Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Zwei­fel am psy­chi­schen Defekt

Die grund­sätz­lich unbe­fris­te­te Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus gemäß § 63 StGB ist eine außer­or­dent­lich belas­ten­de Maß­nah­me, die einen beson­ders gra­vie­ren­den Ein­griff in die Rech­te des Betrof­fe­nen dar­stellt.

Unter­brin­gung in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus – und die Zwei­fel am psy­chi­schen Defekt

Sie darf daher nur dann ange­ord­net wer­den, wenn zwei­fels­frei fest­steht, dass der Unter­zu­brin­gen­de bei der Bege­hung der Anlas­s­tat(en) auf­grund eines psy­chi­schen Defekts schuld­un­fä­hig oder ver­min­dert schuld­fä­hig war und die Tat­be­ge­hung hier­auf beruht 1. Die­ser Zustand muss, um eine Gefähr­lich­keits­pro­gno­se tra­gen zu kön­nen, von län­ge­rer Dau­er sein 2.

Die Fra­ge, ob bei Vor­lie­gen eines der Ein­gangs­merk­ma­le des § 20 StGB bei – mit sach­ver­stän­di­ger Hil­fe fest­ge­stell­tem – gesi­cher­tem Vor­lie­gen eines psych­ia­tri­schen Befunds die Schuld­fä­hig­keit des Täters auf­ge­ho­ben oder im Sin­ne von § 21 StGB erheb­lich beein­träch­tigt war, ist eine Rechts­fra­ge. Um sie beant­wor­ten zu kön­nen und zudem eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Kon­trol­le der tat­ge­richt­li­chen Ent­schei­dung dar­über zu ermög­li­chen 3, ist in den Urteils­grün­den dar­zu­le­gen, in wel­cher Wei­se sich die fest- gestell­te Stö­rung bei Bege­hung der Tat auf die Hand­lungs­mög­lich­kei­ten des Täters in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on und damit auf die Ein­sichts- oder Steue­rungs­fä­hig­keit aus­ge­wirkt hat 4 und war­um die Anlass- taten auf den ent­spre­chen­den Zustand zurück­zu­füh­ren sind 5. Sol­che Dar­le­gun­gen sind auch des­halb gebo­ten, weil die im Rah­men des § 63 StGB zu erstel­len­de Gefähr­lich­keits­pro­gno­se maß­geb­lich auch an den Zustand des Täters bei Bege­hung der Anlas­s­ta­ten anknüpft 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. Mai 2018 – 1 StR 36/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2018 – 1 StR 116/​18, Rn. 5; und vom 08.11.2017 – 4 StR 242/​17, Rn. 5, RuP 2018, 100[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 19.01.2017 – 4 StR 595/​16, NStZ-RR 2017, 203, 204; und vom 08.11.2017 – 4 StR 242/​17, RuP 2018, 100[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.09.2015 – 1 StR 287/​15, NJW 2016, 341 f.; Beschlüs­se vom 04.04.2018 – 1 StR 116/​18; und vom 29.06.2016 – 1 StR 254/​16, StV 2017, 592 f.[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 30.03.2017 – 4 StR 463/​16, NStZ-RR 2017, 165, 166; Beschlüs­se vom 04.04.2018 – 1 StR 116/​18; vom 21.11.2017 – 2 StR 375/​17, Rn. 5; und vom 28.01.2016 – 3 StR 521/​15, NStZ-RR 2016, 135[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 25.07.2017 – 3 StR 119/​17[]
  6. BGH, Beschluss vom 18.11.2013 – 1 StR 594/​13, NStZ-RR 2014, 76 f.; Urteil vom 29.09.2015 – 1 StR 287/​15, NJW 2016, 341 f.[]