Die Löschung einer ver­mö­gens­lo­sen GmbH – und ihre Pro­zess­fä­hig­keit

Die Löschung einer ver­mö­gens­lo­sen GmbH nach § 394 Abs. 1 FamFG hat zwar zur Fol­ge, dass die Gesell­schaft ihre Rechts­fä­hig­keit ver­liert und damit nach § 50 Abs. 1 ZPO auch ihre Fähig­keit, Par­tei eines Rechts­streits zu sein. Eine GmbH bleibt aber trotz der Löschung par­tei­fä­hig, wenn Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass noch ver­wert­ba­res Ver­mö­gen vor­han­den ist 1.

Die Löschung einer ver­mö­gens­lo­sen GmbH – und ihre Pro­zess­fä­hig­keit

Nach § 241 Abs. 1 ZPO ist ein Ver­fah­ren unter­bro­chen, wenn eine nicht pro­zess­fä­hi­ge Par­tei kei­nen gesetz­li­chen Ver­tre­ter mehr hat. Die­ser Fall ist mit der Amts­lö­schung der GmbH ein­ge­tre­ten. Damit ver­lor die Liqui­da­to­rin der GmbH ihr Amt. Die Löschung hat zur Fol­ge, dass der bis­he­ri­ge organ­schaft­li­che Ver­tre­ter sei­ne Ver­tre­tungs­be­fug­nis ver­liert und die GmbH pro­zess­un­fä­hig wird 2.

Dass die Liqui­da­to­rin Rechts­an­wäl­tin ist und die Beklag­te im Ver­fah­ren vor dem Beru­fungs­ge­richt ver­tre­ten hat, hin­dert die Unter­bre­chung nicht. Nach § 246 Abs. 1 ZPO tritt die Unter­bre­chung nicht ein, wenn die Gesell­schaft durch einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ver­tre­ten war 3. Das setzt grund­sätz­lich vor­aus, dass die Ver­tre­tung auf einer Pro­zess­voll­macht beruht und damit § 86 ZPO Anwen­dung fin­det. Wenn der gesetz­li­che Ver­tre­ter der Par­tei selbst Rechts­an­walt ist und sie nicht auf­grund einer Pro­zess­voll­macht ver­tritt (vgl. § 78 Abs. 4 ZPO), ist § 246 ZPO nicht anwend­bar, son­dern der Rechts­streit mit dem Weg­fall der organ­schaft­li­chen Ver­tre­tungs­be­fug­nis unter­bro­chen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Okto­ber 2013 – II ZR 269/​12 und II ZR 281/​12

  1. BGH, Urteil vom 25.10.2010 – II ZR 115/​09, ZIP 2010, 2444 Rn. 22 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 18.01.1994 – XI ZR 95/​93, NJW-RR 1994, 542[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.02.1993 – II ZR 62/​92, BGHZ 121, 263, 266; Urteil vom 18.01.1994 – XI ZR 95/​93, NJW-RR 1994, 542[]
  4. vgl. OLG Köln, OLGR 2003, 173; Münch­Komm-ZPO/Gehr­lein, 4. Aufl., § 241 Rn. 3; Stein/​Jonas/​Roth, ZPO, 22. Aufl., § 246 Rn. 3; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 246 Rn. 2a[]