Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die nega­ti­ve Gefähr­lich­keits­pro­gno­se

Für eine nega­ti­ve Gefähr­lich­keits­pro­gno­se muss nach § 63 Satz 1 StGB eine Wahr­schein­lich­keit höhe­ren Gra­des bestehen, der Täter wer­de infol­ge sei­nes fort­dau­ern­den Zustands in Zukunft erheb­li­che rechts­wid­ri­ge Taten bege­hen, durch wel­che die Opfer see­lisch oder kör­per­lich erheb­lich geschä­digt oder erheb­lich gefähr­det wer­den oder schwe­rer wirt­schaft­li­cher Scha­den ange­rich­tet wird.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die nega­ti­ve Gefähr­lich­keits­pro­gno­se

Die zu erwar­ten­den Taten müs­sen schwe­re Stö­run­gen des Rechts­frie­dens besor­gen las­sen.

Die not­wen­di­ge Pro­gno­se ist auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Wür­di­gung der Per­sön­lich­keit des Täters, sei­nes Vor­le­bens und der von ihm began­ge­nen Anlas­s­tat(en) zu ent­wi­ckeln; sie muss sich auch dar­auf erstre­cken, wel­che rechts­wid­ri­gen Taten von dem Ange­klag­ten dro­hen und wie aus­ge­prägt das Maß der Gefähr­dung ist. Neben der sorg­fäl­ti­gen Prü­fung die­ser Anord­nungs­vor­aus­set­zun­gen ist der Tatrich­ter auch ver­pflich­tet, die wesent­li­chen Gesichts­punk­te in den Urteils­grün­den so umfas­send dar­zu­stel­len, dass das Revi­si­ons­ge­richt in die Lage ver­setzt wird, die Ent­schei­dung nach­zu­voll­zie­hen 1.

Lie­gen – wie hier – als Anlas­s­ta­ten kei­ne Taten im Sin­ne des § 63 Satz 1 StGB vor, gel­ten gemäß § 63 Satz 2 StGB ver­schärf­te Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen; die beson­de­ren Umstän­de im Sin­ne die­ser Vor­schrift müs­sen die schma­le Tat­sa­chen­ba­sis infol­ge der anders gela­ger­ten Anlass­de­lik­te aus­glei­chen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Mai 2018 – 1 StR 36/​18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.10.2013 – 3 StR 349/​13, Rn. 5, NStZ-RR 2014, 89; vom 29.04.2014 – 3 StR 171/​14, Rn. 5, NStZ-RR 2014, 243; vom 16.09.2014 – 3 StR 372/​14, Rn. 4, NStZ-RR 2015, 43; vom 21.12 2016 – 1 StR 594/​16, Rn. 10, NStZ-RR 2017, 76 f.; und vom 21.02.2017 – 3 StR 535/​16, StV 2017, 575, 576[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.02.2017 – 3 StR 535/​16, aaO, S. 577; vom 07.03.2017 – 5 StR 609/​16, NStZ-RR 2017, 171; und vom 05.09.2017 – 3 StR 329/​17, Rn. 5[]