Gewerb­li­cher Grund­stücks­han­del bei Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten

Bei der Beant­wor­tung der Fra­ge, ob eine Per­so­nen­ge­sell­schaft wegen Über­schrei­tung der sog. Drei-Objekt-Gren­ze den Bereich der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung ver­las­sen hat, sind sol­che Grund­stücks­ak­ti­vi­tä­ten nicht mit­zu­zäh­len, die die Gesell­schaf­ter allein oder im Rah­men einer ande­ren gewerb­lich täti­gen Per­so­nen­ge­sell­schaft ent­wi­ckelt haben.

Gewerb­li­cher Grund­stücks­han­del bei Schwes­ter­per­so­nen­ge­sell­schaf­ten

Nach § 15 Abs. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ist Gewer­be­be­trieb eine selb­stän­di­ge und nach­hal­ti­ge Betä­ti­gung, die mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht unter­nom­men wird und sich als Teil­nah­me am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr dar­stellt. Dar­über hin­aus hat die Recht­spre­chung das nega­ti­ve Erfor­der­nis auf­ge­stellt, dass es sich bei der Tätig­keit nicht um pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung han­deln darf. Dabei ver­lässt ein Steu­er­pflich­ti­ger den Bereich der pri­va­ten Ver­mö­gens­ver­wal­tung nicht bereits des­we­gen, weil ihre Gesell­schaf­ter – wenn auch zum Teil im Rah­men einer ande­ren GbR – mehr als drei Objek­te ver­äu­ßert und somit die vom BFH für die Beur­tei­lung der Gewerb­lich­keit von Grund­stücks­ver­käu­fen auf­ge­stell­te sog. Drei-Objekt-Gren­ze über­schrit­ten hät­ten.

Der Gro­ße Senat des BFH hat in sei­nem Beschluss aus dem jah­re 1995 (BFHE 178, 86, BSt­Bl II 1995, 617) ledig­lich erkannt, dass Grund­stücks­ver­äu­ße­run­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft (Gemein­schaft) bei der Fra­ge, ob einer ihrer Gesell­schaf­ter die Drei-Objekt-Gren­ze über­schrit­ten hat, mit­zu­zäh­len sind. Dass umge­kehrt die von einem Gesell­schaf­ter – allein oder inner­halb einer ande­ren Gesell­schaft – ent­wi­ckel­ten Grund­stücks­ak­ti­vi­tä­ten bei der Fra­ge, ob die Per­so­nen­ge­sell­schaft die Drei-Objekt-Gren­ze über­schrit­ten hat, mit­zu­zäh­len sind, hat er nicht ent­schie­den. Viel­mehr beruh­te die Anru­fung des Gro­ßen Senats gera­de dar­auf, dass der BFH eine sol­che Hin­zu­rech­nung auf der Ebe­ne der Gesell­schaft wegen des Grund­sat­zes der Ein­heit der Gesell­schaft als unzu­läs­sig ange­se­hen hat es sogar für denk­bar gehal­ten hat, dass der­sel­be Grund­satz auch eine Zurech­nung der von der Gesell­schaft ver­äu­ßer­ten Objek­te beim Gesell­schaf­ter ver­bie­te, was der Gro­ße Senat des BFH sodann ver­nein­te.

Ver­bie­tet der Grund­satz der Ein­heit der Gesell­schaft bei der Beant­wor­tung der Fra­ge, ob die Drei-Objekt-Gren­ze über­schrit­ten ist, die Zusam­men­rech­nung der Grund­stücks­ver­käu­fe zwei­er Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, deren Gesell­schaf­ter teil­wei­se über­ein­stim­men, so muss das­sel­be für Gesell­schaf­ten gel­ten, an denen aus­schließ­lich die­sel­ben Per­so­nen betei­ligt sind. Eine Aus­nah­me hier­von hat der BFH ledig­lich für den Fall zuge­las­sen, dass bei­de Gesell­schaf­ten nicht nur per­so­nen­iden­tisch, son­dern auch –jeweils für sich genom­men– ledig­lich ver­mö­gens­ver­wal­tend tätig sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2008 – IV R 85/​06