Kla­ge gegen einen Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Insol­venz­eröff­nung

Das Kla­ge­ver­fah­ren gegen einen Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid wird weder wegen Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen der Klä­ge­rin noch wegen der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen ihrer Kom­ple­men­tä­rin gemäß § 155 FGO i.V.m. § 240 ZPO unter­bro­chen.

Kla­ge gegen einen Ver­lust­fest­stel­lungs­be­scheid – und die Insol­venz­eröff­nung

Für den Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheid ist ent­schie­den, dass die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft das Gewinn­fest­stel­lungs, Rechts­be­helfs, Kla­ge- und Revi­si­ons­ver­fah­ren unbe­rührt lässt, da die (steu­er­recht­li­chen) Fol­gen des Gewinn­fest­stel­lungs­be­scheids nur die Gesell­schaf­ter per­sön­lich und nicht den nach Insol­venz­recht abzu­wi­ckeln­den Ver­mö­gens­be­reich der Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst betref­fen 1.

Auch die im Zusam­men­hang mit der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Ein­künf­te­fest­stel­lung getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen über die feh­len­de Aus­gleichs­fä­hig­keit und ein­ge­schränk­te Ver­re­chen­bar­keit von Ver­lus­ten im Zusam­men­hang mit Steu­er­stun­dungs­mo­del­len nach § 15b EStG betref­fen ledig­lich die Ein­künf­te der hier­an betei­lig­ten Gesell­schaf­ter, nicht den Ver­mö­gens­be­reich der Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst. Im Fal­le der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen einer Per­so­nen­ge­sell­schaft erstreckt sich der Über­gang der Befug­nis­se zur Ver­mö­gens­ver­wal­tung nach § 80 Abs. 1 InsO des­halb, eben­so wie bei der der Gewinn­fest­stel­lung selbst, nicht auf die Fest­stel­lun­gen nach § 15b Abs. 4 EStG. Das Besteue­rungs­ver­fah­ren, das finanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren wie auch ein Revi­si­ons­ver­fah­ren blei­ben des­halb von einem sol­chen Insol­venz­ver­fah­ren unbe­rührt.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te dar­über hin­aus auch die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen der Kom­ple­men­tär-GmbH der kla­gen­den Kom­man­dit­ge­sell­schaft kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren. Denn die Kom­ple­men­tär-GmbH war vom Aus­gang des Kla­ge­ver­fah­rens unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt steu­er­recht­lich betrof­fen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Dezem­ber 2018 – IV R 2/​16

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 13.07.1967 – IV 191/​63, BFHE 90, 87, BSt­Bl III 1967, 790; vom 11.10.2007 – IV R 52/​04, BFHE 219, 129, BSt­Bl II 2009, 705, unter II.B.; vom 20.05.2010 – IV R 74/​07, BFHE 229, 71, BSt­Bl II 2010, 1104, Rz 17; und vom 07.06.2018 – IV R 11/​16, Rz 29[]