Erle­di­gung im akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­pro­zess

Im akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­pro­zess ist eine hilfs­wei­se Erle­di­gungs­er­klä­rung nach einem Bestä­ti­gungs­be­schluss unzu­läs­sig.

Erle­di­gung im akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­pro­zess

Die hilfs­wei­se Erle­di­gungs­er­klä­rung im Anfech­tungs­pro­zess ist unzu­läs­sig 1. Für den Fest­stel­lungs­an­trag, der in einer ein­sei­ti­gen hilfs­wei­sen Erle­di­gungs­er­klä­rung ent­hal­ten ist, fehlt das erfor­der­li­che recht­li­che Inter­es­se (§ 256 Abs. 1 ZPO), das regel­mä­ßig in einer güns­ti­gen Kos­ten­fol­ge liegt 2. Außer­dem wäre es wider­sprüch­lich, nach einer Abwei­sung des Haupt­an­trags als unbe­grün­det auf den Hilfs­an­trag die Erle­di­gung fest­zu­stel­len 3. Auch eine güns­ti­ge Kos­ten­fol­ge nach § 91a Abs. 1 ZPO ist mit einem ent­spre­chen­den Hilfs­an­trag regel­mä­ßig nicht zu errei­chen, weil im Rah­men der Kos­ten­ent­schei­dung stets zu berück­sich­ti­gen ist, dass die Kla­ge mit dem Haupt­an­trag abge­wie­sen wor­den ist. Unzu­tref­fend meint das Beru­fungs­ge­richt, ein sol­ches Fest­stel­lungs­in­ter­es­se erge­be sich aus einer Beson­der­heit der Kla­ge gegen Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­se, bei der die Bestä­ti­gungs­be­schlüs­se nur die Anfecht­bar­keit, nicht aber die Nich­tig­keit besei­ti­gen. Die ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung dient nicht dazu, dem Klä­ger zu Las­ten des Pro­zess­geg­ners das Pro­zess­ri­si­ko für die Ein­schät­zung abzu­neh­men, ob ein erle­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist, d.h. ob hier nicht beheb­ba­re Nich­tig­keits­grün­de vor­lie­gen.

Die hilfs­wei­se Erle­di­gungs­er­klä­rung der Klä­ger ist nicht dahin aus­zu­le­gen, dass die Fest­stel­lung begehrt wird, das mit dem Haupt­an­trag ver­folg­te Kla­ge­ziel habe sich erle­digt. Eine Erle­di­gungs­er­klä­rung kann in die­sem Sinn aus­ge­legt wer­den, wenn über das Kos­ten­in­ter­es­se hin­aus aus­nahms­wei­se ein recht­li­ches Inter­es­se an der Fest­stel­lung vor­han­den ist, dass der Kla­ge­an­spruch – hier die Nich­tig­erklä­rung der ange­foch­te­nen Beschlüs­se – bis zum Ein­tritt des erle­di­gen­den Ereig­nis­ses bestand, aber nicht mehr für die Zukunft gel­tend gemacht wer­den kann 4. Für eine sol­che "Erle­di­gungs­er­klä­rung" fehlt im akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­pro­zess das Bedürf­nis. § 244 Satz 2 AktG lässt eine zeit­lich beschränk­te Nich­tig­erklä­rung zu und trägt einem gege­be­nen­falls bestehen­den recht­li­chen Inter­es­se an der Fest­stel­lung Rech­nung, dass die Anfech­tungs­kla­ge bis zur Bestä­ti­gung begrün­det war.

Eine Umdeu­tung des unzu­läs­si­gen Hilfs­an­trags auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung in einen Antrag nach § 244 Satz 2 AktG schei­det aus. Eine sol­che Umdeu­tung kommt in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 140 BGB nur in Betracht, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der umge­deu­te­ten Pro­zess­hand­lung ein­ge­hal­ten sind, die Umdeu­tung dem mut­maß­li­chen Par­tei­wil­len ent­spricht und kein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des Geg­ners ent­ge­gen­steht 5. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Antrags nach § 244 Satz 2 AktG feh­len, weil ein recht­li­ches Inter­es­se der Klä­ger an der zeit­lich beschränk­ten Nich­tig­erklä­rung nicht dar­ge­legt und vom Beru­fungs­ge­richt nicht fest­ge­stellt ist. Das Inter­es­se an einer güns­ti­gen Kos­ten­ent­schei­dung genügt nicht, da sie mit der unbe­ding­ten Erle­di­gungs­er­klä­rung in der Haupt­sa­che erreicht wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Febru­ar 2011 – II ZR 206/​08

  1. BGH, Beschluss vom 16.08.2010 – II ZR 105/​09, AG 2010, 749 Rn. 4[]
  2. BGH, Urteil vom 16.03.2006 – I ZR 92/​03, NJWRR 2006, 1378 Rn. 20; Urteil vom 27.02.2007 – XI ZR 55/​06[]
  3. BGH, Urteil vom 8.02.1989 – IVa ZR 98/​87, BGHZ 106, 359, 368[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 19.03.1998 – I ZR 264/​95, NJWRR 1998, 1571, 1572 – Brenn­wert­kes­sel[]
  5. BGH, Beschluss vom 3.03.2008 – II ZR 251/​06, WM 2008, 1231 Rn. 8 m.w.N.[]