Siche­rungs­haft in Dub­lin-Fäl­len – und die Text­bau­stei­ne im Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Siche­rungs­haft in Dub­lin-Fäl­len – und die Text­bau­stei­ne im Haft­an­trag

Dazu gehö­ren u.a. Anga­ben zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 FamFG), die auf den kon­kre­ten Fall zuge­schnit­ten sein müs­sen; Leer­for­meln und Text­bau­stei­ne genü­gen nicht.

Fehlt es an den erfor­der­li­chen Anga­ben, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den [1].

Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spracht der Haft­an­trag in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht:

Die dort ange­kreuz­ten Text­bau­stei­ne, dass die bean­trag­te Haft­dau­er erfor­der­lich sei, um „die für die Rück­rei­se benö­tig­ten Heimreisedokumente/​Durchreisesichtvermerke zu beschaf­fen“ und „die wei­te­ren inner­dienst­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zur Durch­füh­rung der Abschie­bung vor­zu­be­rei­ten“, stel­len uni­ver­sell ein­setz­ba­re Leer­for­meln dar. Auch die ergän­zen­den Aus­füh­run­gen in dem Haft­an­trag, dass für den Betrof­fe­nen inner­halb der nächs­ten Wochen ein Passersatz­pa­pier beschafft wer­den kön­ne, die­ses sofort bean­tragt wer­de und nach erfolg­ter Zusa­ge umge­hend ein Flug gebucht wer­de, sind nicht aus­rei­chend. Auch wenn für die Beschaf­fung eines Passersatz­pa­pie­res meh­re­re Wochen und für die – sich an die Zusa­ge anschlie­ßen­de – Buchung eines Flu­ges nach Rom eben­falls eine gewis­se Zeit benö­tigt wer­den, erklärt dies die bean­trag­te Haft­dau­er von knapp 13 Wochen nicht.

Der Man­gel ist im vor­lie­gen­den Fall weder durch eine Ergän­zung des Haft­an­tra­ges sei­tens der Behör­de noch durch ergän­zen­de Fest­stel­lun­gen des Haft­rich­ters mit Wir­kung für die Zukunft geheilt wor­den [2].

Die betei­lig­te Behör­de hat ihre Anga­ben in dem Haft­an­trag nicht ergänzt. Das Beschwer­de­ge­richt hat in sei­nem Beschluss zwar die Fest­stel­lung getrof­fen, dass nach einer am 30.06.2014 geschei­ter­ten Über­stel­lung nun­mehr eine kurz­fris­ti­ge Rück­füh­rung nach in Ita­li­en in Beglei­tung eines Beam­ten geplant sei und den – an dem Ver­hal­ten des Betrof­fe­nen – geschei­ter­ten Rück­füh­rungs­ver­su­chen „durch eine adäqua­te Haft­dau­er begeg­net wer­den“ müs­se. Die­se Aus­füh­run­gen las­sen aber nicht erken­nen, war­um das Beschwer­de­ge­richt trotz kurz­fris­tig geplan­ter Rück­füh­rung eine Haft­dau­er von noch fast sechs Wochen für erfor­der­lich hält.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Okto­ber 2015 – V ZB 155/​14

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 27.10.2011 – V ZB 311/​10, FGPrax 2012, 82, 83 Rn. 13; Beschluss vom 15.01.2015 – V ZB 165/​13, Rn. 5 mwN[]
  2. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 21. ff.[]