Auf­sichtrat haf­tet für sei­nen Vor­stand

Die Mit­glie­der des Auf­sichts­rat einer Akti­en­ge­sell­schaft haf­ten per­sön­lich für sit­ten­wid­ri­ges und betrü­ge­ri­sches Ver­hal­ten des Vor­stan­des einer Akti­en­ge­sell­schaft. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf einem Akti­en­an­le­ger, der wie mehr als 6.000 ande­re, Akti­en einer mitt­ler­wei­le insol­ven­ten AG erwor­ben hat­te, einen Scha­den­er­satz­an­spruch gegen den dama­li­gen Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den des Unter­neh­mens zuge­spro­chen.

Auf­sichtrat haf­tet für sei­nen Vor­stand

Die Akti­en­ge­sell­schaft hat­te zwi­schen 1999 und 2000 zehn Akti­en­emis­sio­nen durch­ge­führt und an mehr als 6.000 Anle­ger außer­börs­lich Akti­en ver­äu­ßert. Ins­ge­samt wur­den ca. 42 Mio. € ein­ge­nom­men. Die Gel­der wur­den nicht in wert­hal­ti­ge Anla­gen inves­tiert, son­dern ganz über­wie­gend für Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen, luxu­riö­se Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wen­dun­gen und Lea­sing­fahr­zeu­ge (BMW, Mer­ce­des, Fer­ra­ri) ver­wandt. Die Akti­en­ge­sell­schaft ist insol­vent. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de ist inzwi­schen vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf wegen Betru­ges und Untreue zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren und zehn Mona­ten ver­ur­teilt wor­den. Gegen den Auf­sichts­rat­vor­sit­zen­den ermit­telt die Staats­an­walt­schaft Düs­sel­dorf (Akten­zei­chen 130 Js 25/​06).

Der Klä­ger hat­te im August und Dezem­ber 2000 über Tele­fon­ver­käu­fer für ca. 6.300 € Akti­en der R. AG erwor­ben und hat nach der Insol­venz des Unter­neh­mens den dama­li­gen Auf­sichts­rat­vor­sit­zen­den und den Vor­stands­vor­sit­zen­den auf Scha­den­er­satz ver­klagt.

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te bei­de, den Auf­sichts­rat- und Vor­stands­vor­sit­zen­den, am 6.11.2007 zur Zah­lung von Scha­den­er­satz in Höhe rund 6.300 € ver­ur­teilt. Das Land­ge­richt war davon aus­ge­gan­gen, dass neben dem Vor­stands­vor­sit­zen­den auch der Auf­sichts­rat­vor­sit­zen­de für die ent­stan­de­nen Schä­den per­sön­lich haf­te, weil er sei­ner Auf­sichts- und Kon­troll­pflicht nicht nach­ge­kom­men sei. Der Auf­sichts­rat­vor­sit­zen­de habe not­wen­di­ge Nach­for­schun­gen bewusst unter­las­sen und daher zumin­dest beding­ten Schä­di­gungs­vor­satz hin­sicht­lich einer vor­sätz­lich sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung des Klä­gers gehabt (§ 826 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch). So habe er selbst dann kei­ne Kon­troll­maß­nah­men ergrif­fen, als er kei­ne Auf­sichts­rat­ver­gü­tung mehr erhal­ten habe und ihm so die Illi­qui­di­tät der Akti­en­ge­sell­schaft auf­ge­fal­len sei.

Der 9. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hat die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Düs­sel­dorf am 23.6.2008 bestä­tigt. Zur Begrün­dung hat der Senat ergän­zend aus­ge­führt, dass der Auf­sichts­rat­vor­sit­zen­de jeden­falls den drin­gen­den Ver­dacht gehabt habe, dass es sich um eine betrü­ge­ri­sche Akti­en­ge­sell­schaft gehan­delt habe. Er habe Bei­hil­fe zum sit­ten­wid­ri­gen und betrü­ge­ri­schen Ver­hal­ten des Vor­stan­des geleis­tet, weil er von vorn­her­ein nicht beab­sich­tigt habe, die nöti­ge Kon­trol­le aus­zu­üben, und kon­kre­ten Ver­dachts­mo­men­ten bewusst nicht nach­ge­gan­gen sei. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.6.2008 -I‑9 U 22/​08