Nach dem Trans­pa­renz­ge­bot ist der Ver­wen­der All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ent­spre­chend den Grund­sät­zen von Treu und Glau­ben gehal­ten, Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners mög­lichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len 64.

Dies bedeu­tet zum einen, dass die Klau­sel die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le und Belas­tun­gen soweit erken­nen las­sen muss, wie dies nach den Umstän­den gefor­dert wer­den kann 65. Das ist hier der Fall. Der Gegen­wert lässt sich nicht im Vor­hin­ein berech­nen, da sich die Anzahl der Beschäf­tig­ten und die Höhe ihrer Anwart­schaf­ten wäh­rend des Betei­li­gungs­ver­hält­nis­ses ändern. Die Sat­zung legt inso­weit offen, dass die Berech­nung des Gegen­werts ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sches Gut­ach­ten erfor­dert. Aller­dings ist durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer bei § 23 Abs. 2 VBLS ein öffent­li­cher Arbeit­ge­ber, dem die Grund­ge­ge­ben­hei­ten der Zusatz­ver­sor­gung der VBL bekannt sind und der daher die wirt­schaft­li­che Bedeu­tung des Gegen­werts ein­zu­schät­zen ver­mag.

Zum ande­ren erfor­dert das Trans­pa­renz­ge­bot, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer sei­ne ver­trag­li­chen Rech­te und Pflich­ten erken­nen kann. Des­halb muss er in der Lage sein, die gegen ihn erho­be­ne Gegen­wert­for­de­rung nach­zu­voll­zie­hen und zu über­prü­fen. Der Ver­weis in § 23 Abs. 2 Satz 2 VBLS auf die Berech­nung nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grund­sät­zen genügt hier­für nicht. § 23 Abs. 2 VBLS nennt zwar eini­ge Rech­nungs­grund­la­gen, aller­dings ohne den Anspruch auf Voll­stän­dig­keit zu erhe­ben. Berech­nungs­me­tho­de und Rech­nungs­grund­la­gen wie z.B. die zu Grun­de geleg­ten Ster­be­ta­feln sind weder aus der Sat­zung noch aus ver­öf­fent­lich­ten Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen voll­stän­dig ersicht­lich. Eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des aus­ge­schie­de­nen Betei­lig­ten liegt mit­hin in der Gefahr, dass er wegen unklar abge­fass­ter Bedin­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt 66, weil ihm die unkla­ren Berech­nungs­grund­la­gen die Mög­lich­keit zu einer eigen­stän­di­gen Über­prü­fung der gegen ihn erho­be­nen For­de­rung – ggf. mit­tels eines eige­nen Gut­ach­tens – neh­men. Dabei ist es nicht Auf­ga­be des Ver­si­che­rungs­neh­mers, sich durch eige­ne Gut­ach­ter feh­len­de Berech­nungs­pa­ra­me­ter zu erschlie­ßen.

Wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de[↑]

Da § 23 Abs. 2 VBLS aus den genann­ten Erwä­gun­gen unwirk­sam ist, kommt es auf etwai­ge wei­te­re Unwirk­sam­keits­grün­de nicht an.

Ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung[↑]

Für die durch die unwirk­sa­me Gegen­wert­be­stim­mung ent­stan­de­ne Rege­lungs­lü­cke ist eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung zuzu­las­sen, die die Mög­lich­keit einer neu­en Sat­zungs­re­ge­lung ein­schließt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat hier­zu in sei­nem Beru­fungs­ur­teil die Vor­aus­set­zun­gen für eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung bean­stan­dungs­frei bejaht und hier­bei ins­be­son­de­re her­aus­ge­stellt, dass der ersatz­lo­se Weg­fall der Gegen­wert­re­ge­lung für die VBL eine unzu­mut­ba­re Här­te wäre. Die ansons­ten eröff­ne­te Mög­lich­keit der aus­gleichs­lo­sen Abwäl­zung von Ren­ten­las­ten auf die ver­blie­be­nen Betei­lig­ten stell­te eine gra­vie­ren­de Belas­tung der Soli­dar­ge­mein­schaft dar. Eine Been­di­gung der Betei­li­gung ohne jeg­li­chen finan­zi­el­len Aus­gleich nimmt nicht ein­mal der Klä­ger für sich in Anspruch. Die Par­tei­en hät­ten bei sach­ge­rech­ter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben des­halb ver­ein­bart, dass eine Neu­re­ge­lung des Gegen­werts im Sat­zungs­än­de­rungs­ver­fah­ren auch für die bereits been­de­te Betei­li­gung mög­lich sein soll.

Zur jet­zi­gen Aus­ge­stal­tung des Gegen­werts kom­men zahl­rei­che Alter­na­ti­ven in Betracht. In der Lite­ra­tur wer­den neben der bereits erwähn­ten Erstat­tungs­lö­sung wei­te­re Model­le, unter ande­rem die Über­nah­me der Ver­sor­gungs­las­ten durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer und deren Erset­zung durch eine gleich­wer­ti­ge Leis­tung 67 dis­ku­tiert, ohne dass der Bun­des­ge­richts­hof die­se hier im Ein­zel­nen zu bewer­ten hät­te. Dies wider­spricht nicht dem Grund­satz, dass beim Vor­han­den­sein ver­schie­de­ner Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zur Aus­fül­lung einer Ver­trags­lü­cke eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung zu unter­blei­ben hat, wenn kein Anhalts­punkt dafür vor­liegt, wel­che Rege­lung die Par­tei­en getrof­fen hät­ten 68. Der Zweck die­ses Grund­sat­zes liegt dar­in, die Par­tei­en vor einer Aus­wahl durch das Gericht nach des­sen eige­nen Kri­te­ri­en zu schüt­zen, weil dies mit dem Grund­satz der Pri­vat­au­to­no­mie unver­ein­bar wäre 69. Eine eige­ne Aus­wahl zwi­schen den ver­schie­de­nen denk­ba­ren Lösungs­mo­del­len hat das Beru­fungs­ge­richt zu Recht nicht getrof­fen. Es hat viel­mehr aus den Beson­der­hei­ten der betrieb­li­chen Zusatz­ver­sor­gung den hypo­the­ti­schen Par­tei­wil­len ermit­telt, dass der VBL eine Neu­re­ge­lung des Gegen­werts durch eine Sat­zungs­än­de­rung mög­lich sein soll, wenn die­se den aus­schei­den­den Betei­lig­ten nicht unan­ge­mes­sen betei­ligt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2012 – IV ZR 10/​11

  1. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 23.12.2010 – 12 U 224/​09[]
  2. LG Mann­heim, Urteil vom 19.06.2009 – 7 O 124/​08 (Kart.) []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 31 ff.[]
  4. BGH, Urtei­le vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 30; vom 23.06.1999 – IV ZR 136/​98, BGHZ 142, 103, 105 ff.; vom 30.09.1998 – IV ZR 262/​97BGHZ 139, 333, 339[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 aaO Rn. 32[]
  6. a.A. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 177 ff.[]
  7. BGH, Urteil vom 20.07.2011 IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 54 ff.[]
  8. GMBl. 1966, 627[]
  9. GMBl. 1977, 454[]
  10. BAG NZA 1996, 988, 989 f., ein­ge­hend zur Aus­le­gung von Tarif­ver­trä­gen Wiedemann/​Wank, Tarif­ver­trags­ge­setz 7. Aufl. § 1 Rn. 978 ff. m.w.N.[]
  11. Henssler in Henssler/​Willemsen/​Kalb, Arbeits­recht Kom­men­tar 4. Aufl. TVG Einl. Rn. 18; Wiedemann/​Thüsing, Tarif­ver­trags­recht 7. Aufl. § 1, Rn. 229 ff.[]
  12. Wiedemann/​Thüsing, Tarif­ver­trags­ge­setz 7. Aufl. § 1 Rn. 1, sie­he auch Däubler/​Reim, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. § 1 Rn.1; Henssler in Henssler/​Willemsen/​Kalb, Arbeits­recht Kom­men­tar 4. Aufl. TVG § 1 Rn. 1 ff.[]
  13. BAGE 75, 116, 120 f.; Däubler/​Reim aaO Rn. 4a; Löwisch/​Rieble, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. § 1 Rn. 11[]
  14. BAG, NZARR 2011, 30 Rn. 14[]
  15. IV ZR 272/​93, VersR 1994, 1133[]
  16. BGH, Urteil vom 26.02.1953 – III ZR 214/​50, BGHZ 9, 101; Münch­Komm-ZPO/Wen­zel 3. Aufl. § 545 Rn. 9[]
  17. BAGE 7, 186, 198; Mül­ler­G­lö­ge in Germelmann/​Matthes, Arbeits­ge­richts­ge­setz 7. Aufl. § 73 Rn. 3; Ulrich in Schwab/​Weth, Arbeits­ge­richts­ge­setz 3. Aufl. § 73, Rn. 59[]
  18. vgl. Ulrich aaO Rn. 13[]
  19. BAG NZA 2008, 131, 132; BAGE 117, 53, 58 f.; BAGE 78, 309, 327 ff.[]
  20. BAG aaO[][]
  21. BGH, Urteil vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 84[]
  22. Dreier/​SchulzeFielitz, Grund­ge­setz 2. Aufl. Art.20 Rn. 156, Grzes­zick in Maunz/​Dürig, Grund­ge­setz Art.20 Rn. 80, Stand: Okto­ber 2011; Pieroth, Rück­wir­kung und Über­gangs­recht, 1981 S. 30[]
  23. BVerfGE 19, 187, 195; vgl. auch BVerfGE 30, 392, 402; Grzes­zick aaO, Pieroth aaO[]
  24. BVerfGE 30, 367, 386 f.[]
  25. Gilbert/​Hesse, Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes, § 23 VBLS Rn. 2, Stand: Sep­tem­ber 2011[]
  26. im Ein­zel­nen hier­zu Jarass in Jarass/​Pieroth, Grund­ge­setz 11. Aufl. Art.20 Rn. 72 m.w.N.[]
  27. vgl. BGH, Urteil vom 14.11.2007 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 32 m.w.N.[]
  28. BGH, Urteil vom 11.12.1985 – IVa ZR 251/​83, DöD 1986, 116[]
  29. BGH, Urteil vom 02.05.1990 – IV ZR 211/​89, VersR 1990, 841 unter II 3 c[]
  30. BGH, Urtei­le vom 20.07.2011 – IV ZR 76/​09, BGHZ 190, 314 Rn. 7, 51 ff.; vom 12.01.2011 – IV ZR 118/​10, VersR 2011, 611 Rn. 1, 19; vom 24.02.2010 – IV ZR 7/​09, NVwZRR 2010, 689 unter II 1; vom 14.11.2007 – IV ZR 74/​06, BGHZ 174, 127 Rn. 32: Annah­me einer Grund­ent­schei­dung wegen Über­ein­stim­mung der ange­grif­fe­nen Sat­zungs­re­ge­lun­gen mit Bestim­mun­gen des ATV; BGH, Beschluss vom 10.03.2010 – IV ZR 333/​07, NVwZRR 2010, 572, Rn. 9: Grund­ent­schei­dung zur Stre­ckung und Linea­ri­sie­rung der Ver­sor­gungs­staf­fel abge­lei­tet aus dem 26. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag vom 15.11.1991; BGH, Urteil vom 27.09.2000 – IV ZR 140/​99, VersR 2000, 1530 unter II 2 b: Ver­nei­nung einer Grund­ent­schei­dung man­gels tarif­li­cher Ver­an­ke­rung des Anrech­nungs­aus­schlus­ses in der DDR zurück­ge­leg­ter Sozi­al­ver­si­che­rungs­zei­ten; BGH, Urteil vom 16.03.1988 – IV ZR 154/​87, BGHZ 103, 370, 374 f., 384: Grund­ent­schei­dung zur Ein­füh­rung der Net­to­Ge­samt­ver­sor­gung abge­lei­tet aus dem 15. Ände­rungs­ta­rif­ver­trag zum Ver­sor­gungTV[]
  31. vgl. BVerfGE 44, 322, 340 f.[]
  32. Wiedemann/​Wiedemann, Tarif­ver­trags­recht 7. Aufl. Einl. Rn. 84[]
  33. Erfur­ter Kommentar/​Dieterich 12. Aufl. GG Art. 9 Rn. 60; Löwisch/​Rieble, Tarif­ver­trags­ge­setz 2. Aufl. Grundl. Rn. 39[]
  34. BVerfGE 92, 365, 394[]
  35. vgl. BGH, Urteil vom 09.05.2001 – IV ZR 121/​00, BGHZ 147, 354, 360 f.[]
  36. BGH, Urteil vom 09.05.2001 aaO[][]
  37. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009 S. 182[]
  38. IV ZR 181/​96 juris Rn. 23[]
  39. Gilbert/​Hesse, Die Ver­sor­gung der Beschäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes, § 34 VBLS Rn. 5, Stand: Sep­tem­ber 2011[]
  40. vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2009 IV ZR 110/​07, VersR 2009, 1617 Rn. 7; BGH, Urteil vom 23.06.1993 IV ZR 135/​92, BGHZ 123, 83, 85[]
  41. vgl. BGH, Urteil vom 28.03.2007 – IV ZR 145/​06, VersR 2007, 1214 Rn. 11[]
  42. BGH, Urtei­le vom 17.09.2009 – III ZR 207/​08, NJW 2010, 57 Rn. 18; vom 01.02.2005 – X ZR 10/​04, NJW 2005, 1774 unter II 2 a, jeweils m.w.N.[]
  43. BGH, Urteil vom 13.07.1994, IV ZR 107/​93, BGHZ 127, 35, 42 ff.[]
  44. Beckmann/​Hebler, Zusatz­ver­sor­gung der Arbeit­neh­mer des öffent­li­chen Diens­tes, 6. Aufl. S. 146[]
  45. Wig­ger, Grund­zü­ge der Finanz­wis­sen­schaft, 2. Aufl. S. 222[]
  46. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 150; sie­he § 30 VBLS[]
  47. Staudinger/​Coester, BGB, Neubearb.2006, § 307 Rn. 86[]
  48. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S.192[]
  49. Staudinger/​Coester, BGB Neubearb.2006, § 307 Rn. 109[]
  50. BGH, Urteil vom 27.02.1985 – VIII ZR 85/​84, NJW 1985, 2693 unter III 2[]
  51. Fuchs in Ulmer/​Brandner/​Hensen, AGB-Recht 11. Aufl. § 307 Rn. 141[]
  52. BGH, Urtei­le vom 05.03.1991 – XI ZR 75/​90, BGHZ 114, 9, 15; vom 17.01.1989 – XI ZR 54/​88, BGHZ 106, 259, 267 m.w.N.[]
  53. BGH, Urteil vom 18.01.1996 – IX ZR 69/​95, BGHZ 132, 6, 12[]
  54. vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.1984 – VIII ARZ 1/​84, BGHZ 92, 363, 368[]
  55. BAG, ZTR 2001, 35, 36[]
  56. BGH Urtei­le vom 06.10.1982 – VIII ZR 201/​81, NJW 1983, 159 unter II 5 a; vom 28.10.1981 – VIII ZR 302/​80, BGHZ 82, 121, 128[]
  57. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 02.12.1992 – IV ZR 135/​91, BGHZ 120, 290, 294 f.[]
  58. Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009 S. 152[]
  59. Wig­ger, Grund­zü­ge der Finanz­wis­sen­schaft 2. Aufl. S. 224 f.[]
  60. Heubeck/​Rürup, Finan­zie­rung der Alters­ver­sor­gung des öffent­li­chen Diens­tes, 2000 S. 64 f.[]
  61. im Ein­zel­nen hier­zu Niermann/​Fuhrmann, BetrAV 2010, 528, 532[]
  62. BFH BB 2006, 1626, 1627; BFH BB 2009, 321, 322 f.; Buciek in Blü­mich, Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, EStG § 5 Rn. 797a m.w.N. Stand: Febru­ar 2012[]
  63. BFH aaO[][]
  64. BGH, Urteil vom 24.03.1999 IV ZR 90/​98, BGHZ 141, 137, 143[]
  65. BGH, Urteil vom 24.03.1999 aaO[]
  66. vgl. BGH, Urteil vom 23.11.1994 – IV ZR 124/​93, BGHZ 128, 54, 60 f.[]
  67. so genann­te Über­nah­me­lö­sung, sie­he Gan­sel, Die Been­di­gung der Betei­li­gung an einer Zusatz­ver­sor­gungs­kas­se, 2009, S. 226 ff.[]
  68. vgl. BGH, Urteil vom 30.03.1990 – V ZR 113/​89, NJW 1990, 1723 unter 3 m.w.N., inso­weit in BGHZ 111, 110, 115 f. nicht voll­stän­dig abge­druckt[]
  69. NK-BGB/­Loo­schel­ders, 2. Aufl. § 157 Rn. 26[]