Kei­ne volks­ver­het­zen­de Fern­seh-Wahl­wer­bung

Die NPD ist mit einem Eil­an­trag vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geschei­tert, mit dem sie die Aus­strah­lung eines Wahl­wer­be­spots durch das ZDF erzwin­gen woll­te.

Kei­ne volks­ver­het­zen­de Fern­seh-Wahl­wer­bung

Die NPW hat­te beim Zwei­ten Deut­schen Fern­se­hen (ZDF) einen Wahl­wer­be­spot für die Euro­pa­wahl ein­ge­reicht, in dem behaup­tet wird, Deut­sche wür­den "seit der will­kür­li­chen Grenz­öff­nung 2015 und der seit­her unkon­trol­lier­ten Mas­sen­zu­wan­de­rung fast täg­lich zu Opfern aus­län­di­scher Mes­ser­män­ner". Auf die sich anschlie­ßen­de Aus­sa­ge "Migra­ti­on tötet!" folgt ein Auf­ruf zur Schaf­fung von Schutz­zo­nen als Orten, an denen Deut­sche sich sicher füh­len soll­ten. Das ZDF lehn­te die Aus­strah­lung des Wer­be­spots in den dafür vor­ge­se­he­nen Zeit­fens­tern am 29.04.und 15.05.2019 ab, da die­ser den Straf­tat­be­stand der Volks­ver­het­zung erfül­le.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz bestä­tig­ten die­se Auf­fas­sung des ZDF und wie­sen den Antrag der NPD auf Eil­rechts­schutz zurück. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nun auch den Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt, mit dem die NPD eine Ver­pflich­tung des ZDF zur Aus­strah­lung des Wahl­wer­be­spots begehr­te:

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Haupt­sa­che wäre offen­sicht­lich unbe­grün­det, da sich die Ent­schei­dun­gen im fach­ge­richt­li­chen Wer­tungs­rah­men hiel­ten 1.

Es ist für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht erkenn­bar, dass die Ver­wal­tungs­ge­rich­te in ihren Ent­schei­dun­gen den Schutz­ge­halt der Mei­nungs­frei­heit der Antrag­stel­le­rin aus Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG ver­kannt hät­ten 2. Viel­mehr haben sie sich mit dem Aus­sa­ge­ge­halt des Wahl­wer­be­spots unter Berück­sich­ti­gung der hier­für maß­geb­li­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen 3 befasst und den Sinn der dar­in getä­tig­ten Äuße­run­gen nach­voll­zieh­bar dahin­ge­hend ein­ge­ord­net, dass er den Tat­be­stand einer Volks­ver­het­zung gemäß § 130 Abs. 1 Nr. 2 StGB erfüllt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat sich auch mit den ande­ren, von der Antrag­stel­le­rin vor­ge­brach­ten Deu­tungs­mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der­ge­setzt und die­se mit nach­voll­zieh­ba­rer Begrün­dung – unter ande­rem wegen der im Kon­text mit der Aus­sa­ge "Migra­ti­on tötet" gefor­der­ten Schaf­fung von Schutz­zo­nen für Deut­sche – als fern­lie­gend aus­ge­schlos­sen 4. Die­se Beur­tei­lung hält sich auch unter Berück­sich­ti­gung der inso­weit gel­ten­den stren­gen Anfor­de­run­gen im fach­ge­richt­li­chen Wer­tungs­rah­men.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. April 2019 – 1 BvQ 36/​19

  1. vgl. BVerfGE 71, 158, 161; 111, 147, 152 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 7, 198, 206 f.; 107, 275, 280 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 69, 257, 269[]
  4. vgl. BVerfGE 93, 266, 295 f.; 82, 43, 52[]