Das Weih­nachts­geld eines Leih­ar­beit­neh­mers

Ein bei einer Fir­ma ein­ge­setz­ter Leih­ar­beit­neh­mer hat nach den Grund­sät­zen des Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ge­set­zes Anspruch auf das glei­che Ent­gelt wie ein Arbeit­neh­mer des Ent­lei­her­be­trie­bes (equal pay Grund­satz). Die equal pay Ansprü­che bezie­hen sich grund­sätz­lich auch auf das beim Ent­lei­her gewähr­te Weih­nachts­geld. Ist die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des an eine Stich­tags­re­ge­lung geknüpft, so kann der Leih­ar­beit­neh­mer nur dann Weih­nachts­geld von bean­spru­chen, wenn er am Stich­tag bei der Fir­ma tat­säch­lich ein­ge­setzt war.

Das Weih­nachts­geld eines Leih­ar­beit­neh­mers

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Anspruch auf Weih­nachts­geld eines Leih­ar­beit­neh­mers ver­neint und inso­weit das Urteil des Arbeits­ge­richts abge­än­dert. Der Klä­ger war bei der Beklag­ten als Leih­ar­beit­neh­mer beschäf­tigt. Auf das Arbeits­ver­hält­nis soll­ten die Tarif­ver­trä­ge mit der Christ­li­chen Gewerk­schaft Zeit­ar­beit und PSA (CGZP) Anwen­dung fin­den. Der Klä­ger war als Pro­duk­ti­ons­hel­fer von Febru­ar 2008 bis März 2009 bei der Fir­ma B. als Arbei­ter ein­ge­setzt, aller­dings im Dezem­ber 2008 nur tage­wei­se und nicht am 1. Dezem­ber 2008. Die ver­gleich­ba­ren Stamm­ar­beit­neh­mer der Fir­ma B. erhiel­ten nach einem dort anwend­ba­ren Haus­ta­rif­ver­trag eine höhe­re Ver­gü­tung als der Klä­ger nach dem CGZP-Tarif. Nach­dem das Bun­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt hat­te, dass die CGZP nicht tarif­fä­hig ist und damit die mit die­ser Gewerk­schaft geschlos­se­nen Tarif­ver­trä­ge nich­tig sind, hat der Klä­ger vor dem Arbeits­ge­richt Zah­lungs­kla­ge erho­ben und unter dem Gesichts­punkt des equal pay für die Zeit sei­nes Ein­sat­zes bei der Fir­ma B. die Dif­fe­renz zwi­schen dem ihm nach dem CGZP-Tarif gezahl­ten Lohn und dem­je­ni­gen nach dem Haus­ta­rif der Fir­ma B. sowie das antei­li­ge Weih­nachts­geld nach dem dor­ti­gen Haus­ta­rif­ver­trag. Das Arbeits­ge­richt hat­te der Zah­lungs­kla­ge im Wesent­li­chen statt­ge­ge­ben. Dar­auf­hin hat die Beklag­te Beru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein habe der Klä­ger nach dem Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­an­spruch Anspruch auf die­sel­ben Leis­tun­gen wie Arbeit­neh­mer des Ent­lei­her­be­triebs, das heißt der Fir­ma B, sofern nicht ein anwend­ba­rer Tarif­ver­trag abwei­chen­de Rege­lun­gen zulas­se. Die CGZP-Tarif­ver­trä­ge sei­en indes­sen nich­tig. Die equal pay Ansprü­che bezö­gen sich grund­sätz­lich auch auf das beim Ent­lei­her gewähr­te Weih­nachts­geld. Indes­sen ste­he dem Klä­ger kein antei­li­ges Weih­nachts­geld nach dem Haus­ta­rif­ver­trag der Fir­ma B. zu. Der Tarif­ver­trag der Fir­ma B. ent­hal­te eine zuläs­si­ge Stich­tags­re­ge­lung, sodass der Anspruch nur bestehe, wenn der Arbeit­neh­mer am 1. Dezem­ber in einem Arbeits­ver­hält­nis steht. Ein bei der Fir­ma B. ein­ge­setz­ter Leih­ar­beit­neh­mer kön­ne nach dem equal pay Grund­satz mit­hin nur dann Weih­nachts­geld von sei­nem Ver­trags­ar­beit­ge­ber (hier: Beklag­te) bean­spru­chen, wenn er am 1. Dezem­ber bei der Fir­ma B. tat­säch­lich ein­ge­setzt wur­de.

Daher hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt das ange­foch­te­ne Urteil teil­wei­se abge­än­dert und die Zah­lungs­kla­ge bezo­gen auf das Weih­nachts­geld abge­wie­sen. Im Übri­gen blieb die Beru­fung erfolg­los. Gegen die­ses Urteil wur­de beim Bun­des­ar­beits­ge­richt Revi­si­on unter dem Az. 5 AZR 627/​13 ein­ge­legt.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 21. Mai 2013 – 2 Sa 398/​12