Kein Gerichts­be­scheid vom Rich­ter­dienst­ge­richt

Die durch § 83 Satz 1, § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG und § 96 Satz 3 LRiG LSA bestimm­te sinn­ge­mä­ße bzw. ent­spre­chen­de Gel­tung der Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung für das Prü­fungs­ver­fah­ren nach § 80 Nr. 1 LRiG LSA erfasst den Gerichts­be­scheid nach § 84 VwGO nicht.

Kein Gerichts­be­scheid vom Rich­ter­dienst­ge­richt

Nach § 83 Satz 1 DRiG sind Prü­fungs­ver­fah­ren ent­spre­chend § 63 Abs. 2, § 64 Abs. 1, §§ 65 bis 68 DRiG zu regeln. Nach § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG gel­ten für die Prü­fungs­ver­fah­ren die Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung sinn­ge­mäß. Die­se bun­des­recht­li­chen Vor­ga­ben setzt § 96 Satz 3 LRiG LSA um, indem dort u.a. für die Prü­fungs­ver­fah­ren nach § 80 Nr. 1 LRiG LSA die Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung für ent­spre­chend anwend­bar erklärt wer­den, soweit das Lan­des­rich­ter­ge­setz nichts ande­res bestimmt.

Das gilt aber nicht, was der Bun­des­ge­richts­hof für die ent­spre­chen­de Ver­wei­sung im säch­si­schen Lan­des­rich­ter­ge­setz bereits ent­schie­den hat 1, für die Bestim­mung des § 84 VwGO über die Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung durch Gerichts­be­scheid. Zwar lässt der Wort­laut von § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG und § 96 Satz 3 LRiG LSA eine Aus­le­gung zu, wonach die Anord­nung der sinn­ge­mä­ßen bzw. ent­spre­chen­den Gel­tung der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung § 84 VwGO erfasst. Die gemäß § 83 Satz 1, § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG vor­ge­ge­be­ne sinn­ge­mä­ße Gel­tung der Vor­schrif­ten der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung bedeu­tet aber deren Anwend­bar­keit nur, soweit sie sich mit der Aus­ge­stal­tung des Prü­fungs­ver­fah­rens im Deut­schen Rich­ter­ge­setz ver­ein­ba­ren lässt 2. Dar­an fehlt es nach Sinn und Zweck der Rege­lung, die in der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te ihre Bestä­ti­gung fin­det, bei der Bestim­mung über den Gerichts­be­scheid 3.

Danach konn­te der Dienst­ge­richts­hof das vor­lie­gen­de Prü­fungs­ver­fah­ren nicht nach § 84 VwGO ent­schei­den. Die­ser Ver­fah­rens­feh­ler ist von Amts wegen und nicht nur auf eine ent­spre­chen­de Ver­fah­rens­rüge zu berück­sich­ti­gen. Die Auf­he­bung einer Ent­schei­dung, die in einem vom Deut­schen Rich­ter­ge­setz nicht vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren ergeht, kann nicht von der Rüge eines Betei­lig­ten abhän­gen. Es muss viel­mehr von Amts wegen ver­hin­dert wer­den, dass das Ver­fah­ren ent­ge­gen den Vor­ga­ben des Deut­schen Rich­ter­ge­set­zes gestal­tet und auf der Grund­la­ge der gesetz­wid­ri­gen Ver­fah­rens­ge­stal­tung ent­schie­den wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Febru­ar 2014 – RiZ® 5/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 14.10.2013 RiZ® 5/​12 13 ff. und – RiZ® 6/​12 17 ff.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.03.2000 – RiZ® 4/​99, BGHZ 144, 123, 130[]
  3. im Ein­zel­nen BGH, Urtei­le vom 14.10.2013 RiZ® 5/​12 16 ff. und – RiZ® 6/​1220 ff.[]