Ver­lus­te aus Ter­min­ge­schäf­ten als Ver­äu­ße­rungs­kos­ten?

Die in § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 ange­ord­ne­te Frei­stel­lung der Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung von Kapi­tal­an­tei­len bezieht sich auf einen um etwai­ge Ver­äu­ße­rungs­kos­ten gekürz­ten Net­to­be­trag, von wel­chem nach § 8b Abs. 3 Satz 1 KStG 2002 sodann 5 v.H. als fik­ti­ve nicht­ab­zieh­ba­re Betriebs­aus­ga­ben behan­delt wer­den. Zu den Ver­äu­ße­rungs­kos­ten i.S. von § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG 2002 gehö­ren alle Auf­wen­dun­gen, wel­che durch die Ver­äu­ße­rung der Antei­le ver­an­lasst sind. Das kön­nen auch die Ver­lus­te aus der Ver­äu­ße­rung von Zer­ti­fi­ka­ten auf die ent­spre­chen­den Akti­en aus Wert­pa­pier­ter­min­ge­schäf­ten sein.

Ver­lus­te aus Ter­min­ge­schäf­ten als Ver­äu­ße­rungs­kos­ten?

Nach § 8b Abs. 2 Satz 1 (i.V.m. § 8 Abs. 1 Satz 1) KStG 2002 blei­ben bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens u.a. einer unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­gen Kapi­tal­ge­sell­schaft (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG 2002) ‑und damit im Streit­fall auch der Klä­ge­rin- Gewin­ne aus der Ver­äu­ße­rung eines Anteils an einer Kör­per­schaft oder Per­so­nen­ver­ei­ni­gung, deren Leis­tun­gen beim Emp­fän­ger zu Ein­nah­men i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2, 9 und 10 Buchst. a EStG 2002 gehö­ren, außer Ansatz. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Vor­schrif­ten sind im Streit­fall erfüllt. Der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der diver­sen Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen bleibt des­we­gen bei der Ermitt­lung der im Streit­jahr erwirt­schaf­te­ten Gewin­ne zu Recht unbe­rück­sich­tigt. Dar­über besteht unter den Betei­lig­ten denn auch kein Streit.

Ver­äu­ße­rungs­ge­winn i.S. von § 8b Abs. 2 Satz 1 KStG 2002 ist nach Satz 2 der Vor­schrift der Betrag, um den der Ver­äu­ße­rungs­preis oder der an des­sen Stel­le tre­ten­de Wert nach Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten den Wert über­steigt, der sich nach den Vor­schrif­ten über die steu­er­li­che Gewinn­ermitt­lung im Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung ergibt (Buch­wert).

Der gesetz­lich ange­ord­ne­te Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten kann nicht des­we­gen unter­blei­ben, weil nach § 8b Abs. 3 Satz 1 KStG 2002 von dem jewei­li­gen Gewinn i.S. des Abs. 2 Satz 1 der Vor­schrift 5 v.H. als Aus­ga­ben gel­ten, die nicht als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den kön­nen.

Argu­men­tiert wird zwar dahin, das pau­scha­le Abzugs­ver­bot fik­ti­ver Betriebs­aus­ga­ben nach § 8b Abs. 3 Satz 1 KStG 2002 einer­seits und der tat­säch­li­che Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten bei Ermitt­lung des betref­fen­den Ver­äu­ße­rungs­ge­winns ande­rer­seits zie­he eine "dop­pel­te" Berück­sich­ti­gung ein und der­sel­ben Kos­ten nach sich, die vom Rege­lungs­zweck nicht getra­gen sei. Letz­te­res mag durch­aus zutref­fen und in sys­te­ma­ti­scher Hin­sicht nicht voll­kom­men über­zeu­gen 1. Das ändert jedoch nichts dar­an, dass der Rege­lungs­wort­laut ein­deu­tig ist. Auch für eine teleo­lo­gisch ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Norm besteht kei­ne Ver­an­las­sung. Bei­des ‑sowohl der Abzug der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten als auch der Nicht­ab­zug der fik­ti­ven Kos­ten- ver­hält sich im Rah­men der hin­nehm­ba­ren gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­frei­heit. Unge­ach­tet des­sen, dass die Steu­er­frei­stel­lung der Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne ‑gewis­ser­ma­ßen als "ver­dich­te­te" Gewin­ne 2- im Prin­zip die Steu­er­frei­stel­lung der Gewinn­aus­schüt­tun­gen flan­kie­ren soll, ist es dem Gesetz­ge­ber doch unbe­nom­men, die­se ‑typi­sier­te- Gleich­be­hand­lung zu begren­zen. Das kann glei­cher­ma­ßen typi­sie­rend dadurch gesche­hen, dass im Ver­äu­ße­rungs­fall von dem in der übli­chen Wei­se berech­ne­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winn ‑also unter Ein­schluss der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten- zusätz­lich ein pau­scha­ler Vom­hun­dert­satz des Net­to­ge­winns als fik­ti­ve Nicht­ab­zugs­po­si­tio­nen quan­ti­fi­ziert wird 3. Das objek­ti­ve Net­to­prin­zip als Aus­druck des Leis­tungs­fä­hig­keits­prin­zips wird dadurch nicht in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se ver­letzt 4.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall ist aller­dings kon­tro­vers, ob es sich bei den Ver­lus­ten aus den Zer­ti­fi­ka­te­ge­schäf­ten um ein­schlä­gi­ge Ver­äu­ße­rungs­kos­ten han­delt. Der Bun­des­fi­nanz­hof bejaht dies für den vor­lie­gen­den Streit­fall:

Nach der zwi­schen­zeit­lich stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs wer­den die Ver­äu­ße­rungs­kos­ten (i.S. des § 16 Abs. 2 Satz 1 EStG 2002) von den lau­fen­den Betriebs­aus­ga­ben nicht (mehr) danach abge­grenzt, ob sie "in unmit­tel­ba­rer sach­li­cher Bezie­hung" zu dem Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft ste­hen, son­dern danach, ob ein Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang zu der Ver­äu­ße­rung besteht. Abzu­stel­len ist auf das "aus­lö­sen­de Moment" für die Ent­ste­hung der Auf­wen­dun­gen und ihre grö­ße­re Nähe zur Ver­äu­ße­rung oder zum lau­fen­den Gewinn 5. Eben­so hat der BFH zu § 17 Abs. 2 Satz 1 EStG 6 ent­schie­den, und dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof auch bezo­gen auf § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG 2002 an. Das gebie­tet neben der Wort­gleich­heit des Begriffs der Ver­äu­ße­rungs­kos­ten im Rah­men der Geset­zes­de­fi­ni­ti­on des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns vor allem die über­ein­stim­men­de wirt­schaft­li­che Sach­la­ge und das steht über­dies in Über­ein­stim­mung mit dem Grund­satz der Ein­heit der Rechts­ord­nung. Das Gesetz gibt kei­ne begründ­ba­re Hand­ha­be, hier­von für die Rege­lungs­zu­sam­men­hän­ge des § 8b Abs. 2 Satz 2 KStG 2002 abzu­wei­chen 7.

Das gilt auch im Hin­blick auf das neu­er­li­che Urteil des IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 9. Okto­ber 2013 8. Zwar hat der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs sich dort bezo­gen auf § 17 EStG (und dort kon­kret auf die Auf­wen­dun­gen eines in Deutsch­land beschränkt Steu­er­pflich­ti­gen im Zusam­men­hang mit einem abkom­mens­recht­li­chen Ver­stän­di­gungs­ver­fah­ren zwi­schen Deutsch­land und den USA wegen des Besteue­rungs­rechts hin­sicht­lich eines Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung einer GmbH-Betei­li­gung) auf das Erfor­der­nis einer unmit­tel­ba­ren ver­äu­ße­rungs­be­ding­ten Kau­sa­li­tät des ange­fal­le­nen Auf­wands zurück­ge­zo­gen. Es ist aber nicht erkenn­bar, dass er sich inso­weit von der Ent­wick­lung der letz­ten Jah­re hat distan­zie­ren wol­len. Denn die besag­te Rechts­ent­wick­lung wird vom IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs weder erwähnt noch dis­ku­tiert. Er begnügt sich statt­des­sen mit der Zita­ti­on der BFH-Urtei­le in BFHE 233, 100, BSt­Bl II 2011, 684 sowie vom 11.05.2010 9, wel­che aller­dings im Ein­klang mit den zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen die gebo­te­ne wirt­schaft­li­che Ver­an­las­sung des ange­fal­le­nen Auf­wands zur Ver­äu­ße­rung gera­de ein­for­dern. In Anbe­tracht des­sen han­delt es sich bei der Zuord­nung der in Streit ste­hen­den Auf­wen­dun­gen offen­bar um eine Sach­ver­halts­wür­di­gung und Sub­sum­ti­on im Ein­zel­fall, bei wel­cher der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hof ‑wie nicht zuletzt der glei­cher­ma­ßen gege­be­ne Hin­weis auf das frü­he­re BFH-Urteil vom 1. Dezem­ber 1992 10 zeigt- das frü­he­re Unmit­tel­bar­keits­er­for­der­nis mit einem wirt­schaft­lich wer­ten­den Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang gleich­stellt 11. Es besteht des­we­gen auch kei­ne Ver­an­las­sung, inso­weit von einer diver­gie­ren­den Ent­schei­dung aus­zu­ge­hen, die wie­der­um den Senat zu einer Diver­genz­an­fra­ge zwän­ge (vgl. § 11 Abs. 2 FGO).

Davon aus­ge­hend bleibt der Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang für die in Rede ste­hen­den Trans­ak­tio­nen aber gewahrt. Den erschöp­fen­den tatrich­ter­li­chen Wer­tun­gen, wel­che die Vor­in­stanz vor­ge­nom­men hat, ist inso­fern nichts hin­zu­zu­fü­gen. Sie las­sen kei­nen Ver­stoß gegen die Denk­ge­set­ze und den fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt erken­nen und sind des­we­gen für den Bun­des­fi­nanz­hof bin­dend. Recht­li­che Aspek­te wider­spre­chen dem nicht. Zwar ste­hen die Zer­ti­fi­ka­te­ge­schäf­te einer­seits und die Akti­en­ge­schäf­te ande­rer­seits in ledig­lich wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang und sind als sol­che von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, selb­stän­di­ge Geschäf­te. Auch ent­ste­hen der Gewinn hier und der Ver­lust dort nicht zeit­gleich. Und schließ­lich mag das Siche­rungs­ge­schäft zuvör­derst die Markt­ent­wick­lung der betref­fen­den Antei­le im Auge haben, nicht aber die dar­aus gene­rier­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne 12. Doch ändert das alles nichts dar­an, dass die ein­zel­nen Geschäf­te in ihren Teil­schrit­ten sowohl nach den tat­säch­li­chen Abläu­fen als auch nach der Anla­ge­pla­nung auf­ein­an­der abge­stimmt sind und sich wech­sel­sei­tig bedin­gen: Die Zer­ti­fi­ka­te­ge­schäf­te sind von vorn­her­ein nur zur "Gegen­fi­nan­zie­rung" der Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne ein­ge­gan­gen wor­den; sie sind ihrem wirt­schaft­li­chen Sinn nach unmit­tel­bar auf die Ver­äu­ße­rung der Betei­li­gun­gen bezo­gen und machen iso­liert gese­hen "kei­nen Sinn". Die gebo­te­ne wer­ten­de Zuord­nung offen­bart sonach eine grö­ße­re Nähe zu den ein­zel­nen Ver­äu­ße­rungs­vor­gän­gen als zum all­ge­mei­nen Geschäfts­be­trieb, und dem­entspre­chend sind die Ver­lus­te aus den kom­pen­sa­to­ri­schen Siche­rungs­ge­schäf­ten Auf­wand, um den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zu erzie­len. Dass die Siche­rungs­ge­schäf­te und die dar­aus erwirt­schaf­te­ten Ver­lus­te kei­nen "zwangs­läu­fi­gen" unmit­tel­ba­ren Rechts­be­zug zu dem Erwerb und der Ver­äu­ße­rung der Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen haben, erweist sich dem­ge­gen­über als unbe­acht­lich 13.

Aller­dings wird der Kauf­preis für eine ver­äu­ßer­te Betei­li­gung nach Auf­fas­sung des IX. Senat des Bun­des­finan­hofs 14 nicht durch die Kurs­si­che­rung des Prei­ses durch Devi­sen­ge­schäf­te beein­flusst und sind die dadurch ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen für den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn i.S. von § 17 Abs. 2 EStG des­halb unbe­acht­lich. Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs bezieht sich dabei auf das BFH-Urteil vom 21.10.1980 15 zur Fra­ge der Abzin­sung von Kauf­preis­ra­ten. In jenen bei­den Fäl­len hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof indes­sen allein damit aus­ein­an­der­ge­setzt, ob sich die Kurs­si­che­rung auf den Kauf­preis der ver­äu­ßer­ten Antei­le aus­wirkt, weil die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­lus­te dem Käu­fer wei­ter­be­las­tet wor­den sei­en und sie des­we­gen als des­sen Gegen­leis­tung anzu­se­hen sein könn­te. Das wur­de ver­neint. Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat jedoch nicht erwo­gen, ob es sich bei den Ver­lus­ten um gegen­zu­rech­nen­de Ver­äu­ße­rungs­kos­ten han­delt. Er hat die­se Erwä­gung folg­lich auch nicht ver­nei­nen kön­nen, so dass dadurch, dass im Streit­fall Ver­äu­ße­rungs­kos­ten ange­nom­men wer­den, im Ergeb­nis kei­ne Diver­genz aus­ge­löst wird. Unab­hän­gig davon sind die hier in Rede ste­hen­den Zer­ti­fi­ka­te­ge­schäf­te auch nicht mit der dort zu beur­tei­len­den Kurs­si­che­rung mit­tels Devi­sen­ge­schäf­ten ver­gleich­bar 16.

Der Bun­des­fi­nanz­hof weicht glei­cher­ma­ßen nicht von sei­nem Urteil vom 06.03.2013 17 ab. Durch jenes Urteil hat er ent­schie­den, dass Prä­mi­en, wel­che der Ver­äu­ße­rer als sog. Still­hal­ter für Opti­ons­ge­schäf­te im Zusam­men­hang mit dem Erwerb und der Ver­äu­ße­rung von Antei­len i.S. von § 8b Abs. 2 KStG 2002 ver­ein­nahmt, nicht zu den nach § 8b Abs. 2 KStG 2002 außer Ansatz blei­ben­den Gewin­nen aus der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten gehö­ren. Die Prä­mi­en sind des­we­gen unab­hän­gig von ihrer bilan­zi­el­len Behand­lung aus dem Ver­äu­ße­rungs­ge­winn her­aus­zu­rech­nen. Die­se Ent­schei­dung ist im Schrift­tum teil­wei­se dahin­ge­hend miss­ver­stan­den wor­den, dass sich die "Iso­lie­rung" der Opti­ons­prä­mi­en auch auf die umge­kehr­te Situa­ti­on bezie­he, dass also die für die Anschaf­fung der Optio­nen auf­ge­wen­de­ten Kos­ten eben­falls ‑gewis­ser­ma­ßen sym­me­trisch- her­aus­zu­rech­nen wären 18. Die­se Sicht­wei­se ver­kennt indes­sen, dass es im Rah­men von § 8b Abs. 2 KStG 2002 ledig­lich um die Ermitt­lung des steu­er­be­frei­ten ‑und damit gegen­ständ­lich ver­eng­ten- Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung der betref­fen­den Antei­le geht, nicht aber dar­um, die für den Erwerb der Antei­le auf­ge­wen­de­ten Kos­ten zu ver­kür­zen. (Auch) in die­sem Punkt ist viel­mehr der Ver­wal­tungs­pra­xis 19 bei­zu­pflich­ten. Für die im Streit­fall in Rede ste­hen­den Ver­lus­te aus den ange­kauf­ten Zer­ti­fi­ka­ten bedeu­tet das, dass sie den Ver­äu­ße­rungs­ge­winn als Ver­äu­ße­rungs­kos­ten unab­hän­gig davon beein­flus­sen, ob es sich hier­bei um Anschaffungs(neben)kosten der Antei­le han­delt.

Schließ­lich ver­hin­dert auch die in § 15 Abs. 4 Satz 3 und 5 EStG 2002 (i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG 2002) ange­ord­ne­te Beschrän­kung für den Ver­lust­ab­zug bei Ter­min­ge­schäf­ten den hier befür­wor­te­ten Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang der Ver­lus­te aus den Zer­ti­fi­ka­te­ver­käu­fen mit den Akti­en­ver­käu­fen nicht. Es ist zwar rich­tig, dass die­se Beschrän­kun­gen nicht gel­ten, wenn es sich um Geschäf­te han­delt, die der Absi­che­rung von Akti­en­ge­schäf­ten die­nen, bei denen der Ver­äu­ße­rungs­ge­winn (u.a.) nach § 8b Abs. 2 KStG 2002 bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens außer Ansatz bleibt. Es mag auch zutref­fen, dass mit § 15 Abs. 4 Satz 5 EStG 2002 eine spe­zi­el­le Miss­brauchs­ver­mei­dungs­vor­schrift kon­zi­piert wur­de und dass die spe­zi­al­ge­setz­li­che Wer­tungs­ent­schei­dung all­ge­mei­nen Regeln zur Ver­hin­de­rung steu­er­li­cher Miss­bräu­che vor­geht 20. Bei § 8b Abs. 2 KStG 2002 han­delt es sich aber nicht um eine Miss­brauchs­ver­mei­dungs­vor­schrift. Des­we­gen beein­flusst die (Ausnahme-)Regelung des § 15 Abs. 4 Satz 5 EStG 2002 zu den in Satz 3 die­ser Vor­schrift bestimm­ten all­ge­mei­nen Abzugs­be­schrän­kun­gen auch nicht die Fra­ge, in wel­cher Wei­se der nach § 8b Abs. 2 KStG 2002 außer Ansatz blei­ben­de Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zu errech­nen ist 21.

In Anbe­tracht die­ses Ergeb­nis­ses kommt es nicht mehr dar­auf an, ob die Ver­lus­te aus den Zer­ti­fi­ka­te­ge­schäf­ten auf­grund der Rechts­fi­gur des sog. Gesamt­plans in die gesetz­li­che Steu­er­frei­stel­lung ein­zu­be­zie­hen sind oder ob die von der Klä­ge­rin gewähl­te Ver­trags­ge­stal­tung als gestal­tungs­miss­bräuch­lich i.S. von § 42 AO anzu­se­hen sein könn­te. Unbe­ant­wor­tet blei­ben kann glei­cher­ma­ßen, ob die Vor­aus­set­zun­gen der besag­ten Ver­lust­ab­zugs­be­schrän­kung nach § 15 Abs. 4 Satz 3 bis 5 EStG 2002 i.V.m. § 8 Abs. 1 KStG 2002 erfüllt sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. April 2014 – I R 52/​12

  1. vgl. z.B. Gosch, KStG, 2. Aufl., § 8b Rz 283; Gröbl/​Adrian in Erle/​Sauter, KStG, 3. Aufl., § 8b Rz 172; Krö­ner in Ernst & Young, KStG, § 8b Rz 120, 137; Rödder/​Schumacher, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2003, 1725, 1728; ähn­lich Water­mey­er in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 8b KStG Rz 83; Hill/​Kavazidis, Der Betrieb ‑DB- 2003, 2028; Rie­del, Finanz-Rund­schau ‑FR- 2014, 356, 359; Ebel, FR 2014, 410, 415[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 22.12 2010 – I R 58/​10, BFHE 232, 185[]
  3. eben­so z.B. FG Mün­chen, Urteil vom 28.09.2009 – 7 K 558/​08, EFG 2010, 257; BMF, Schrei­ben vom 13.03.2008, BSt­Bl I 2008, 506; Gosch, eben­da; Gröbl/​Adrian in Erle/​Sauter, eben­da; Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 8b Rz 109; Dötsch/​Pung, DB 2004, 151; Schnit­ger in Schnitger/​Fehrenbacher, KStG, § 8b Rz 341 f. und 354; Rie­del, FR 2014, 356, 357; Ebel, FR 2014, 410, 414 f.; Schwedhelm/​Olbing/​Binnewies, GmbH-Rund­schau 2003, 1385; anders z.B. M. Frot­scher in G. Frotscher/​Maas, KStG/​GewStG/​UmwStG, § 8b KStG Rz 215 f.; Krug, DStR 2011, 598; dif­fe­ren­zie­rend Ditz/​Tcherveniachki, DStR 2012, 1161[]
  4. s.a. BFH, Urteil vom 13.10.2010 – I R 79/​09, BFHE 231, 529[]
  5. BFH, Urtei­le vom 16.12 2009 – IV R 22/​08, BFHE 227, 481, BSt­Bl II 2010, 736; vom 25.01.2000 – VIII R 55/​97, BFHE 191, 111, BSt­Bl II 2000, 458; BFH, Urteil vom 27.03.2013 – I R 14/​12, BFH/​NV 2013, 1768[]
  6. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 06.12 2005 – VIII R 34/​04, BFHE 212, 122, BSt­Bl II 2006, 265; BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 1768; s.a. BFH, Urtei­le vom 02.04.2008 – IX R 73/​04, BFH/​NV 2008, 1658; vom 08.02.2011 – IX R 15/​10, BFHE 233, 100, BSt­Bl II 2011, 684[]
  7. eben­so z.B. Schnit­ger in Schnitger/​Fehrenbacher, a.a.O., § 8b Rz 341; Water­mey­er in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 8b KStG Rz 52; Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, a.a.O., § 8b Rz 109; Ebel, FR 2014, 410, 415; im Aus­gangs­punkt anders Rie­del, FR 2014, 356; Ditz/​Tcherveniachki, DStR 2012, 1161, 1164[]
  8. BFH, Urteil vom 09.10.2013 – IX R 25/​12, BFHE 242, 513, BSt­Bl II 2014, 102[]
  9. BFH, Urteil vom 11.05.2010 – IX R 26/​09, BFH/​NV 2010, 2067[]
  10. BFH, Urteil vom 01.12 1992 – VIII R 43/​90, BFH/​NV 1993, 520[]
  11. sie­he denn auch Jach­mann, juris-PR Steu­er­recht 7/​2014 Anm. 3; Bode, FR 2014, 191[]
  12. Ebel, FR 2014, 410, 415 f.[]
  13. ähn­lich für eine par­al­le­le Sach­ver­halts­ge­stal­tung FG Nürn­berg, Urteil vom 01.03.2011 – 1 K 69/​2009, EFG 2013, 966; Nds. FG, Urteil vom 24.10.2013 – 6 K 404/​11; anders Fisch­ler, Recht der Finanz­in­stru­men­te ‑RdF- 2013, 83; Haisch, RdF 2013, 222, 224 f.; Krö­ger, RdF 2013, 259; Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, a.a.O., § 8b Rz 110[]
  14. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 1658[]
  15. BFH, Urteil vom 21.10.1980 – VIII R 190/​78, BFHE 132, 38, BSt­Bl II 1981, 160[]
  16. s.a. FG Nürn­berg, Urteil in EFG 2013, 966, zur Berück­sich­ti­gung von Opti­ons­prä­mi­en für sog. Put-Optio­nen[]
  17. BFH, Urteil vom 06.03.2013 – I R 18/​12, BFHE 240, 357, BSt­Bl II 2013, 588[]
  18. z.B. Schmid/​Renner, DStR 2013, 2734; Schmid, Neue Wirt­schafts-Brie­fe 2014, 57; Krö­ger, RdF 2013, 259; ggf. auch Pung in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, a.a.O., § 8b Rz 110[]
  19. BMF, Schrei­ben vom 09.10.2012, BSt­Bl I 2012, 953, dort Rz 22 einer­seits und Rz 26 und 33 ande­rer­seits[]
  20. vgl. all­ge­mein zuletzt BFH, Urteil vom 18.12 2013 – I R 25/​12 m.w.N., und kon­kret zu § 15 Abs. 4 Satz 5 EStG 2002 Ebel, FR 2014, 410, 416 f.; Krö­ger, RdF 2013, 259[]
  21. anders Ebel und wohl auch Krö­ger, jeweils eben­da[]