Anspruchsprä­k­lu­si­on bei ver­spä­te­ter Ver­zö­ge­rungs­rü­ge in Über­gangs­fäl­len

Art. 1 ÜberlVfRSchG hat dem GVG den Sieb­zehn­ten Titel mit den §§ 198 bis 201 GVG ange­fügt. Nach der Über­gangs­re­ge­lung des Art. 23 Satz 1 ÜberlVfRSchG ist die­ses Gesetz auch auf Ver­fah­ren anwend­bar, die bei sei­nem Inkraft­tre­ten (3. Dezem­ber 2011)) bereits anhän­gig waren. War ein sol­ches anhän­gi­ges Ver­fah­ren beim Inkraft­tre­ten des Geset­zes schon ver­zö­gert, gilt die in § 198 Abs. 3 GVG vor­ge­se­he­ne Oblie­gen­heit zur Erhe­bung einer Ver­zö­ge­rungs­rü­ge mit der Maß­ga­be, dass die­se "unver­züg­lich nach Inkraft­tre­ten erho­ben wer­den muss" (Art. 23 Satz 2 ÜberlVfRSchG). In die­sem Fall wahrt die Ver­zö­ge­rungs­rü­ge einen Anspruch nach § 198 GVG auch für den vor­aus­ge­hen­den Zeit­raum (Art. 23 Satz 3 ÜberlVfRSchG).

Anspruchsprä­k­lu­si­on bei ver­spä­te­ter Ver­zö­ge­rungs­rü­ge in Über­gangs­fäl­len

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Urteil vom 07.11.2013 1 bereits ent­schie­den hat, ist auf­grund der gebo­te­nen norm­spe­zi­fi­schen Aus­le­gung der Vor­schrift der Begriff "unver­züg­lich" als Frist von drei Mona­ten zu ver­ste­hen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich die­ser Auf­fas­sung mit Urteil vom 10.04.2014 2 ange­schlos­sen.

Man­gels frist­ge­rech­ter Ver­zö­ge­rungs­rü­ge steht den Klä­gern bis zum Rüge­zeit­punkt weder ein Anspruch auf Ent­schä­di­gung in Geld nach § 198 Abs. 2 Satz 2 GVG noch ein Anspruch auf Fest­stel­lung nach § 198 Abs. 4 Satz 1 GVG zu. Die Fra­ge, ob das Ver­fah­ren vor dem Finanz­ge­richt bis zu jenem Zeit­punkt bereits unan­ge­mes­sen i.S. des § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG war, bedarf daher kei­ner Beant­wor­tung.

Zwar hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof mit Urteil vom 17.04.2013 3 ent­schie­den, dass die Fest­stel­lung unan­ge­mes­se­ner Ver­fah­rens­dau­er nach § 198 Abs. 4 Satz 1 GVG auch dann mög­lich sei, wenn die Ver­zö­ge­rungs­rü­ge fehlt oder ‑hier ein­schlä­gig- in den Über­gangs­fäl­len des Art. 23 Satz 2 ÜberlVfRSchG nicht recht­zei­tig erho­ben wur­de. Indes hat zwi­schen­zeit­lich der Bun­des­ge­richts­hof 4 erkannt, dass bei nicht unver­züg­li­cher Ver­zö­ge­rungs­rü­ge Ansprü­che sowohl auf Ent­schä­di­gung in Geld nach § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG als auch auf Fest­stel­lung unan­ge­mes­se­ner Ver­fah­rens­dau­er nach § 198 Abs. 4 GVG bis zum tat­säch­li­chen Rüge­zeit­punkt prä­k­lu­diert sind. Mit Rück­sicht auf die­se Ent­schei­dung und zur Wah­rung der Ein­heit­lich­keit der Recht­spre­chung der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof der Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs an und hält an sei­ner vor­ma­li­gen Rechts­an­sicht im Anwen­dungs­be­reich des Art. 23 Satz 2 ÜberlVfRSchG nicht mehr fest.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. August 2014 – X K 12/​12

  1. BFH, Urteil vom 07.11.2013 – X K 13/​12, BFHE 243, 126, BSt­Bl II 2014, 179, unter II. 1.d cc[]
  2. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – III ZR 335/​13, NJW 2014, 1967, unter II. 1.c der Ent­schei­dungs­grün­de[]
  3. BFH, Urteil vom 17.04.2013 – X K 3/​12, BFHE 240, 516, BSt­Bl II 2013, 547, Leit­satz 3 sowie unter III. 7.b[]
  4. BGH, NJW 2014, 1967, Leit­satz 2 sowie unter II. 1.d sowie II. 2. der Ent­schei­dungs­grün­de[]