Der Fah­rer des Flucht­fahr­zeugs

Eine psy­chi­sche Bei­hil­fe27 StGB) könn­te dar­in bestehen, dass der Fah­rer des Flucht­fahr­zeugs bereits im Vor­feld der Taten eine Zusa­ge erteil­te, das Flucht­fahr­zeug zu über­neh­men und/​oder beim Trans­port der Beu­te behilf­lich zu sein.

Der Fah­rer des Flucht­fahr­zeugs

Ande­ren­falls (vgl. § 257 Abs. 3 StGB) kommt eine Begüns­ti­gung (§ 257 Abs. 1 StGB) in Betracht, indem der Fah­rer durch das Steu­ern des Fahr­zeugs die Täter mit dem Ziel unter­stütz­te, ihnen mit zuneh­men­der Ent­fer­nung vom Tat­ort die Tat­beu­te wei­ter gegen Ent­zie­hung zu sichern.

Auch eine Heh­le­rei (§ 259 Abs. 1 StGB) könn­te gege­ben sein, ins­be­son­de­re wenn der Fah­rer (Mit)Verfügungsgewalt an der Beu­te erlangt hat­te, die er unab­hän­gig vom Wil­len der Mit­an­ge­klag­ten aus­zu­üben in der Lage war [1].

Bei der denk­ba­ren psy­chi­schen Bei­hil­fe oder den genann­ten Anschluss­de­lik­ten und dem in der Ankla­ge wegen Woh­nungs­ein­bruchs­dieb­stahls geschil­der­ten Sach­ver­halt han­delt es sich um ein und die­sel­be Tat im pro­zes­sua­len Sin­ne.

Die Tat als Gegen­stand der Urteils­fin­dung (§ 264 Abs. 1 StPO) ist der his­to­ri­sche Vor­gang, auf den Ankla­ge und Eröff­nungs­be­schluss hin­wei­sen und inner­halb des­sen der Ange­klag­te einen Straf­tat­be­stand ver­wirk­licht haben soll. Zur Tat im pro­zes­sua­len Sinn gehört – unab­hän­gig davon, ob mate­ri­ell­recht­lich Tat­ein­heit (§ 52 StGB) oder Tat­mehr­heit (§ 53 StGB) vor­liegt – das gesam­te Ver­hal­ten des Täters, soweit es nach der Auf­fas­sung des Lebens einen ein­heit­li­chen Vor­gang dar­stellt. Somit umfasst der Lebens­vor­gang, aus dem die zuge­las­se­ne Ankla­ge einen straf­recht­li­chen Vor­wurf her­lei­tet, alle damit zusam­men­hän­gen­den und dar­auf bezüg­li­chen Vor­komm­nis­se, selbst wenn die­se Umstän­de in der Ankla­ge­schrift nicht aus­drück­lich erwähnt sind. Bei der Beur­tei­lung des Tat­um­fangs kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­falls an. Ent­schei­dend ist, ob zwi­schen den in Betracht kom­men­den Ver­hal­tens­wei­sen – unter Berück­sich­ti­gung ihrer straf­recht­li­chen Bedeu­tung – ein enger sach­li­cher Zusam­men­hang besteht. Ein zeit­li­ches Zusam­men­tref­fen der ein­zel­nen Hand­lun­gen ist weder erfor­der­lich noch aus­rei­chend [2].

Ein sol­cher enger sach­li­cher Zusam­men­hang, der eine ein­heit­li­che pro­zes­sua­le Tat begrün­det, besteht nicht nur zwi­schen ver­schie­de­nen For­men der Betei­li­gung an einer mate­ri­ell­recht­li­chen Tat, son­dern grund­sätz­lich auch zwi­schen Heh­le­rei oder Begüns­ti­gung (s. auch § 3 StPO) und dem Vor­de­likt [3]. Ob von die­sem Grund­satz – bei Zugrun­de­le­gung einer natür­li­chen Betrach­tungs­wei­se – eine Aus­nah­me zu machen ist, wenn ein län­ge­rer zeit­li­cher Abstand zwi­schen den jewei­li­gen Hand­lun­gen gege­ben ist [4], kann hier dahin­ste­hen. Denn zwi­schen den bei­den Taten und der von der Poli­zei beob­ach­te­ten Fahrt liegt ein enger zeit­li­cher Zusam­men­hang vor. Des Wei­te­ren indi­vi­dua­li­siert hier schon der Ankla­ge­satz der Ankla­ge­schrift den PKW VW Golf als bei den bei­den Taten genutz­tes Fahr­zeug und benennt den Fah­rer als Insas­se bei der ers­ten Tat und als Fah­rer­bei der zwei­ten Tat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Janu­ar 2017 – 3 StR 482/​16

  1. s. hier­zu BGH, Urteil vom 22.12 1987 – 1 StR 423/​87, BGHSt 35, 172, 175 f.; Beschlüs­se vom 13.11.1992 – 3 StR 412/​92, BGHR StGB § 259 Abs. 1 Sich­ver­schaf­fen 8; vom 18.02.2004 – 2 StR 423/​03, BGHR StGB § 259 Abs. 1 Sich­ver­schaf­fen 11[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.02.2012 – 1 StR 542/​11, NStZ-RR 2012, 355, 356; vom 12.07.2016 – 1 StR 595/​1519[]
  3. vgl. LR/​Stuckenberg aaO, Rn. 104 f. mwN[]
  4. vgl. einer­seits [wei­ter] BGH, Urteil vom 22.12 1987 – 1 StR 423/​87, BGHSt 35, 172, 174; Beschluss vom 07.07.1999 – 1 StR 262/​99, NStZ 1999, 523 f.; ande­rer­seits [enger] BGH, Urteil vom 29.09.1987 – 4 StR 376/​87, BGHSt 35, 60, 64; Beschlüs­se vom 16.10.1987 – 2 StR 258/​87, BGHSt 35, 80; vom 25.06.2008 – 2 StR 226/​08, bei Cierniak/​Zimmermann, NStZ-RR 2011, 229; fer­ner KK-Kuck­ein, StPO, 7. Aufl., § 264 Rn. 7a mwN[]